Um den Druck vom Nachfolger zu nehmen, erscheint es ratsam, ihm von vornherein den Rücken zu stärken. Das tut Watzke, indem er das Hohelied auf den Trainer singt. Er sei von seiner leitenden Fachkraft "total überzeugt", sagt der 59-Jährige. Tuchel arbeite "höchst professionell mit seinem Team, ist fachlich überragend und sehr ambitioniert". Zudem halte er die Vergleiche mit seinem Vorgänger "mit großer Gelassenheit aus".

Allerdings gibt es neben der inhaltlichen auch noch eine Metaebene: Wie kommt Tuchel mit dem Geist von Klopp zurecht, den viele Beobachter im Trainingszentrum von Brakel, im Stadion und im Umfeld des BVB vermuten? Entertainer, Medienprofi, Volkstribun – Dortmunds Trainer-Ikone wusste die gesamte Klaviatur zu bedienen, um sich publikumswirksam in Szene zu setzen. Im Vergleich dazu sei der Neue unnahbar und spröde, hieß es. Dieser Ruf eilte Tuchel aus seiner letzten Station in Mainz voran.  

Freundlich, eloquent, verbindlich

Doch bei seinen bisherigen Auftritten bewährte er sich auch auf dem Feld, das für ihn am schwersten bespielbar scheint. Freundlich, eloquent, verbindlich: Pressekonferenzen mit Thomas Tuchel bieten zwar keine große Unterhaltung, können dafür aber äußerst lehrreich sein.  

Es scheint, als könne der Schwabe in Dortmund ein neues Arbeitsklima etablieren. Spieler wie Ilkay Gündoğan oder Mats Hummels schwärmen von den vielfältigen Möglichkeiten seiner Übungen. "Selbst unsere Neugier ist geweckt", berichtete der Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke jüngst dem kicker: "Jeder fährt die Antennen wieder mehr aus." Wer sich im Dortmunder Umfeld umschaut, stellt dieser Tage erstaunt fest: Der Schatten von Jürgen Klopp, er scheint also gar nicht so lang zu sein, wie die Experten vorausgesagt hatten.