1. Der Fußball wird schlechter.

Kevin De Bruyne hat schon zwei Spiele in dieser Saison gemacht, sogar den Supercup gewonnen. Doch jetzt ist er weg. Sicher, Manchesters Coach Manuel Pellegrini wird sich über seinen späten Zugang aus Wolfsburg nicht beschweren. Er steht oben in der Nahrungskette. Die meisten anderen Trainer reagieren aber so, wenn sie einen Spieler oder gar zwei oder mehrere nach drei Spieltagen, also mitten in der Saison, noch verlieren:


Eine monatelange Trainings- und Vorbereitungszeit liegt hinter ihnen, die Saison war schon geplant, Hierarchien hatten sich gebildet. Und dann kommt irgendein Neureicher noch auf Ideen. Die Mannschaften werden dadurch nicht besser. Wer weiß, was sich die Engländer noch einfallen lassen, denn sie dürfen bis zum 1. September shoppen. Man muss Aki Watzke nicht immer recht geben, in diesem Fall kann man ihm nur zustimmen. "Es wäre auf jeden Fall fairer", sagte er, "wenn das Transferfenster mit dem 1. Spieltag schließt und für das ganze Jahr geschlossen bleibt."

2. Das kicker-Mannschaftsbild können wir zerknüllen.

Auch Fans stellen sich stets auf die neue Saison ein. Ihr Leben besteht aus Zyklen aus 34 Spieltagen, mit klar definiertem Beginn und Ende. Zu den Ritualen gehört der Kauf des Bundesliga-Sonderhefts von kicker (nur der kicker hat chronistenamtliche Ewigkeitsgarantie). Aber durch den Deadline Day ist das alles schon nach vier Wochen nicht mehr gültig. Auf den Mannschaftsbildern muss man so manchen Spieler durch-X-en und einklinken. Wie das aussieht, daran denkt kein Scheich.

3. Alle drehen durch.

Millionen Euro wechseln in den letzten Augusttagen die Besitzer, dass ein Vergleich jedem Pferdemarkt spotten würde. Am letzten Tag, ja in den letzten Stunden vor Transferschluss vermeldete der Fußball fast mehr Transfers als in der gesamten Sommerpause – darunter die zwei Weltmeister Julian Draxler und Kevin Großkreutz. Leidtragender dieser Broker-Mentalität: die Vernunft. Auf den Bildern, auf denen Verträge unterschrieben und Trikots in die Kamera gehalten werden, kriecht manchem die Gier aus den Augen. Es ist ein Eldorado für Berater, Manager und sonstige Kickback-Jäger.

4. Keine Selfies, bevor nicht alles klar ist!

Vor gut vier Jahren durfte Eric Maxim Choupo-Moting nicht von Hamburg nach Köln wechseln. Die Seite zwei des Fax kam eine Viertelstunde nach Transferende in Frankfurt an. Grund war ein technischer Defekt am Gerät. Auch der aktuelle Wechsel von Großkreutz nach Istanbul könnte an einer Formalie scheitern. Galatasaray hat offenbar die Frist des türkischen Verbands versäumt. Dabei kursieren auf den vielen kreuznervösen Live-Tickern schon Bilder, die Gala-Fans mit Großkreutz am Flughafen schossen. Den rot-gelben Schal haben sie ihm schon den Hals umgelegt.

5. Schalke ist der Verlierer.

Der ganze Handel ist ein Spiel, bei dem es auf gute Nerven ankommt und auch auf Glück. Es gibt Gewinner, Dortmund konnte ein wenig ausmisten, der Meister Bayern Dante an den Vizemeister loswerden, er war nicht mehr gut genug. Aber es gibt auch Verlierer, diesmal vor allem Schalke. Draxler ist weg, das Schalker Kind. Doch der erbetene Filip Kostić aus Stuttgart ist nicht da. Mit ihm war sich Horst Heldt schon einig, aber Robin Dutt hätte ihn offenbar nur verkauft, wenn er stattdessen Kuba aus Dortmund bekommen hätte. Der ging aber nach Florenz. Eine ähnliche Dominostrategie planten wohl auch die Schalker, aber ihr Stein fiel aus irgendwelchen Gründen in die falsche Richtung.

6. Draxler ist sein Geld wert.

35 Millionen für einen Spieler, der in letzter Zeit nicht viel gebracht hat. Wolfsburg schmeißt auf der Suche nach Ersatz für De Bruyne mit Geld nur so um sich, heißt es. Mal abgesehen davon, dass man diese Summe natürlich für viel zu viel Geld halten kann, um einen Fußballer zu kaufen – für Mario Götze zahlte Bayern ähnlich viel. Draxler mag ein Underperformer sein, hat aber ebenso hervorragende Anlagen wie Götze, vielleicht sogar noch bessere. Relativ ist er sein Geld wert. Auf jeden Fall ist er besser als halb so gut wie der doppelt so teure De Bruyne.

7. Dem Fußball schadet das nicht.

Vielerorts hört und liest man nun, dass die turbokapitalistischen Exzesse dieser Tage und die Debatten, ob De Bruyne 10, 20 oder 100 Millionen verdient, dem Fußball schaden würden. Dass die Blase platzt. Dass die Moral siegt. Dass Karl Marx gewinnt. Manche Fans stört dieses Monopoly tatsächlich, zumindest sagen sie das jetzt. Wer hält die Wette? Die Fans werden nicht weniger, sie werden auch nicht leiser jubeln oder weniger twittern als zuvor. Ihnen ist egal, ob an den ohnehin schon obszönen Zahlen noch eine Null dranhängt. Hauptsache, der Ball liegt im Tor.