Die Sensation ist wahr geworden: Leicester City, ein Abstiegskandidat mit sehr viel kleinerem Budget als die Konkurrenz, ist Meister. Und das im turbokapitalistischen Fußball, und das in England, der reichsten Liga der Welt. Es gibt 1.000 Gründe, sich mit Leicester zu freuen, wir haben die 33 wichtigsten zusammengestellt. Diese Meisterschaft ist ein Festtag für Fußballromantiker, weil ...


… sie sich anfühlt, als wäre Darmstadt 98 Deutscher Meister geworden.

… sie historische Sensationserfolge von Kaiserslautern (1998), Griechenland (2004) oder Dänemark (1992) wie Favoritensiege aussehen lässt.

… es laut Wettmachern wahrscheinlicher war, dass Elvis lebt oder Hugh Hefner zugibt, Jungfrau zu sein.

… Leicester die Gesetze des Markts außer Kraft setzt und die ganze Verschwendung im reichsten Fußballland bloßstellt.


… Leicesters Torjäger Jamie Vardy im Alter von 20 immer rechtzeitig ausgewechselt werden musste, weil er wegen einer Kneipenschlägerei eine elektronische Fußfessel trug.

… der Trainer Claudio Ranieri Sätze sagt wie "Ich bin dann glücklich, wenn die Fans glücklich sind" und im Moment, als er Meister wurde, im Flugzeug saß, auf dem Rückweg vom 96. Geburtstag seiner Mutter in Italien.

… Ranieri, als feststand, dass Leicester in der kommenden Saison Champions League spielen wird, einfach nur "Dilli-Ding, Dilli-Dong" den Journalisten entgegen rief.

… Ranieri vor nicht mal zwei Jahren als Trainer Griechenlands nach einer Niederlage gegen die Färöer-Inseln gefeuert wurde.

… man mit Bällen nach vorne schlagen und ein wenig Stürmertalent Meister in England werden kann.

… weil die beste, vielleicht einzige Erklärung für den Triumph Leicesters die Gebeine Richards III. sind, die vor wenigen Jahren unter einem Parkplatz in Leicester gefunden und vor einem Jahr in der Kathedrale beigesetzt worden waren, woraufhin der Club, damals Tabellenletzter, sieben der nächsten acht Spiele gewann.

… die beste Position des Clubs bislang ein zweiter Platz war. 1929.

… Leicester nicht nur 90 Minuten Rausch hinkriegt, wie Werder Bremen, sondern eine ganze Saison.

... vom großen Meistertrainer Louis von und zu Gaal, der die Ranieri-Elf am vorigen Samstag mit seiner Truppe aus dem reichen Manchester auch nicht mehr aufhalten konnte, von dieser Saison außer Niederlagengesichtern nur eine Schwalbe am Spielfeldrand in Erinnerung bleibt.

… Leicester es verdient gehabt hätte, auf dem Platz statt auf dem Sofa Meister zu werden, aber immerhin Twitter am Montagabend explodierte, weil die Welt gratulierte.

… der Algerier Riyad Mahrez, der vor zwei Jahren in der zweiten französischen Liga spielte, Spieler des Jahres in der Premier League wurde, knapp vor Jamie Vardy.

… für Leicester ein Spieler mit dem schönen, sprechenden Namen Kante kickt (das ´ auf dem e übergehen wir mal, steht es doch bloß für leicesteruntypische Extravaganz).

… es sich bald auch zur Sportschau rumsprechen wird, dass man den Namen der Stadt in den Midlands auf Deutsch "Läster" ausspricht.

... die Mannschaft nicht abgefangen wurde, wie Experten monatelang voraussagten.

… die Wetter, die dieses Wunder tatsächlich vorausgesagt hatten, nun für jedes eingesetzte Pfund 5.000 zurückbekommen, während man auf einen Abstieg Leicesters nur eine Promille dieser Quote erhalten hätte.

… einer derjenigen Gewinner, nämlich Leigh Herbert, bloß 25.000 Pfund seines Gewinns mitnahm und bereits seine nächste Wette auf den Champions-League-Sieg Leicesters (Quote 1:150) platziert hat.

… Leicester zwar auch von einem Milliardär mit dem unwahrscheinlichen Namen Vichai Srivaddhanaprabha besessen wird, der aber die Weitsicht hatte, mit Mainzer (Shinji Okazaki) und Schalker Fußballern (Christian Fuchs) Meister zu werden.

… Fuchs wegen seiner konstant starken Leistungen als Außenverteidiger nun auch wegen etwas anderem bekannt ist als für lange Einwürfe.

… Fuchs' Videos aus der Kabine Kult und sein Hashtag #NoFuchsGiven zur Modelinie wurde.

… Robert Huth nun drei Mal so viele Premier-League-Titel gewonnen hat wie Mesut Özil, Robin van Persie und Steven Gerrard zusammen.

… Huth zeigt, dass der wichtigste Job eines Verteidigers es vielleicht doch nicht, wie das Sportfeuilleton behauptet, ist, den eleganten Spielmacher zu geben, sondern Stürmer zu bekämpfen.

… Huths Alterswerk so reif ist wie das von Johnny Cash.

the German wall, die deutsche Mauer, wieder steht, aber halt glücklicherweise in Leicesters Abwehr.

 … die Geschichte von Leicester auch eine Geschichte der Emanzipation eines talentierten Sohns, Kasper Schmeichel, von einem legendenhaften Vater, Peter Schmeichel, ist.


… es bald einen Hollywood-Film über Jamie Vardy gibt.

... das alles den nahenden Aufstieg von RB Leipzig erträglicher macht.

… Gary Lineker mal für den Club spielte und ihn 2002 als Anführer von 55 Geschäftsleuten vor der Insolvenz rettete.

… Huthhuthhuth!

… wir wissen, dass bald wieder Geld die Tore schießt.

Premier League - Fußballromantiker schwärmen für Leicester City Leicester City ist erstmals englischer Meister in der Premier League geworden. Nicht nur der Verein, auch Fans in aller Welt sind begeistert, weil ein Fußballmärchen wahr wurde: Geld ist nicht alles.