Jede Geste, jede Regung Jürgen Klopps war wichtig. Alles wurde genau registriert. Ein TV-Sender wollte sogar eine Klopp-Cam einsetzen. Wen würde er umarmen? Wie nach Toren jubeln? Wie reagieren, wenn einer seiner neuen Spieler einen seiner alten umtritt oder umgekehrt? Und was würde Dortmund tun, die Spieler, die Aki Watzkes, die Fans? Würde richtig geheult werden?

Wochenlang sprach man über Klopps Rückkehr nach Dortmund. Das Duell Borussia gegen Liverpool gab zum einen den Experten viel Stoff. Sie fachsimpelten, ob Klopp den FC Liverpool zu einem zweiten BVB gemacht habe, zu einer in seinen Worten "Pressingmaschine" und ob Thomas Tuchel die Borussia im Gegenzug ent-kloppt habe.

Zum anderen sprach man von Erinnerungen, Schmerz, Trennung und Liebe. Bei den Ruhris, ob alt oder jung, Weib- oder Männlein, kommt Klopp besonders an. Er führte den BVB aus dem Fußball-Mittelfeld zwischenzeitlich bis an Europas Spitze und sanierte ihn damit mit. Vor allem schärfte er die Identität des Vereins. Aber auch Liverpool hat er längst erobert. Nun kam er also mit seiner Neuen zur Ex.

Die Erwartungen waren enorm, das Spiel stand derart im Fokus, dass man fast vergessen hätte, dass es erst das Viertelfinale war. Es sollte nicht weniger als ein Ereignis werden. Um kurz nach neun ging es endlich los und was passierte dann? Dann stellte man schnell fest, dass das Vorprogramm ein klein wenig dramatischer, aufregender und aufgeregter war als der Hauptteil.

Man könnte auch sagen: Nach großem Trara wurde noch ein bisschen gekickt.

Auf dem Rasen eher Mittelmaß

Der BVB war der Favorit, eine Runde zuvor hatte er Tottenham Hotspur deutlich geschlagen. Doch gegen den FC Liverpool, der in England acht Plätze schlechter liegt, enttäuschte er. Kein Dortmunder versagte, aber es überragte auch keiner. Henrich Mchitarjan dribbelte manchmal durch die roten Reihen, manchmal aber halt auch in die Reihen. Der zuletzt so gute Gonzalo Castro ließ sich in gefährlichen Zonen anspielen, seine Pässe und Hackentricks kamen aber diesmal nicht an. Marcel Schmelzer wollte den Ball stoppen und bekam ihn an den Hals.

Pierre-Emerick Aubameyang und, erneut, Marco Reus bewirkten wenig. Erik Durm wirkte zu leichtgewichtig, womit nicht seine Körpermasse gemeint ist. Mats Hummels köpfte nach einer Ecke ein Tor und glänzte mit dem Außenrist. Doch vor dem 0:1 durch Divock Origi ließ er sich aus dem Raum locken, den er verteidigen sollte und von wo der Treffer fiel. Sein Ex-Trainer darf sich inzwischen erlauben, in der TV-Analyse den Verursacher beim Namen zu nennen. Und er tat das auch.

In Tuchels Spiel hapert es. Gegen Liverpool sah man deutlicher als in der Bundesliga, dass er in seinem zweiten Dortmunder Jahr noch an vielen Details feilen muss, etwa an der Schärfe und Richtung der Pässe oder am Freilaufen. In der ersten Halbzeit gab es kaum Kombinationen, stattdessen viele schnelle Ballverluste.