Pressekonferenzen zählen nicht zu Pep Guardiolas Lieblingsbeschäftigungen, aber dieses Mal hatte er besonders wenig Freude. Beim Sprechen blickte er stets nach unten. In Deutschland schaue man keine portugiesische Liga, sagte er abfällig. Also, deutete er an, müsse er damit rechnen, dass man Benfica Lissabon nicht einschätzen könne.

Man wird ihm nicht zu nahe treten, wenn man seine Aussage so übersetzt: "Ihr habt ja keine Ahnung." Schon am Vortag hatte er die Frage eines Reporters mit einer bissigen Gegenfrage gekontert: "Wie viele Spiele von Benfica hast du gesehen? Keines, oder?

Pep ohne Happy End

Guardiola und die deutsche Presse werden in ihren letzten gemeinsamen Wochen wohl auch nicht mehr warm miteinander. Er fühlt sich unverstanden, nicht angemessen gewürdigt und man kann es ihm nicht verdenken. Gewinnt er auch im letzten seiner drei Bayern-Jahre die Champions League nicht, werden ihm viele Scheitern vorhalten.

Ein Sieg gegen Benfica Lissabon gilt ohnehin als Selbstverständlichkeit. Dieses Viertelfinale betrachten die meisten als Durchgangsstation. Für die Münchner Zeitungen war es kein Seite-eins-Thema, in den Twitter-Timelines kackte der Hashtag #FCBSBL ab, im Stadion schauten viele mit einem Auge auf das zweite Duell, Barcelona gegen Atlético. Zumal das sehr frühe und einzige Tor die Dramaturgie schwächte. Bayern kommt eh weiter, dachten alle in dem Moment.

Benfica ist gar nicht so schlecht – oder Bayern nicht so gut

Dabei ist Benfica, wie Guardiola vermitteln wollte, gar nicht so schlecht. Vor allem, und das sagte Guardiola klugerweise natürlich nicht, sind seine Bayern gar nicht so gut, wie viele glauben. Es deswegen glauben, weil die Bayern den deutschen Fußball seit Jahren beherrschen.

Vielleicht ist das sogar mittlerweile das größte Missverständnis zwischen Guardiola und den Experten: dass sie seine Mannschaft überschätzen. Gegen Benfica offenbarte sie nämlich erneut eine beachtliche Mängelliste, die den Einzug ins Halbfinale gefährdet. Und die eine Ahnung aufkommen lässt, dass seine Ära ohne Happy End auskommen muss.

Bevor der Shitstorm nun losgeht und unsere Leserbriefabteilung Überstunden schieben muss, sei gesagt: Bayern steht fast im Halbfinale und hat natürlich keine Stümper im Kader. Robert Lewandowski ist der beste Stürmer der Bundesliga. Arturo Vidal kann jeden Gegner einschüchtern. Franck Ribéry glückt noch immer mal ein Traumtor. Douglas Costa kann filigran dribbeln.

Auf der Bank sitzt noch der Weltmeister Mario Götze. Und natürlich sind da Manuel Neuer und Philipp Lahm, die wie Thomas Müller auf dem höchsten Niveau spielen. Na gut, Müller vielleicht nicht an allen Tagen. Nicht an diesem.

Die Bayern versemmeln, verlieren und lassen sich austricksen

Wenn man nicht nur auf das ohnehin knappe Ergebnis schaut, fallen die Mängel aber schnell auf: Lewandowskis Einfluss auf das Spiel war mäßig, am Ende versemmelte er zwei Mal vor dem Tor. Vidal gewann zwar viele Zweikämpfe und köpfte das Tor (gegen eine dabei sehr unachtsame Abwehr), verlor aber auch Bälle im Mittelfeld und seine Pässe könnten genauer sein. Thiago wollte sich diesmal erwachsener geben, dadurch ging ihm aber sein jugendlicher Wagemut abhanden. David Alaba stand wieder das ein oder andere Mal nicht gut, ließ sich in einer Szene in der zweiten Halbzeit im Strafraum simpel austricksen.

Ribéry kam selten am Gegner vorbei. Costa reihte nach einigen gelungenen Flügelläufen und Seitenverlagerungen zu Beginn Fehlpass an Fehlpass, die Rollifahrer hinter der Pressetribüne riefen: "Wie immer: genial, aber schlampig!" Der eingewechselte Kingsley Coman blieb in mehr als 20 Minuten fast ohne nennenswerte Aktion. Das sind vielleicht alles Details, vielleicht aber auch ein bisschen mehr.