Der Leichtathletik-Weltverband IAAF blockiert die Veröffentlichung einer Studie, die weit verbreitetes Doping bei Spitzenathleten dokumentiert. Die Studie zeige unter anderem, wie wirkungslos Dopingkontrollen seien, berichtete die ARD, der die Untersuchung vorliegt.

Als Reaktion auf die Enthüllungen haben die deutschen Spitzenathleten Robert Harting, Robin Schembera und André Höhne ihre Blutwerte zur Veröffentlichung freigegeben. "Wenn eindeutig ist, wie wir arbeiten, und das an unserem Innersten zu erkennen ist – ist doch gar keine Frage, dass man das irgendwie zeigen kann", sagte Diskus-Olympiasieger Harting der Sportschau.

Die Universität Tübingen, die an der Erhebung beteiligt war, bestätigte, dass die IAAF seit zwei Jahren die Veröffentlichung verhindert. Ein Sprecher der Universität sagte, dies sei ein "schwerwiegender Eingriff in die Publikationsfreiheit". Die IAAF erklärte auf Nachfrage der ARD, sie sei in dieser Sache mit den Wissenschaftlern im Gespräch.      

Die Wissenschaftler der Universität Tübingen hatten während der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2011 in Südkorea Hunderte Athleten interviewt. Etwa ein Drittel der Befragen gab an, in den zwölf Monaten vor der WM gedopt zu haben. Aus den Ergebnissen der Umfrage schlossen die Forscher, dass 29 bis 34 Prozent der 1.800 Athleten in den zwölf Monaten vor den Wettkämpfen gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen hatten.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte bisher angegeben, dass in der Leichtathletik lediglich ein bis zwei Prozent aller Dopingtests positive oder auffällige Werte liefern.

Die Agentur hatte die Studie in Auftrag gegeben und finanziert, um unter dem Schutz der anonymen Befragung Aufschluss zu erhalten, in welchem Umfang Doping betrieben wird. Vereinzelte Ergebnisse der Studie waren 2013 in der New York Times erschienen. Schon damals war die IAAF daraufhin mit den Vorwürfen der Vertuschung konfrontiert worden. 

Die Autoren der Studie wurden laut der britischen Zeitung Sunday Times angewiesen, eine Vertraulichkeitserklärung zu unterschreiben. Sie kritisieren den IAAF dafür, die Publikation zu verhindern.

Russischen Leichtathleten drohen lange Sperren

Laut ARD könnten mehrere russische Spitzenläuferinnen, Trainer und ein Mediziner zu langjährigen bis lebenslangen Sperren verurteilt werden. So soll die IAAF den russischen Verband zu einer Stellungnahme zu insgesamt acht in Bild oder Ton dokumentierten Dopingvergehen aufgefordert haben.

Sollten die Vorwürfe nicht entkräftet werden, müssen die 800-Meter-Olympiasiegerin Maria Sawinowa, die Olympiadritte Ekaterina Poistogowa sowie zwei Nachwuchsläuferinnen mit jeweils einer vierjährigen Sperre für alle Wettkämpfe rechnen. Nach den Regularien der IAAF würden der 800-Meter-Trainer Wladimir Kasarin, der Chefmediziner des russischen Verbands, Sergej Portugalow, sowie zwei weitere Trainer in diesem Fall sogar eine lebenslängliche Sperre erhalten.