Wenn Andy-Pandy und seine Kollegen das Spielfeld stürmen, wird es meist noch ein bisschen lauter in der winzigen Sporthalle. Sofern das überhaupt möglich ist. Das Publikum kreischt, lacht, applaudiert, staunt. Andy-Pandy und seine Jungs tragen enge, zwei Nummern zu kleine Höschen, Legwarmer und Stirnbänder und sehen aus, als wären sie soeben einem Aerobicvideo aus den achtziger Jahren entsprungen. Dazu Rauschebärte und Tattoos, fertig ist der moderne selbstbewusste männliche Cheerleader.

"Fearleader" nennen sich Andreas und sein Team, Fearleaders Vienna, sie unterstützen mit ihrer Performance das weibliche Team von Vienna Roller Derby. Die gleichnamige Sportart Roller Derby wird heute überwiegend von Frauen ausgeübt. Es wird gerempelt, gestoßen, gedrängelt – alles auf Rollschuhen und meist ganz regelkonform, denn Roller Derby ist eine sogenannte Vollkontaktsportart, bei der es eben genau ums Rempeln, Stoßen, Drängeln geht. Vor 70 Jahren etwa war der Sport in den USA eine große Nummer, als die Teams vor Zehntausenden Zuschauern in ausverkauften Arenen gegeneinander antraten. 

Seit 2011 gibt es den Verein Vienna Roller Derby, eines der zahlreichen europäischen Teams, die sich in den letzten Jahren gegründet haben. Ein Jahr später fanden sich die Fearleader zusammen. Ursprünglich waren es sieben Jungs, die eine gemeinsame Vision hatten. "Wir wollten Sexismus, Homophobie und Männerdominanz im Sport den Kampf ansagen", sagt Andy-Pandy. Heute sind sie 18 Freunde, die sich alle schon ewig kennen, manche von ihnen sind mit Frauen aus dem Roller-Derby-Team zusammen.

Spiel mit den Geschlechterrollen

Als Schnapsidee gestartet, tanzen die Jungs ihre Performances heute vor vielen Fans, die sich darum reißen, eine der limitierten Karten für die Spiele von Vienna Roller Derby zu bekommen. Nur knapp 200 Tickets gibt es momentan für jede Partie, das heißt auch für jede etwa sechsminütige Halbzeitshow der Fearleaders. Zu Beginn habe der Showgedanke im Vordergrund gestanden, erzählen sie, aber das Spiel mit den Geschlechterrollen sei eben auch ein gezieltes Untergraben von Weiblichkeits- und Männlichkeitsbildern, die in den meisten Sportarten "produziert und befeuert" würden, wie sie sagen. "Wir versuchen, zu beweisen, dass der Kampf gegen überholte Geschlechterkonventionen auch mit einem Augenzwinkern aufgenommen und mainstreamgerecht verpackt werden kann", sagt Andy.

Dazu schwingen sie ihre Pompons und Hintern und tanzen Figuren. Ihre Performances beschreiben sie als "wilde Mischung aus Filmzitaten, Aerobicmoves und dem heißesten Scheiß aus dem Internet". Was auf den ersten Blick bizarr wirken mag, ist ein geschickter Bruch mit gängigen Klischees. Dabei hinterfragen sie  auch scheinbar festgefahrene Muster. "Wenn Männer Sport betreiben, sind sie Helden, wenn das Frauen schon machen, müssen sie zumindest sexy dabei sein, damit man oder eben Mann sich das anschauen kann", sagt Andy. "Deshalb stecken wir unsere Hintern in unsere viel zu enge Höschen, tragen Legwarmer und Stirnbänder, und werfen uns in sexy Posen. Um zu zeigen, wie lächerlich das ist."

Als Blödelei wollen sie ihre Performances nicht verstanden wissen. Sie hoffen, dass die Leute nicht nur zuschauen, weil es "cool und geil" sei. Sie erzählen, dass sie vor allem positives Feedback bekommen, dass Freunde und Verwandte stolz auf sie sind und sie Kritik übrigens nicht besonders hart trifft. Sie wüssten, dass das, was sie da machen, nicht professionell ist. Wenn man sie aber in Internetforen als "schwul" bezeichnet, sei das schon sehr ärgerlich. Andy: "Schwulsein ist in diesem Fall immer eine abwertende und abschätzige Bezeichnung. Und das geht gar nicht."

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