Nach Berichten über angeblich zweifelhafte Geschäfte des früheren Uefa-Generalsekretärs und heutigen Fifa-Chefs Gianni Infantino hat die Schweizer Bundespolizei die Zentrale der Europäischen Fußball-Union in Nyon durchsucht. Das bestätigte die Uefa. In einer Pressemitteilung des Verbands hieß es: "Natürlich stellt die Uefa der Bundespolizei alle relevanten Dokumente in ihrem Besitz zur Verfügung und wird vollumfänglich kooperieren."

Die Beamten forderten Einsicht in die Verträge zwischen der Uefa und der Briefkastenfirma Cross Trading. Ermittelt wegen des "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell der Veruntreuung". Das Strafverfahren richtet sich derzeit allerdings nicht gegen eine konkrete Person, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Es stehe "in Zusammenhang mit dem Erwerb von TV-Übertragungsrechten und richtet sich gegen unbekannte Täterschaft".

Laut Recherchen unter anderem von der Süddeutschen Zeitung, dem WDR und dem NDR war Infantino in seiner Zeit als Chefjurist der Uefa in die fragwürdige Vergabe von TV-Rechten involviert. Demnach unterzeichnete er im September 2006 einen Vertrag, der ein Unternehmen mit dem Namen Cross Trading S.A. berechtigte, die Übertragungsrechte der Champions League in Südamerika zu vermarkten. Bis 2009 soll Cross Trading, eine Briefkastenfirma mit Sitz auf der Südseeinsel Niue, dafür deutlich unter Marktwert bezahlt und die Rechte mit einem deutlichen Aufschlag an eine TV-Station in Ecuador weiterverkauft haben.

Panama Papers - Recherchenetzwerk enthüllt globalen Finanzbetrug Ein internationaler Zusammenschluss aus Redaktionen hat durch zugespielte Dokumente ein weltweites Netz an Steuerbetrügern enthüllt. Viele Briefkastenfirmen in Panama verschleierten über Jahre die Kapitalflucht.

Den Berichten zufolge wurde die Briefkastenfirma von zwei bekannten Akteuren aus dem Fifa-Bestechungsskandal betrieben. Die Gewinne von mehreren Hunderttausend Dollar seien an die südamerikanischen TV-Rechtehändler Hugo Jinkis und seinen Sohn Mariano gegangen. Beide sind in Haft und warten auf ihren Prozess.

In der Mitteilung der Uefa heißt es, die Rechte seien nach einer offenen Ausschreibung der Uefa-Marketingabteilung vergeben worden. "Die Rechte wurden an Teleamazonas/Cross Trading vergeben, da dies der Höchstbietende auf dem Markt war." Weder die Uefa noch Infantino seien "in Zusammenhang mit diesem besonderen Kontrakt jemals von irgendwelchen Behörden kontaktiert worden".

Weiter nimmt der Verband Infantino in Schutz. Es gebe "überhaupt keine Beweise" für die Anschuldigungen gegen ihn. Die Geschichte würde "in den Medien verdreht" und schade der Reputation der Uefa, heißt es in der Mitteilung.

Vorwerfen lassen müssen sich Uefa und Infantino jedoch, dass sie zunächst falsche Auskünfte gegeben haben. Die Konföderation hatte im September 2015 der SZ gegenüber verneint, dass es "geschäftliche Beziehungen" mit Angeklagten im Fifa-Skandal gegeben hätte. Erst vor gut einer Woche habe die Uefa eingeräumt, dass es einen Vertrag mit der Firma von Jinkis gab. Zur Zeit der ersten Antwort habe man noch nicht "jeden unserer Tausenden von Werbeverträgen" überprüft, teilte die Uefa mit.

Fifa-Ethikkommissionsmitglied zurückgetreten

Die Enthüllungen, die auf geleakte Dokumente der in Panama-Stadt ansässigen Kanzlei Mossack Fonseca zurückgehen, erschüttern seit Sonntag zahlreiche Länder. Auch bei der Fifa werden erste Konsequenzen sichtbar: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist Fifa-Ethikkommissionsmitglied Juan Pedro Damiani aus Uruguay zurückgetreten. Auch sein Name taucht in den Panama Papers auf. Damiani war seit Gründung der Ethikkommission im Jahr 2006 in dem Gremium. In dieser Zeit soll er drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die möglicherweise Fußball-Funktionäre bestochen worden sein sollen.