Der Tod von 96 Menschen beim Halbfinalspiel um den FA Cup im Hillsborough Stadium in Sheffield am 15. April 1989 war kein Unfall. Zu dieser Einschätzung ist eine Jury gelangt, die die Katastrophe im Rahmen einer neuen Untersuchung bewertet hat. Demnach liegt bei der Tragödie, bei der 766 Menschen verletzt wurden, ein Fall von fahrlässiger Tötung vor. Die Polizei habe das Unglück mit Fehlentscheidungen "verursacht oder zumindest dazu beigetragen", urteilte die Jury.

Mit der Einschätzung erhalten die Hinterbliebenen und Überlebenden Genugtuung, die sich jahrelang gegen anderslautende Behauptungen der Behörden wehren mussten. Immer wieder hatte die Polizei das Verhalten der Fans als Ursache für die Katastrophe angeführt. Bereits 2012 war eine unabhängige Kommission zu dem Schluss gekommen, dass das Unglück auf falsche Entscheidungen der Einsatzleitung zurückzuführen sei. Daraufhin hatten sich Premierminister David Cameron und die Polizei Yorkshire bei den Familien der Toten entschuldigt.

Die Hillsborough-Katastrophe gilt als eines der schwersten Zuschauerunglücke in der Geschichte des Fußballs. Nachdem die Ordnungskräfte beim Spiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest zu viele Menschen in den Liverpool-Block gelassen hatten, wurden Hunderte gegen den Zaun am Spielfeldrand gedrückt und niedergetrampelt. Der Vorgang wurde erst bemerkt, als Zuschauer in Panik über den Zaun kletterten.

Die Polizei reagierte nur langsam. Zögerlich öffnete sie die Tore, anstatt sofort den Druck von den Zäunen zu nehmen. Teilweise versuchten Beamte sogar, fliehende Zuschauer aufzuhalten. Beim Einlass hatten die Einsatzkräfte ein weiteres Tor geöffnet, um dem Andrang Herr zu werden. Dadurch war der Block stark überbelegt worden. Eine erste Untersuchung war 1991 noch zu dem Schluss gekommen, dass die Polizei keine Schuld treffe.