Die Spieler von Partizan und Roter Stern langweilen sich mal wieder während einer Spielunterbrechung © Andrej Isakovic/​Getty Images

Die zweite Halbzeit beginnt mit Pyro, Böllern und Gesängen. "Ubi, Ubi, Ubi! (Stirb, Stirb, Stirb!)" In der 65. Minute wird das Spiel abermals unterbrochen, bis die dichte Pyronebelwand wieder in den Nachthimmel entfleucht. Eine Minute später die nächste Unterbrechung. Diesmal schwebt Pyro bis aufs Spielfeld. Die Grobari sind missgelaunt. Die Saison war verheerend, im Europapokal flogen sie ausgerechnet gegen ein deutsches Team raus.

Roter Stern lacht sich ins Fäustchen und beschimpft den Rivalen. "Ubi, Ubi, Ubi!" Was gibt es auch Vortrefflicheres für einen Fan, als beim Derby dem Rivalen in den Vorgarten zu machen! Die Pyroscharmützel halten an, Partizan berennt vergeblich das Tor, die Fans feiern sich selbst, obwohl ein paar handfeste Beschimpfungen auch immer gehen. "Ubi, Ubi, Ubi!"

Ein Sack Politiker

In der 80. Minute endlich die vierte Spielunterbrechung. In der mehrminütigen Nachspielzeit wogt das Geschehen auf und neben dem Platz mächtig hin und her. Dann Abpfiff, faires Händeschütteln der Spieler, die Helden feiern ihren Roten Stern ausgiebig, indes die Totengräber schnell verschwinden. In die Kneipe, zum Wunden lecken, paar Geschichten von großen Derbysiegen erzählen. Außerdem kommt bald das 151. Derby.

Auch ein Sack Politiker schüttelt einander die Hände. Die serbischen Sozialisten sind gern für Roter Stern. Die Demokraten für Partizan. Sie sehen die beiden großen Clubs als Vehikel für ihre Interessen und reden in diversen Vereinsgremien mit.

Die Totengräber feiern die Niederlage, die Helden die Meisterschaft, dann feiern sie sich. Das Chaos brodelt ihnen im Blut, ach, ist das schön, einander so herrlich hassen zu können! Großes Gelächter und Geschrei. Helden und Totengräber bunt durcheinander. Ist am Ende alles nur halb so wild? War ich etwa ein Teil wildromantisch inszenierter Stadionpoesie?