Nach 120 Minuten und einem großen Abnutzungskampf stand es immer noch 0:0 zwischen den großen Rivalen FC Bayern und Borussia Dortmund. Erst im Elfmeterschießen entschieden die Münchner das Finale mit 4:3 für sich. Pep Guardiola verabschiedet sich mit einem Double nach England: Nach der 26. deutschen Meisterschaft gewann sein Team in dieser Saison auch den 18. Cupsieg.

"Drei Jahre mit den Spielern und dem Verein waren überragend", sagte Guardiola nach seinem letzten Spiel. "Ich bin sehr zufrieden mit diesem Finale. Ich werde meine Spieler vermissen. Es war eine große Erfahrung. Es hat sehr viel Spaß gemacht." Thomas Müller konnte die Emotionen seines Nochchefs gut verstehen: "Vorher musste er seinen Beruf machen, jetzt kann er Mensch sein."

74.322 Zuschauer sahen im Berliner Olympiastadion ein Fußballspiel, das nach der Pause immer dramatischer wurde. Im Elfmeterschießen versagten Sven Bender und Sokratis Papastathopoulos die Nerven, bei den Bayern verschoss lediglich Joshua Kimmich. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Douglas Costa. Damit verlor der BVB schließlich zum dritten Mal in Folge das Pokalfinale. "Es gibt viel zu lernen", räumte BVB-Coach Thomas Tuchel nach einem starken ersten Jahr als Nachfolger von Jürgen Klopp ein. "So ein Finale ist sehr aufschlussreich. Wir brauchen mehr Sicherheit, mehr Überzeugung, mehr Vertrauen. Es gibt noch viel Luft nach oben. Nach der Niederlage in Liverpool ist es eine weitere Enttäuschung, daraus müssen wir unsere Schlüsse ziehen."

Schlechtes Ende für Hummels, guter Start für Guardiola

"Ein Scheiß-Ende", kommentierte Kapitän Mats Hummels. Er hatte vor seinem Millionenwechsel zum FC Bayern auf einen letzten Titelgewinn gehofft. Dafür jubelte Guardiola, der in drei Jahren sieben Titel mit dem FC Bayern holte, aber in der Champions League unterlag.

"Es ist ein fantastisches Finale zweier großer Clubs", kommentierte der spanische Startrainer. Entsprechend intensiv, aber auch mit einer ungewöhnlich hohen Fehlerquote, ging es im Berliner Olympiastadion zur Sache. Das dürfte dem Perfektionisten Guardiola, der im Gegensatz zu seinem Gegenüber Thomas Tuchel im feinen Anzug erschienen war, in seinem 161. und letzten Pflichtspiel nicht gefallen haben.

Während die Bayern sich bemühten, das Spiel zu kontrollieren, ging der BVB defensiver vor; das zeigte sich schon bei Tuchels Startelf. So fehlte der Japaner Shinji Kagawa in der Anfangsformation; stattdessen kam der in der Rückwärtsbewegung stärkere Sven Bender zum Zug. Bei den Münchnern fehlte neben WM-Held Mario Götze (Rippenbruch) auch der Spanier Javi Martínez (Sprunggelenkblessur). Dessen angeschlagener Landsmann Xabi Alonso saß zunächst auf der Bank.

Dafür rückte Youngster Joshua Kimmich in die Abwehrreihe. Der 21-Jährige erlaubte sich aber vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw einige Wackler und kassierte schon im ersten Durchgang die Gelbe Karte – all das, nachdem Löw ihn ins erweiterte EM-Aufgebot berufen hatte.

Auf große Chancen warteten die Zuschauer zunächst vergeblich. Ein Distanzschuss und ein Kopfball von Thomas Müller (4. und 22. Minute) – mehr ließ der BVB in der ersten halben Stunde nicht zu. Auch weil Mats Hummels in der Innenverteidigung abgeklärt und ohne Nervenflattern vorging. Vor seinem Seitenwechsel im Sommer stand der Dortmunder Kapitän unter besonderer Beobachtung. "Es ist eine große Drucksituation für mich. Jeder Fehler wird seziert", sagte Hummels. Fehler suchten die Kritiker beim Weltmeister vergeblich. Hummels kämpfte aufopferungsvoll, bis er nach 78 Minuten mit Krämpfen vom Platz musste.

In der zweiten Hälfte erhöht Bayern den Druck

Aufregung kam im "deutschen Clásico" (Manuel Neuer) erst nach gut einer halben Stunde auf. Einen Distanzschuss von Douglas Costa ließ BVB-Torhüter Roman Bürki nach vorne abprallen; anschließend zeigten die Schwarz-Gelben ihre Qualitäten im Umschaltspiel, als Pierre-Emerick Aubameyang im Gegenzug den Ball ans Außennetz setzte (29.). Kurz darauf gerieten Franck Ribéry und Gonzalo Castro bei einer Rangelei aneinander. Dabei war der Franzose mit der Gelben Karte noch gut bedient, nachdem er mit dem Finger in Castros Auge gefasst hatte (31.).

Es war fast schon die unterhaltsamste Szene des ersten Durchgangs. Das sollte sich in der zweiten Hälfte, die nach einer Rauchbombe aus dem BVB-Fanblock etwas verspätet begann, endlich ändern. Bei beiden Mannschaften lösten sich nun die taktischen Fesseln. Insbesondere die Münchner erhöhten den Druck, plötzlich wackelte der BVB in der Defensive. So kam Ribéry in der 52. Minute frei zum Schuss, den Hummels aber gerade noch vor Robert Lewandowski ins Tor-Aus abfälschte. Danach war es Costa, der mit einer Hereingabe für Gefahr sorgte, aber Müller wurde gerade noch am Torschuss gehindert (56.).

Auch den Dortmundern boten sich nun mehr Räume. Nach einem starken Solo von Marco Reus setzte sich der Nationalspieler Aubameyang in Szene, doch er jagte den Ball aus spitzem Winkel über das Tor (58.). Auf der Gegenseite vergab Lewandowski nach Zuspiel von Müller (64.). Die Dortmunder hielten mit großem Kampf dagegen und mussten neben der Hummels-Auswechslung auch die Verletzung von Marcel Schmelzer verkraften. Trotzdem wäre dem BVB beinahe kurz vor Ende der regulären Spielzeit der Lucky Punch geglückt, als Aubameyang nach Flanke von Łukasz Piszczek die größte Chance vergab (85.).

So ging zum dritten Mal in Serie ein Pokalduell zwischen Bayern und Dortmund in die Verlängerung. Und auch dort waren zunächst die Bayern am Drücker: Nur durch eine starke Rettungstat verhinderte Erik Durm einen Torschuss von Lewandowski (94.). Dortmund lauerte nur noch auf Konter und hatte seine Chance durch Henrich Mchitarjan (113.). Doch in der Schlussphase wurde immer weniger Fußball gespielt, immer wieder lagen die Spieler wie Ribéry oder Aubameyang mit Krämpfen am Boden.

Seit der Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 dürfen die Bundesligisten automatisch am Pokalwettbewerb teilnehmen. Das DFB-Pokal-Endspiel ist krönender Abschluss der zuvor beendeten Bundesligasaison. Der aktuelle Pokal ist 52 Zentimeter hoch und zwölfeinhalb Pfund schwer. 1991 musste der Sockel um fünf Zentimeter erhöht werden, damit weiterhin die Namen der Siegervereine eingraviert werden können.