Seit die zwei zusammenarbeiten, hat Brady in elf Jahren kein Spiel verpasst, abgesehen von der Saison 2008, als er mit einem Kreuzbandriss das ganze Jahr ausfiel. Guerreros Vorgehensweise unterscheidet sich grundlegend von den in der NFL üblichen Praktiken. Seine Übungen zielen in erster Linie auf Beweglichkeit und Koordination, nicht so sehr auf Kraft. Zuerst nahm er sich Bradys Arme vor. Die Muskeln waren vom vielen Gewichte stemmen und Liegestützen kurz geworden, Guerrero wirkte dem mit spezifischem Training entgegen. Brady kann dadurch auch im hohen Sportleralter viele Würfe nehmen, ohne dass sein Arm den Dienst versagt.

Pausen gönnt sich Brady bei seinem Feldzug gegen das Altern keine. Während der spielfreien Zeit trainiert er genau so, als wäre er mitten in der Saison. Selbst im Urlaub ist der Tagesablauf strikt geregelt. Morgens Workout, dann Frühstück, Strand, Mittagessen, Schlafen, Strand, Workout, Abendessen und spätestens zwischen neun und zehn Uhr ins Bett. Mit der gleichen Achtsamkeit überwacht Brady seine Ernährung. Er und seine Frau, das brasilianische Model Gisele Bündchen, leben nach einer strengen Diät.

Snackbox mit Nüssen

Wie streng, verriet der hauseigene Koch in einem Interview mit der Website boston.com. Kein Zucker, kein weißes Mehl, kein Jodsalz, kaum Fleisch. "80 Prozent von dem, was sie essen, ist Gemüse", sagt Allen Campbell. Alles bio natürlich. Auch gesunde Lebensmittel stehen auf dem Index: Olivenöl, Bananen, Tomaten, Auberginen. Brady glaube, dass Nachtschattengewächse Entzündungen begünstigen könnten. Dafür gibt es viel Hirse, Quinoa, braunen Reis, Fisch und Bohnen zu essen. Nach den Trainingseinheiten löffelt Brady oft Hummus oder hat eine Snackbox mit Nüssen dabei. "Tom ist da sehr speziell, er achtet sehr auf sich und unternimmt alles, um sich bestmöglich auf das nächste Spiel vorzubereiten", sagt Vollmer. "Ich kenne niemanden, der akribischer ist, in allem, was er tut."

Hinter all dem steckt das Ziel, Herr über den eigenen Körper zu sein. Brady will allein entscheiden, wann er mit dem Sport aufhört. Sein Ehrgeiz ist auch nach 16 Profijahren ungemindert. Es allen zu zeigen, die ihn einst verschmäht hatten, treibt ihn an. Bei der Wahl der besten Talente seines Jahrgangs wählten die Patriots ihn erst an 199. Stelle aus. Fast wäre er übersehen worden, was daran lag, dass er nicht als sonderlich großes Talent galt. Steve Mariucci war zu dieser Zeit Trainer der San Francisco 49ers, die einen Quarterback suchten. Brady, nahe San Francisco aufgewachsen, wünschte sich nichts mehr, als bei den 49ers zu landen. Als Kind hatte er eine Dauerkarte besessen, aber Mariucci interessierte sich nicht für ihn: "Er hatte nichts Außergewöhnliches. Er war nicht sonderlich kräftig oder schnell, noch stach sein Wurfarm heraus. Es gab keinen offensichtlichen Grund, ihn auszuwählen", sagte der Trainer einst im Rahmen einer Fernsehdoku.

Die 49ers wählten Giovanni Carmazzi, der nie ein Spiel in der NFL bestreiten sollte und nach einem Jahr wieder entlassen wurde.