Wie ging es aus?

FC Liverpool – FC Sevilla 1:3 (1:0)

1:0 Sturridge (35.), 1:1 Gameiro (46.), 1:2 und 1:3 Coke (64., 70.)

Wie lief das Spiel?

Gegensätzlich. Die erste Halbzeit stand im Zeichen des Liverpooler Vollgasfußballs. Nach dem wunderbaren, geradezu untypisch gefühlvollen Schlenzer von Daniel Sturridge zum 1:0 brachte die Klopp-Elf den Titelverteidiger in Gefahr, näherte sich mehrfach dem möglichen 2:0. Die zweite Halbzeit lief ganz anders und sie begann schon ganz anders. Mit dem ersten Angriff glich Sevilla nach 17 Sekunden aus, obwohl die englische Abwehr in Überzahl war. In der Folgezeit setzte sich die technische und taktische Überlegenheit des Favoriten durch. Auf das 1:2 und 1:3 konnte man quasi warten. Von Liverpool kam nicht mehr viel, die Reds spielten ähnlich wie Dortmund früher: hohe Drehzahl, aber niedriger Gang. Und abwehrschwach.

Insgesamt war das Finale im Joggeli von Basel sehr intensiv, emotional, rasant, abwechslungsreich. Aber man sah auch: Es ist die zweite europäische Liga. Stets waren Hast und Hektik im Spiel, auch gingen Spieler beider Teams immer wieder bei Dribblings und Attacken auf den Gegner absurd hohes Risiko. Das Spiel hatte manchmal etwas von unreifem Jugendfußball – vor allem aufseiten der Verlierer.

Was ist über den Sieger zu sagen?

Der hatte gute Kicker in seinen Reihen. Der brasilianische Rechtsverteidiger Mariano zeigte nicht nur bei seiner Vorbereitung zum Ausgleich, wie man Abwehrspieler im Tempo stehen lässt. Der Argentinier Éver Banega ließ so manchen Gegner an sich abprallen und war trotzdem ballgewandt. Coke traf wieder in einem Finale. Und der Trainer Emery ist ein Verrückter, sichtet angeblich vor jedem Spiel einen halben Tag lang Videos. Offenbar hatte er auch in der Halbzeit gute Ratschläge parat.

Welche Rolle spielte der Schiri?

In der ersten Hälfte gab es drei Szenen, in denen die Liverpudlians Elfmeter forderten. Mal wegen Foul, mal wegen Hand, mal wegen beidem. Doch Jonas Eriksson erwies sich als großzügig und jede Szene für sich war nicht unbedingt falsch entschieden. Er hätte nach einem Prinzip handeln können, das in keinem Regelbuch steht, aber in der Praxis oft Anwendung findet: In der Summe war's ein Elfer. Sonst leitete der Schwede aber gut. Er maßregelte beim 1:3 seinen Assistenten mit einer autoritären Geste, der zu Unrecht Abseits gesehen haben wollte. Am schönsten aber waren Erikssons gelbe Strümpfe, mit denen er seine dünnen Waden eng bestutzte.

Wie benahm sich Klopp?

Wüst. Nein, er ließ bloß wüsten Fußball spielen. Pressing war sein Spielmacher, der deutsche Fan kennt es aus Klopps Bundesliga-Zeit. Seine Spieler stießen auf die Ballführenden und dann ging's ab Richtung Tor. Der, an dem man den Klopp-Stil am besten festmachen kann: Emre Can, ein Bewegungstalent, eine Topmischung aus Technik und Physis, aber ein Lenker ohne Kompass. Klopps Plan ging immerhin eine Halbzeit lang auf.

Analytisch gaben seine Aussagen nach dem Spiel nicht viel her, Fußball ist für ihn vor allem Emotion und Rennen. In der Niederlage gab er sich jedenfalls generös. Ein Thema war natürlich der Schiedsrichter, der Klopp an seine Finalhistorie erinnerte. "Einige Endspiele hab ich in den letzten Jahren verloren und keine Fehlentscheidung war zu meinen Gunsten", sagte er nach dem Spiel. Und hatte recht. Im Pokalfinale 2014 wurde Dortmund gegen Bayern fälschlicherweise ein Tor aberkannt, ein Jahr später führte ein falscher Freistoßpfiff zum Wolfsburger Ausgleich, im Champions-League-Finale 2013 hätten Bayern-Spieler vom Platz fliegen müssen, diesmal spielte Sevilla Handball. "Aber das mit den Fehlentscheidungen wird sich sicher ändern", sagte Klopp lächelnd. Mit einem Sieg hätte er seine erste Liverpooler Saison, die mittelmäßig, aber höhepunktreich verläuft, zum sehr guten Ende bringen können. Doch statt in der Champions League ist er nun nächstes Jahr gar nicht in Europa dabei.