6. Verwaltung verschlanken

Der deutsche Sport kassiert mehr als 150 Millionen Euro im Jahr an Steuern zur Spitzensportförderung, aber bei den Athleten kommt nicht viel an. Er leistet sich nämlich einen riesigen Verwaltungsapparat. Es gibt Landessportbünde, Kreissportbünde, Stadtsportbünde, Olympia-Stützpunkte, Einzelfachverbände. Am Wochenende kommen in Hannover wieder mehr als 500 Delegierte zum Mitgliederkonvent zusammen. Und das sind nur die Spitzenkräfte.

Um seine ganzen Mitarbeiter unterzubringen, baut der erneute Wahlverlierer DOSB zurzeit seinen Hauptsitz in Frankfurt für geplant 25 Millionen Euro aus, größtenteils aus Steuern finanziert. Warum braucht die Sportbürokratie noch mehr Mitarbeiter? Die Vereinslandschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht wesentlich verändert.

Ein Controller würde mahnen: Der Sport steckt viel Geld in die Qualitätssicherung, aber nicht genug in die Produktion. Denn die sportliche Leistung wird nicht im Büro hergestellt, sondern in der Turnhalle, auf dem Sportplatz oder der Laufstrecke. Im Verein. Ein Unternehmensberater könnte zig Millionen Euro im Jahr an Ineffizienzen entdecken.

7. Leistungssport zentralisieren

Deutschland ist föderal organisiert, das ist eine Altlast aus dem verlorenen Zweiten Weltkrieg. Dieses System hat Vorteile, führt aber auch zu Kakophonien. Stichwort öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Für den Leistungssport ist die Kleinstaaterei besonders hinderlich. Im Sport müssen sich regelmäßig die Besten messen. Wettbewerb im Training erhöht die Motivation und die Leistung, auch für Einzelsportler. Man muss sich nur anschauen, wo Deutschland gut ist: Biathlon, Skispringen, Rodeln. Da trainieren die Besten aus geografischen Gründen zwangsweise miteinander. In Kiel treibt man nun mal kaum Wintersport. Im Stabhochsprung sind die Deutschen seit einigen Jahren so gut, weil Bayer Leverkusen die stärksten Athleten holt und fördert. Ein historisches Beispiel für Erfolg durch Zentralismus: die BRD-Fechter von Tauberbischofsheim.

Man kann viel verschlanken, vielleicht den einen oder anderen Olympia-Stützpunkt oder Landessportbund verkleinern oder gar schließen. Das wäre schmerzvoll, würde aber den Athleten zugutekommen. Bedenken sollte man pädagogische Fragen: Ab welchem Alter sollte ein Jugendlicher das Elternhaus verlassen? Ist es gut, ins Internat zu gehen? Fragen, die man nur im Einzelfall beantworten kann.

8. Duales Studium ermöglichen

Olympia-Kandidaten sollte man gestreckte Studiengänge ermöglichen. Da ist die Flexibilität von Universitäten gefragt. Die Karriere im Sport, auch wenn sie nicht erfolgreich verläuft, darf nicht die Karriere im Beruf verhindern. Athleten sind ohnehin unterfinanziert, wenn sie nicht für die Polizei, den Zoll oder die Bundeswehr arbeiten. Olympia ist eine hochkommerzielle Veranstaltung. Werben, also Geld verdienen, darf aber vor allem das IOC.

9. Über Doping reden

Doping ist nicht nur ein Thema für Gutmenschen im Sportjournalismus. Doping tötet. Eltern, wenn sie verantwortlich sind, treibt diese Sorge um, wenn ihr Kind Leistungssport machen will. Nicht nur im Radsport und Schwimmen. Natürlich ist auch in Deutschland Doping ein Thema, nicht nur weil man gegen die Russen antreten muss. An wen soll sich ein Vater wenden, der die Sportkarriere seines Kindes fördert, aber auch will, dass es gesund alt wird? Es müsste Berater in der Schule, im Verein oder im Verband geben, an die man sich wenden kann. Schon gar nicht darf die Nationale Anti-Doping-Agentur in Deutschland unterfinanziert bleiben, wie es jetzt schändlicherweise der Fall ist. Die Opfer des DDR-Zwangsdopings muss mit einer Rente endlich ein halbwegs erträgliches Leben ermöglicht werden. Und Sportmuseen brauchen nicht nur eine Hall of Fame, sondern auch Todeslisten.

Über Doping redet der Sport nicht gerne, doch Doping braucht glaubwürdige Gegner. Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOH) hat kein Geld, aber einen Präventionsbeauftragten, Andreas Krieger. Er wuchs in der DDR als Heidi Krieger auf und wurde zwangsgedopt. Er reist herum und erzählt seine Geschichte. Wer ihm zuhört, denkt spätestens dann anders über die chemische Nachhilfe.

10. Kritiker einbinden

Die Bewerbungsgesellschaft der Hamburger sprach mit Nolympia-Initiatoren. Doch der Sport hat damit Probleme. Dabei muss er sich öffnen, um seine immensen Glaubwürdigkeitsprobleme zu bekämpfen. Fifa, Beckenbauer, russisches Staatsdoping, korrupte Leichtathletik – die Liste der Skandale und Tricksereien ist lang. In Deutschland tagt sogar der Sportausschuss des Bundestags nicht öffentlich und gibt sich, statt als Kontrolleur, als verlängerter Arm der Verbände. Kritische Geister wie Ines Geipel, der Doping-Verweigerer Henner Misersky, der ehemalige LSB-Vize aus Thüringen Dirk Eisenberg oder die Rechercheure Hajo Seppelt und Jens Weinreich betrachtet der Sport als Störenfriede.

Seit Sonntag hat der Sport 335.000 Kritiker mehr. So viele Hamburger sagten Nein. Aus verschiedenen Gründen taten sie das, nicht nur aus destruktiven oder kleingeistigen, wie nun mancher Sportpolitiker beleidigt sagt. Gut, dass der Sport die Bürger heute fragt. Doch was weiß er über die Ablehnung, was will er darüber wissen? In Zukunft sollte der DOSB genau hinhören, was die Gegner sagen. Vielleicht erfährt er dann, dass die Leute es eher akzeptieren, wenn ihr Geld nicht nur der Medaillenjagd, sondern auch dem Breiten- und Schulsport zugutekommt. Das wären hilfreiche Anregungen für die nächste deutsche Olympia-Bewerbung.

Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Version hieß es, der DOSB-Neubau koste 40 Millionen Euro.