1) Nutzt Pep seine letzte Chance?

Jupp Heynckes hatte das Triple auch geschafft, also muss Pep Guardiola das erst recht können, sagen die Pep-Skeptiker. Sie übersehen allerdings, dass die Konkurrenten im bayerischen Triumphjahr 2013 schwächer und so gut wie alle Bayern-Stammkräfte dauerhaft fit und gesund waren. Egal, Guardiola muss die Champions League gewinnen, sonst kann und soll er einpacken. Diese extrem hohe Erwartung wird in seinem dritten Jahr an ihn herangetragen. Ausgerechnet jetzt aber unterbietet seine Mannschaft seinen hohen Standard. Zwar gewann sie vier von vier Bundesliga-Spielen. Doch das Mittelfeld war nie so dominant wie in den beiden Hinrunden zuvor. Kombinationen über mehrere Stationen sah man seltener, der Spielfluss wurde zäher. Guardiola hat die Bayern in zwei Jahren zwar besser gemacht. So gut wie an ihren besten Tagen hat noch nie eine deutsche Mannschaft zuvor gespielt. Aber er hat womöglich Probleme, das Niveau zu halten, das war schon in der vergangenen Rückrunde so. Vielleicht glauben nicht mehr alle Spieler in gleichem Maß an seine Idee. Womöglich hat der Verein Mühe, Guardiola-Fußballer zu finden. Xabi Alonso ist eigentlich zu langsam für das Topniveau und ein Alphatier wie Arturo Vidal gefällt sicher den Teutonen, dürfte aber nicht unbedingt sein Liebling sein. Doch vielleicht machen es die Bayern ja umgekehrt: mit einer Steigerung in der Rückrunde.

2) Wann scheiden die anderen Deutschen aus?

Die Weltmeisterliga schickt zum dritten Mal nacheinander vier Teilnehmer ins Rennen. Doch Optimismus geht anders. Vor vier Monaten sah man Siegerselfies aus der Gladbacher Kabine. Nun schlottern die Knie der Borussen. Das Team von Lucien Favre verlor gar gegen den HSV und hält seinen Matchplan bislang gut versteckt. Immerhin: Die Fans führt die Sightseeing-Runde zu Manchester City, Juventus Turin und, heute, nach Sevilla. Ob danach noch gereist wird, ist fraglich. Auf Überwintern hoffen dürfen die Leverkusener. Die Gegner heißen Bate Borissov, AS Rom und FC Barcelona. Auf den zweiten Platz besteht also eine Chance. Allerdings nicht, wenn der Sturm weiterhin ausbleibt. Nur drei Tore schoss die Elf in vier Spielen, selbst gegen Darmstadt kam sie nicht durch. Der VfL Wolfsburg hat wohl die größte Chance. Der VfL ist in einer Gruppe mit Manchester United, PSV Eindhoven und ZSKA Moskau. Das Ziel fasste Klaus Allofs in der FAS in den Satz: "Wir wollen ein würdiger Vertreter der Bundesliga sein." Um die Ausgangsfrage zu beantworten: Der früheste Zeitpunkt ist der vierte Spieltag im November, vorher kann man nicht ausscheiden.

3) Wird erstmals ein Team den Titel verteidigen?

Seit der Einführung der Champions League 1992 konnte sie kein Verein zwei Mal nacheinander gewinnen. Juventus Turin schaffte es in den Neunzigern immerhin drei Mal in Serie ins Finale. In dieser Saison stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Regel gekippt wird. Der FC Barcelona ist Titelverteidiger und der ist ja immer Favorit. Die Spanier haben unter Luis Enrique, der sie seit einem Jahr coacht, nach schwierigem Anfang zu sich gefunden. Der Trainer hat den feinen Guardiola-Stil übernommen, die Elf spielt aber dynamischer und zielstrebiger. Zwar ist Xavi Hernández in Katar-Rente und Pedro ist in Chelsea. Doch Barcelona hat noch genug Kicker höchster Qualität. Andrés Iniesta wird vermutlich noch wichtiger. Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez sind das beste Angriffstrio der Welt. Und Schalke und die Bundesliga müssen sich fragen lassen, warum die Weltklasse von Ivan Rakitić hier nicht auffiel. 

4) Ersticken die Engländer an ihrer Kohle?

Manchester City mag reich sein wie Bill Gates, doch nicht alles ist käuflich. Ein Champions-League-Titel zum Beispiel. City marschiert zwar wieder in der Liga voran und hat wieder kräftig aufgerüstet. Die Transferkurve sieht aus wie ein wilder Aktienkurs. Doch in einem Viertelfinale der Champions League war City noch nicht vertreten. Die anderen Engländer zuletzt auch nicht. Ob das diesmal anders wird? Die Millionentruppe aus Chelsea freut sich auf die Champions League, aber nur, weil es keine Ligaspiele sind. Rang 17 nach fünf Runden, da schaut José Mourinho aus der Wäsche. Mesut Özil und sein Arsenal behielten ihr Geld ohnehin für sich, holten nur Petr Čech und hoffen, dass das in einer Gruppe mit dem FC Bayern reicht. Der vierte englische Club verpflichtete einen deutschen Botschafter: Bastian Schweinsteiger. Diplomatisch korrekt freut er sich nun auf die Rückkehr in die Heimat, auch wenn es erst mal nur nach Wolfsburg geht. Favoriten wie noch vor fünf Jahren sind die Engländer nicht mehr. Immerhin: Auch in der Jugendarbeit professionalisieren sich die Clubs, immer mit einem Blick auf das deutsche Weltmeistermodell.