Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Immer noch über Mats Hummels, er ist ja immer noch nicht gewechselt. Vielleicht wechselt er ja nie. Uli Hoeneß' Einlassung hat Hummels das Ziel München jedenfalls nicht viel schmackhafter gemacht (siehe unten). Beim 5:1-Sieg gegen Wolfsburg wurde der Neumünchner in spe dennoch bei jedem Ballkontakt geschmäht. "Ich bin wohl der erste Spieler, der von den Fans ausgepfiffen wird, obwohl er noch nicht einmal gewechselt ist", sagte Hummels. Die Wahrscheinlichkeit des Transfers liege bei 51 Prozent, sagte Hummels. Über die Nachkommastellen machte er keine Angaben. Trösten kann sich Hummels immerhin mit Blick auf die sportliche Bilanz in dieser Saison: 77 Punkte hat die Borussia nun, zwei Spieltage vor Schluss. In 15 der vergangenen 20 Saisons hätte das allein zum Titel gereicht – die Bayern von 1999 (78) und 2015 (79) dürften sie sich auch noch holen, vielleicht auch den BVB von 2012. Und wenn man sich die derzeitige Form des FC Bayern und das BVB anschaut, können die Münchner froh sein, dass die Saison nicht drei oder vier Spiele länger dauert.

Die unterschätzte Saison des BVB

Als Tabellenzweiter hat Borussia Dortmund bereits zwei Spieltage vor Schluss stolze 77 Punkte gesammelt (hinter den Bayern mit 82 Punkten). Damit hätte der BVB seit Einführung der Drei-Punkte-Regel (Saison 1995/96) 15 mal den Meistertitel gewonnen (grün eingefärbte Spielzeiten)!

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Was machten die Frauen?

Bayerns Frauen verteidigen frühzeitig ihren Meistertitel, gewannen 5:0 gegen Bayer Leverkusen. Die Matchwinnerin: Vivianne Miedema mit einem Hattrick (25./53./59.) Die Wolfsburgerinnen leisteten derweil Wiedergutmachung für ihre männlichen Kollegen und zogen am Sonntagnachmittag ins Champions-League-Finale ein. Nach dem 4:0 im Halbfinalhinspiel dahoam blieb gestern in Frankfurt wie erwartet das "Wunder vom Brentanobad" aus. Wäre aber auch nicht so richtig von der Zunge gerollt. Der Titelverteidiger Frankfurt verabschiedete sich allerdings ordentlich mit einem Sieg; Marith Prießen traf in der 90. zum 1:0. Wolfsburg misst sich im Finale am 26. Mai mit Olympique Lyon.

Was war sonst noch wichtig?

Uli Hoeneß ist endgültig zurück. Das beste Zeichen dafür: Das ganze Fußballland redet über seine Sätze. Der Unterschied zu früher aber, als die Abteilung Attacke wirkungsvoll aber plump daherkam, ist, dass die Aussagen heute niemand so recht deuten kann. Am Freitag hatte Hoeneß gesagt, Mats Hummels sei von sich aus auf den FC Bayern zugekommen. Das war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil dem einfachen Vereinsmitglied Hoeneß in diesem Moment der Vereinspräsident Karl Hopfner wie ein Hiwi das Mikrofon hielt. Zum anderen, weil Mats Hummels sich sofort davor verwahrte, zum FC Bayern gekrochen zu sein und um einen Job gebettelt zu haben. Das würden die BVB-Fans nämlich noch unlustiger finden als ohnehin schon. Auch Dortmunds Hans-Joachim Watzke war erzürnt ob des plumpen Versuchs, Zwietracht im Ruhrgebiet zu sähen. Hummels nannte die Hoeneß-Sätze "Humbug", das muss man sich auch erst mal trauen, er redet ja womöglich über den künftigen Präsidenten seines neuen Arbeitgebers.

Was also hat Hoeneß geritten? Wieso legt er seinem neuen Star solch ein Ei ins Nest? Was für ein ungalanter Empfang. Hoeneß ist Profi, dem rutscht so etwas nicht einfach raus. Auch eher unwahrscheinlich, dass er im Gefängnis sein politisches Gespür verloren hat. Ein paar Deutungsversuche: Beim FC Bayern sind längst nicht alle Hummels-Fans, Hoeneß vor allem nicht, ein kleiner interner Machtkampf. Hoeneß zündelt, in der Hoffnung, Hummels könnte es sich anders überlegen. Bemerkenswert ja auch, dass Karl-Heinz Rummenigge später Hoeneß so deutlich über den Mund fuhr, wie man es mit einem einfachen Vereinsmitglied macht (das Hoeneß gerade ist), aber eher nicht mit dem Mr. FC Bayern. Hoeneß habe da "vielleicht etwas missverstanden". Oder alles Taktik? Ist Hoeneß der bad cop und Kalle der good cop? Wenn ja, warum lässt sich Hoeneß auf das Spiel ein, bei dem vor allem er schlecht aussieht? Oder hat er sich vertan und musste von Rummenigge wieder eingefangen werden? Und eine ganz verrückte Variante: Hoeneß hat Recht.

Was war das Zitat des Wochenendes?

"Jetzt haut ab. Der andere Trainer muss noch was sagen. Die kämpfen gegen den Abstieg. Raus! Ab!"

Christian Streich zu seinen Spielern, die begonnen hatten, Freiburgs Aufstieg in die Erste Liga bei der Pressekonferenz in Paderborn zu feiern.