Aquatics Centre – Die tollste Geschichte aus Bastian Schweinsteigers Zeit beim FC Bayern bleibt die Episode mit der "Cousine". Morgens um zwei habe er damals im Frühjahr 2003 seiner weiblichen Begleitung "mal das Trainingsgelände zeigen wollen" – und wurde prompt vom Sicherheitsdienst im Whirlpool überrascht. Etwas weniger intim, aber super planschen kann man in Manchester heutzutage im Aquatics Centre. Mit Verwandtschaft unbedingt nach dem Familienticket fragen.

Bookies – Während man in Bayern handliche Beträge beim Schafkopf verzockt, legt der spieltriebige Brite sein Geld gern bei den Bookies an. Und die Buchmacher nehmen so ziemlich jede Wette an: ob United Meister wird (bisschen langweilig), wie das erste Wort von Prince George lautet (schon spannender), oder ob Julian Assange die Botschaft von Ecuador per Heißluftballon verlässt (völlig abgehoben).

City – Die Stadtrivalität ist in Manchester auch nicht viel anders als in München. Die Roten, das ist immer Schweinsteigers Team. Die Blauen, das sind immer die anderen. Nachdem Manchester City jahrzehntelang Gespött der United-Fangesänge war, weil der Verein mehr als 40 Jahre ohne Meistertitel dastand, hat sich das Kräfteverhältnis jüngst merklich geändert: Was Blau machte, ließ Rot oft schwarzsehen.

Doctor Who – Nicht nur der FC Bayern muss diese Saison ohne die ansehnlichen Kurzsprints von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt auskommen. Auch Bastian Schweinsteiger wird sich trotz Fußzwicken ganz schnell an einen neuen Doktor gewöhnen müssen: Wenn er die BBC-Straßenfegerserie Doctor Who nicht guckt, hat er beim Morgenschnack in der Umkleide ganz miese Karten.

English Breakfast – Gärtnerplatzbrunchverwöhnt sollte Schweinsteiger nicht wie einst Sven-Göran Eriksson den Neuankömmlingfehler machen und sich im Radisson Hotel bei gesundem Continental breakfast ins Fenster setzen. Das erinnerte unfreiwillig an eine kulinarische Abwandlung des Amsterdamer Rotlichtviertels. Ein gut fettiges Bauarbeiterfrühstück gibt es dagegen im Koffee Pot auf der Oldham Street. Über den Wechsel sagte Schweinsteiger, United sei "der größte Club der Welt". Nicht so groß wie das Floppers Breakfast für 12 Pfund. (Na ja, wollen wir nicht übertreiben: immer noch etwas kleiner als Trainerriese van Gaal.)

Friseur – Wer sich im Mallorca-Urlaub mal in den etwas hochtourigen Badeort Magaluf verirrt hat, weiß, dass der Engländer zwei Frisuren kennt: rasierter und ausrasierter Nacken. Diese Varianten kann sich Schweinsteiger, der über die Jahre selbst so manch schmissigen Schnitt ausprobiert hat, in einem der vielen Läden im Northern Quarter holen. But careful, son – die Gegend ist Blues-Territorium. Also besser im Lowry Hotel nach Dilan fragen, dem Anti-Guardiola unter den Friseuren: spricht super, super lupenreines Deutsch und hat selbst für die Anliegen nicht mehr ganz so fitter Semester ein Ohr.

Glazer – Der Grund, warum die Bilanzbücher bei Manchester United im Vergleich mit dem FC Bayern nicht ganz so blitzsauber sind, heißt Malcolm Glazer. Der im vergangenen Jahr verstorbene US-Unternehmer hatte 2005 die Mehrheit an dem Club übernommen – und die Kaufsumme von fast 800 Millionen Pfund größtenteils über Schulden finanziert. Seine Familie führt nun die Millionengeschäfte weiter.

Haçienda – Lange bevor in Berlin die zugezogenen Gästelistenhopper den Unterhaltungspunkt Berghain in den Reiseführern entdeckten, maßten sich Ende der 1980er die stolzen Mancunians an, das Epizentrum für Acid House zu sein. Sie nannten es Madchester, ihr Vereinsheim hieß The Haçienda und Ecstasy schluckten sie wie M&M's. Natürlich konnte die Party nicht ewig gehen. Mad indeed. Filmtipp dazu: 24 Hour Party People.

International Festival – Im London-zentrischen Großbritannien gibt es wenige Veranstaltungen außerhalb der Hauptstadt, die wirkliche Anziehungspunkte sind. Das Manchester International Festival gehört definitiv dazu. Vergangenen Juli erst vertonte Damon Albarn Alice im Wunderland, während Gerhard Richter eine neue Bilderserie präsentierte und Björk ihr aktuelles Album uraufführte.

Joy Division – An seine Liebe zur Musik hat Schweinsteiger uns kürzlich in seinem hastig improvisierten Abschiedsvideo erinnert. Für die ersten Erkundungsspaziergänge mit den großen Kopfhörern hat er die freie Soundtrackauswahl: Manchester ist die Heimat von Oasis, den Stone Roses, den Smiths, aber auch von Simply Red, Take That und M People. Die düstere Melancholie, die selbst heute noch über der grauen Stadt liegen kann, fing am Ende jedoch niemand so treffend ein wie Joy Division.

Klima – Das verheißungsvolle Blau des bayerischen Himmels hat Schweinsteiger hoffentlich gut abgespeichert. Für Postkartenwetter ist Manchester nämlich nicht bekannt. Meteorologen sind sich einig, dass es in keiner anderen englischen Stadt so viel regnet im Jahr wie dort oben im Nordwesten. Trister sind nur Abschiede aus München.

Liverpool – Geografisch das Nürnberg Nordenglands. Aus Sicht von United-Fans ein noch schlimmerer Dorn im Auge als City, da Liverpool sich im Gegensatz zu den Blauen in den vergangenen 40 Jahren immerhin hin und wieder mal als konkurrenzfähig erwies. Ansonsten: vermintes Gelände für Mancunians.

Marx – Ist es ironisch, hat es überhaupt irgendeine Bedeutung, dass Schweinsteiger wahrscheinlich die letzten Jahre seiner Karriere mit einem gut dotierten Vertrag in der Stadt verbringt, in der Marx und Engels 150 Jahre zuvor in der Chetham's Library die Köpfe zusammensteckten, um ihre Version des Kommunismus zu definieren?