Als Niko Kovač gerade Eintracht Frankfurt in der Bundesliga gehalten hatte, war es ihm auch nicht recht. Er wünsche sich, dass in Zukunft niemand mehr diese aufreibende Zeit einer Relegation durchmachen müsse. "Schauen Sie sich das Gesicht von HSV-Trainer Bruno Labbadia im vergangenen Jahr an", sagte er. Darin sehe man, was eine Relegation anrichte.

Eigentlich wollte er also absteigen. Hätte es die Relegation nämlich nicht gegeben, wäre Frankfurt schon vor einer Woche Zweitligist gewesen und Nürnberg zurück in der Bundesliga. Natürlich meinte Kovač das im übervollen Presseraum nicht so. Er wirkte aufgewühlt, als er seine Worte wählte. Auch er hat in den vergangenen Wochen gelitten. Als er darauf hingewiesen wurde, dass er damit ja indirekt Frankfurts Abstieg fordere, versuchte er sich noch zu korrigieren. Seine Haltung zur Relegation aber war unmissverständlich: "Es mag eine gute TV-Quote bringen. Aber ästhetisch ist es nicht das Beste." Offenbar missfällt es auch manchem Trainer, wie der Pulsschlag der Saison künstlich verlängert wird.

Dazu musste man nur die beiden Spiele dieses Jahr gesehen haben. Zwei Mal quälten sich Frankfurt und Nürnberg durch 90 Minuten, als hätte man sie an einem Sonntagmorgen geweckt und auf den Platz gestellt. Fußball zum Abgewöhnen. Im Hinspiel hatte Nürnberg Glück, dass der mit Krebsdiagnose spielende Marco Russ ein Eigentor fabrizierte. Selbst aufs Tor geschossen hat der Club in beiden Spielen nur einmal. Frankfurt wiederum war engagierter, glich am Donnerstag noch aus und wollte im Rückspiel deutlich erkennbar Tore schießen. Doch es zeigte sich auch, warum Frankfurts Stürmer in dieser Saison manchmal in den Verdacht der Arbeitsverweigerung gerieten.

Nürnberg versuchte, die geplante achte Aufstiegsfeier der Vereinsgeschichte mit einer stabilen Viererabwehr und zwei zusätzlichen, sehr defensiven Mittelfeldspielern abzusichern. Das klappte, nach vorne aber war Nürnberg leblos. Frankfurt wiederum wusste, dass der Club ihnen das Feld überlassen würde. Die Angst vor einem glücklichen Konter der Nürnberger aber lähmte auch deren Spiel nach vorne.

Eine exemplarische Szene spielte sich in der 16. Minute ab, als der Nürnberger Kerk an der Mittellinie gegen drei ins Dribbling ging, den Ball verlor, Frankfurt schnell nach vorne spielte, Chandler aber 20 Meter über das Tor schoss. Es wollte Risiko sein, wurde aber nicht mal ein Fummeln. Typisch für die Relegation.

Die Strafräume auf beiden Seiten waren No-Go-Areas. Wenn Gefahr aufkam, dann über Fernschüsse. Doch auch bei denen beschlich einen das Gefühl, dass um die Tore herum zusätzlich eine Sicherheitszone konstruiert sein musste, die eine Annäherung an das Tor verhinderte.

Erst als der Frankfurter Torschütze des Hinspiels, Mijat Gaćinović, mit einem Solo den Nürnberger Riegel in der 66. Minute durchbrach und klug auf Haris Seferović legte, fiel das erlösende 1:0. Nürnberg musste anschließend angreifen, um wenigstens die Verlängerung noch zu erreichen. Man konnte ihnen beim Scheitern zusehen. "Wir waren zweimal schlechter, hatten nach vorne keine Aktionen und sind deshalb zu Recht nicht aufgestiegen", klagte FCN-Coach René Weiler nach dem Spiel.