Die Ethikkommission des Weltfußballverbands Fifa hat ihren Präsidenten Joseph Blatter und Uefa-Chef Michel Platini für jeweils 90 Tage gesperrt. Das teilte die Ethikkammer des Verbandes mit. Auch der bereits beurlaubte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke wurde von der Kommission suspendiert. Die Sperre kann bei Bedarf um maximal 45 Tage verlängert werden.

Die Sperre bedeutet für Blatter, dass er vorläufig keine fußballbezogenen Tätigkeiten mehr ausüben darf. Sein Vize Issa Hayatou aus Kamerun dürfte satzungsgemäß vorerst das Amt übernehmen. Gesperrt wurde auch der Südkoreaner Chung Mong Joon, der wie Platini ein Anwärter auf die Nachfolge Blatters ist. Chung wurde mit einer Sperre von sechs Jahren und einer Strafzahlung von 100.000 Franken belegt.

Blatter plädiert weiter auf nicht schuldig und bemängelt das vermeintliche Vorgehen der Ethikhüter des Fußball-Weltverbands. "Präsident Blatter ist enttäuscht, dass die Ethikkommission nicht dem Ethik- und Disziplinarcode gefolgt ist, die beide die Möglichkeit schaffen, angehört zu werden", ließ er über seine Anwälte mitteilen.

Die Entscheidung der Ethikkommission basiere auf einem Missverständnis der Aktionen der Schweizer Bundesanwaltschaft, hieß es weiter. Des weiteren seien die Ermittler vom Gesetz verpflichtet, den Fall einzustellen, sollte ihre Untersuchung keinen hinreichenden Beweis erbringt. "Präsident Blatter erwartet die Möglichkeit, Beweise zu präsentieren, dass er nicht an irgendeinem kriminellen Fehlverhalten beteiligt war." Ob Blatter binnen zwei Tagen Einspruch einlegen wird, ließen seine Vertreter offen.

Uefa-Chef Platini hatte kurz vor der Mitteilung der Ethikkommission noch angekündigt, wie geplant für die Nachfolge Blatters als Präsident kandidieren zu wollen. Die dazu notwendigen Unterlagen und Unterstützerstimmen habe er am Donnerstagmorgen eingereicht, teilte er mit. "Dieses absichtliche Leck, das hinterhältig und unakzeptabel ist, ist ein Versuch meiner Reputation zu schaden", sagte Platini mit Blick auf seine Verwicklung in den Korruptionsskandal.

Ermittlungen als Auslöser

Hintergrund der Sperren sind die Korruptionsvorwürfe, denen Ermittlungsbehörden in der Schweiz und in den USA nachgehen. Laut Schweizer Bundesanwaltschaft besteht der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Karibischen Fußballunion und deren Präsident Jack Warner einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat. Auch bei der Umsetzung des Vertrages soll gegen Fifa-Interessen verstoßen worden sein.

Darüber hinaus soll Blatter im Februar 2011 treuwidrig zwei Millionen Schweizer Franken an den Uefa-Präsidenten Michel Platini gezahlt haben, angeblich für zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geleistete Dienste. Platini wurde von der Bundesanwaltschaft als Zeuge vernommen und verteidigte die Zahlungen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat geschockt auf die 90-Tage-Sperren reagiert. "Was heute passiert ist, ist der absolute Super-GAU, dass wir an der wichtigsten Stelle des Weltfußballs nun eine Führungslosigkeit haben. Da ist der absolute Tiefpunkt gekommen." Die Zukunft könne nur ohne Blatter passieren. Und auch das Verhältnis zu Platini sei neu zu bewerten: "Vor 14 Tagen war noch alles klar. Er hatte über 100 Unterstützer, auch den DFB." Nun müsse Platini vor allem entscheiden, ob er unter den neuen Umständen seine Kandidatur aufrecht erhalte. Niersbach forderte unverzüglich Sitzungen der Exekutivkomitees von Uefa und Fifa, denen er angehört.

Kommissarischer Fifa-Präsident Hayatou ebenso unter Korruptionsverdacht

Währenddessen werden über Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou ebenfalls Korruptionsgerüchte laut. Wie der Guardian berichtet, steht auch Hayatous Name auf einer Liste der nicht mehr existierenden Sportmarketing-Firma ISL, die zwischen 1989 und 1999 100 Millionen Dollar Schmiergeld an verschiedene Verbände und Einzelpersonen gezahlt haben soll. Auch der Präsident des Leichtathletikweltverbandes, Lamine Diack, soll auf der Liste stehen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Ethikkommission in Zürich getagt hatte, um über eine Sperrung von Blatter zu beraten. Das ging aus einer Erklärung des Kommissionsmitglieds Abdoulaye Makhtar Diop hervor, Fifa-Richter und Ex-Sportminister von Senegal. 

Die Fifa hat 2009 ein Ethikreglement verabschiedet. Nach den Skandalen um die WM-Vergabe an Russland und Katar im Jahr 2010 wurde das Gremium reformiert und in zwei Kammern unterteilt. Die untersuchende Kammer leitet der Schweizer Cornel Borbély. Die rechtsprechende Kammer wird von dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert geführt.

Die Ethikkommission ist laut Fifa-Statuten unabhängig. Allerdings ist sie immer wieder Kritik ausgesetzt. Ein Vorwurf lautet, besonders streng gegen Gegner von Joseph Blatter vorzugehen.