Eigentlich berichten wir Medien nur, wenn etwas passiert. Gern über Probleme, auch schon mal über was Schönes, auf jeden Fall über was Außergewöhnliches. Dass etwas ohne Vorkommnisse verlief, liest man hier und anderswo selten. Am Dienstag war es aber doch eine Meldung: Der Abend von Hannover verlief ohne Vorkommnisse. 

Natürlich nicht der ganze Abend, sondern die Zeit nach 19.20 Uhr. Da passierte nämlich etwas sehr Außergewöhnliches, Dramatisches. Erstmals wurde ein deutsches Länderspiel aus Sicherheitsgründen abgesagt. Im Laufe des Tages waren bei Polizei und Ministerien mehrere Hinweise – unbestätigten Informationen nach vom französischen Geheimdienst – eingegangen. Der Polizeipräsident von Hannover sprach von einem geplanten Sprengstoffanschlag

Und das bei dem Spiel gegen die Niederlande, das vier Tage nach den Attentaten von Paris zu einem Signal gegen den Terror werden sollte, zum Symbol unserer Werte. Vor dem Joachim Löw gesagt hatte, es sei eine "Botschaft für Freiheit und Demokratie. Profranzösische Choreografien waren geplant. Hannover strahlte sein Rathaus in den Farben Frankreichs an. In London schmetterten beim Spiel zwischen England und Frankreich 90.000 Menschen die Marseillaise, dass man sie bis nach Syrien und Irak hören sollte.

Und dann Terrorgefahr bei der deutschen Nationalmannschaft.

Den Fans merkte man das aber nicht an. Die meisten waren zu dieser Zeit in der Nähe des Stadions. Sie wurden freundlich, aber unmissverständlich aufgefordert, schnell nach Hause zu gehen. Fotografen im Stadion durften nicht mal ihr Stativ holen, das sie am Spielfeldrand bereits aufgebaut hatten. Doch nirgends Panik. 

Norddeutsche Gelassenheit

Dies ist einerseits der Besonnenheit der Fans zu verdanken, andererseits der Polizei. Die musste immerhin mehr als 35.000 Zuschauer nach Hause schicken, die eigentlich ein Fußballspiel sehen wollten. Bis Mitternacht gab es jedoch keine polizeilichen Vorkommnisse, auch nicht, als zwischendurch das Gerücht von einem Sprengstofffund in einem Rettungswagen die Runde machte. 

Gut konnte man die norddeutsche Gelassenheit am Hauptbahnhof beobachten. Die Leute blieben gefasst, selbst als die Polizei mehrere Bahnsteige sperrte. Fahrgästen war ein verdächtiger Gegenstand aufgefallen, der sich bei der Sprengung als Attrappe herausstellte – eine laut Polizei gut gemachte Attrappe. Die Fans mussten warten und kauften währenddessen im Mitteltunnel unterhalb der Gleise Leberkäsebrötchen und Schinkenknacker oder gingen in die Promenade im Untergeschoss einkaufen.