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Am Freitagabend saß ich in der Küche neben einer Packung Choco Crossies und einer Flasche Bier, eine Kombination, die nichts Gutes vermuten lässt. Beide waren leer. Ich begrüßte meinen Freund mit den Worten: "Ich bin eifersüchtig". "Auf wen?", fragte er, leicht verunsichert. "Auf Liverpool."

Ich, Fan von Borussia Dortmund, hatte den ganzen Tag dabei zugesehen, wie sich Liverpool in Jürgen Klopp verliebte. Im Minutentakt sandte der Verein schwärmerische Tweets über den neuen Trainer. Und bei Videos wie Watch Jürgen Klopps ten best career goals muss man wirklich von Verknalltheit reden. Männliche gestandene englische Fußballfans, sonst eher nicht die Rosa-Herzchen-Fraktion, verzierten ihre Tweets mit romantischen Emojis. "I fell in love with Klopp today", "Our Klopp", "I have a man crush on Jurgen Klopp", "It gives me goosebumps" oder einfach "I love this guy". Und ich wurde mit jedem Herzchen eifersüchtiger.

Ich hätte es wissen müssen. Als Jürgen Klopp seinen Rücktritt verkündete, hatte ich getwittert, es fühle sich so an, als hätte jemand mit einem Schluss gemacht. Meinen beiden Brüdern ging es ähnlich. Bei Mario Götzes Wechsel hatten wir uns innerhalb weniger Stunden 50 WhatsApp-Nachrichten geschickt. Als Klopp ging, schrieben wir uns kaum. Wut braucht ein Ventil, Liebeskummer macht man mit sich selbst aus.

Alles Bullshit

Während mein jüngerer Bruder und ich versuchten, uns damit zu trösten, dass das mit Kloppo ganz bestimmt etwas Besonderes gewesen sei, dass er deshalb woanders sicher niemals so glücklich werden würde wie mit uns, schrieb mein älterer Bruder: "Genau das sagt man sich auch bei Exfreundinnen. Alles Bullshit."

Jetzt hat er eine Neue. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich mag Liverpool. Ich hatte schon im Sommer, als die ersten Gerüchte aufkamen, gedacht, dass Kloppo und Liverpool ein Traumpaar wären. Es freut mich für Klopp, es freut mich für Liverpool. Aber trotzdem fühlt es sich komisch an. So als ob man auf Facebook Fotos des Exfreundes entdeckt, von dem man sich in aller Freundschaft getrennt hat – und auf diesen Fotos hält er eine andere im Arm.

Nicht die Blondgeföhnte mit den Perlohrringen

Eine, die super zu ihm passt. Eine, die irre sympathisch ist. Man gönnt ihnen das Glück – und ist froh, dass er sich nicht für die Blondgeföhnte mit den Perlohrringen entschieden hat, die einem mit ihrem SUV mit Münchner Kennzeichen vor dem Supermarkt immer den besten Parkplatz wegnimmt, wenn Sie verstehen, was ich meine. Aber natürlich checkt man die Neue auch ab, ob sie nicht doch besser aussieht als man selbst.

Und man denkt wehmütig an die gemeinsamen, glücklichen, unbeschwerten Tage. Wie wichtig Klopp als Identifikationsfigur nach den vielen unglücklichen Beziehungen und einer existenziellen Krise für den BVB war. Eine dieser seltenen Rosa-Herzchen-Phasen. Aber gerade weil die Neue so gut zu ihm passt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass mein Bruder, Stichwort Bullshit, Recht behalten könnte. Deshalb versetzten die Liverpooler Herzen meinem Herzen einen Stich. Am Samstag werde ich mir Klopps ersten Auftritt mit seiner Neuen anschauen. Bier und Choco Crossies habe ich besorgt. 

Vorher aber spielt der BVB gegen Mainz. Falls Sie das alles nicht nachvollziehen können – die Mainzer Fans wissen, wovon ich spreche. Nach Klopps erstem Wechsel waren wir für sie "die Neue". Sogar unser aktueller Trainer ist ihr Ex. Mit dem führen wir übrigens eher eine Vernunftehe. Aber man sagt ja, dass auch daraus Liebe werden kann.