Einmal laut vorlesen bitte: SG Hoher Westerwald Niederroßbach/Emmerichenhain. Ein Name aus dem der ganze Charme des Amateurfußballs raussprudelt. Wir sind natürlich in der Kreisliga. Das ist da, wo die Trainingsbeteiligung schlagartig um die Hälfte sinkt, nur weil der Trainer eine SMS mit "Laufschuhe mitbringen" rumschickt. Das ist da, wo ein älterer Herr mit ausgewaschenem Fanschal schon mal die komplette Ultraszene bildet.

SG Hoher Westerwald Niederroßbach/Emmerichenhain. 44 Buchstaben, die man sich merken sollte, denn die Amateurkicker aus dem Südwesten, 50 Kilometer südlich von, na klar, Siegen, haben in dieser Saison die Fußballwelt umgekrempelt. Als Kreisligist haben sie sich gegen die besten Teams im Rheinland durchgesetzt und stehen nun im Landespokalfinale. Unterwegs wurden in sechs Runden unter anderem Mannschaften aus dem Weg geräumt, die drei Ligen höher spielen. Mannschaften, die mit Fußball zum Teil Geld verdienen, fast täglich trainieren und ihre Laufschuhe immer freiwillig mit zum Training bringen.

Mit diesem überraschenden Erfolg ist die SG plötzlich auch Teil des "Finaltags der Amateure". So nennen DFB und ARD den kommenden Samstag. Wie 16 andere Landespokalfinals wird auch das Spiel der SG Hoher Westerwald Niederroßbach/Emmerichenhain gegen Eintracht Trier live einem Millionenpublikum auf der Couch gezeigt. Die ARD überträgt die Finals in drei großen Konferenzschaltungen, Amateurfußball satt, acht Stunden lang. Zum ersten Mal wird einem Kreisligisten und vielen anderen Amateurclubs eine derart große Bühne gebaut. Für den DFB, der durch Kampagnen wie "Unsere Amateure. Echte Profis" die Amateurebene näher an die Profi-Glitzer-Welt heranführen will, sollte das eigentlich ein Bilderbuchmoment sein. Ist es aber nicht ganz.

Schon vor Anpfiff chancenlos

Ausgerechnet die Kleinsten der Kleinen werden ein Stück weit benachteiligt. Die Kicker aus Niederroßbach haben schon vor Anpfiff keine Chance auf das, was einen Sieg im Landespokalfinale so verlockend macht: den automatischen Einzug in den DFB-Pokal. Das Problem sind zwei Buchstaben und ein Paragraph. Die beiden Buchstaben heißen S und G, kommen im Namen des Kreisligisten vor und bedeuten "Spielgemeinschaft". Der Paragraph hat die Nummer 45 und steht leicht eingestaubt seit vielen Jahren in der Spielordnung des DFB. Darin heißt es: "Spielgemeinschaften können nicht am DFB-Vereinspokal teilnehmen."

"Damit soll zum Beispiel verhindert werden, dass Spielgemeinschaften nur deshalb gegründet werden, um sich anderen Mannschaften gegenüber einen Wettbewerbsvorteil verschaffen zu wollen", teilte der DFB per Mail mit. Es werde jedoch perspektivisch geprüft, ob diese Regelung noch zeitgemäß sei. Auf Deutsch: Dorfvereine können sich zusammenschließen, solange sie nicht zu erfolgreich werden. Dass sich eine Spielgemeinschaft FC Bayern/Borussia Dortmund den Verdacht der Wettbewerbsverzerrung aussetzt, ist nachvollziehbar. Aber zwei Dorfvereine, die sonst eingestampft werden müssten?