Ein Londoner Arzt soll mehrere Jahre lang britische Spitzensportler mit Dopingmitteln versorgt haben. Das ergaben Recherchen des WDR und der englischen Zeitung Sunday Times. Darunter seien Fußballprofis des FC Arsenal, des FC Chelsea und von Erstliga-Tabellenführer Leicester City sowie Teilnehmer der Tour de France, Boxer und Tennisspieler. Der WDR will seine Recherchen am Sonntagabend ausstrahlen, die Dokumentation wird in der ARD-Sportschau (18.00 Uhr) und in der WDR-Sendung Sport Inside (22.15 Uhr) gezeigt. Die Namen der Spitzensportler wurden bislang nicht bekannt.

Der in London ansässige Gynäkologe Dr. Mark Bonar habe vor versteckter Kamera selbst von 150 Doping-Klienten berichtet, hieß es in einer WDR-Mitteilung. Laut Sunday Times hat der Arzt die Sportler in den vergangenen sechs Jahren vor allem mit dem leistungsfördernden Wirkstoff Erythropoetin, besser bekannt als Epo, mit Steroiden und mit Wachstumshormonen behandelt. Die Ergebnisse sind laut Bonar phänomenal gewesen.

Fußballclubs weisen Vorwürfe zurück

Die drei Premier-League-Clubs wiesen die Doping-Vorwürfe zurück. "Die Anschuldigungen sind falsch und entbehren jeder Grundlage", hieß es in einer Mitteilung des FC Chelsea. Der Verein habe niemals die Dienste von Bonar in Anspruch genommen und auch keine Kenntnis davon, dass Chelsea-Spieler von ihm behandelt worden seien. Der FC Arsenal, Verein der deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Per Mertesacker, teilte mit, dass man sich vollständig an die Antidopingregeln halte.

Dagegen behauptet Bonar den Medienberichten zufolge, dass er mit englischen und auch Spielern aus dem Ausland zu tun gehabt habe. "Auch mit einem ganz Großen, dem habe ich Epo, Testosteron und Wachstumshormone gegeben", sagte der Arzt. "Fußballer werden ja sowieso kaum getestet. Und ältere Spieler über 30 müssen was machen, die können mit den jungen Spielern um die 18 sonst doch gar nicht mithalten."

Der designierte Chef der Welt-Antidoping-Agentur (WADA), Olivier Niggli, habe nach Ansicht der TV-Bilder konsterniert reagiert, hieß es. "Es ist sehr beängstigend für mich zu sehen, wie ein Mediziner ein solches Verhalten an den Tag legt", sagte er.

Wie der Guardian berichtet, ordnete der britische Kulturminister John Whittingdale eine Untersuchung an. Er zeigte sich erschrocken, dass die britische Antidoping-Agentur UKAD nicht früher den Dopingvorwürfen gegen 150 Sportler nachgegangen sei. Die Agentur soll bereits vor zwei Jahren belastendes Beweismaterial erhalten haben. Laut WDR-Angaben soll sich ein selbst des Dopings überführter Sportler als Whistleblower vor längerer Zeit an die britische Agentur gewandt haben und Beweise für die Doping-Umtriebe Bonars vorgelegt haben. Die UKAD habe dem Informanten aber Anfang 2015 mitgeteilt, keine Grundlage für Ermittlungen gegen den Arzt zu sehen.

Die britische Anti-Doping-Agentur erklärte in einer Stellungnahme, dass die von dem Athleten vorgelegten Beweise für ein verbotenes Handeln von Bonar nicht ausreichend gewesen seien. "UKAD erhielt im Oktober 2014 handgeschriebene Rezepte des Sportlers. Er behauptete, dass sie von Dr. Bonar ausgestellt seien", hieß es in der Mitteilung. Nach einer Prüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen sei man jedoch zum Urteil gelangt, den Fall nicht weiter zu verfolgen.