Die Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission fordert eine Sperre von zwei Jahren für den früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach. Das teilte der Fußball-Weltverband mit. Es gehe um Niersbachs Verwicklungen in die Affäre um die WM 2006 in Deutschland. Niersbach war Vizepräsident des WM-Organisationskomitees.

In ihrem Untersuchungsbericht werfen die Ermittler unter dem Vorsitz des Schweizers Cornel Borbély dem ehemaligen DFB-Chef vor, gegen vier Paragrafen des Fifa-Ethikcodes verstoßen zu haben. Sie fordern neben dem Bann für alle Fußballaktivitäten auch eine Geldstrafe von 30.000 Schweizer Franken. Niersbach hat nun die Gelegenheit sich zu verteidigen und kann eine Anhörung beantragen. Über eine mögliche Strafe entscheidet die rechtsprechende Kammer.

Der 65-Jährige war wegen des WM-Skandals zwar als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurückgetreten, sitzt als deutscher Vertreter aber noch immer im Council der Fifa und im Exekutivkomitee der Uefa.

Nicht nur gegen Niersbach, auch gegen fünf weitere deutsche Fußballfunktionäre ermittelt die Fifa-Ethikkommission. Darunter sind Franz Beckenbauer, der damalige Chef des Organisationskomitees und der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger. Sie werden verdächtigt, den Fifa-Ethikcode verletzt zu haben. Ein Vorwurf lautet, dass die Verdächtigten mit möglichen unlauteren Zahlungen der deutschen Bewerbung bei der Vergabe der WM 2006 einen Vorteil verschafft hätten. Eine Untersuchung der vom DFB beauftragten Kanzlei Freshfields konnte den Vorwurf einer gekauften WM weder bestätigen noch widerlegen.

Der WM-Skandal war im vergangenen Oktober durch einen Bericht des Spiegels öffentlich geworden. Demnach soll der DFB die entscheidenden Stimmen für die WM-Vergabe gekauft haben. Im Zentrum steht dabei eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan mithilfe des damaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus auf ein Konto in der Schweiz und von dort einer Firma des früheren Fifa-Funktionärs Mohamed bin Hammam in Katar überwiesen haben. 2005 zahlte das WM-Organisationskomitee die 6,7 Millionen an Louis-Dreyfus aus Frankreich zurück. Allerdings waren sie bewusst falsch deklariert als Beitrag zu einer WM-Gala, die nie stattfand. 

Niersbach erklärte, von der Zahlung an Louis-Dreyfus gewusst zu haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt daher wegen Steuerhinterziehung gegen den ehemaligen DFB-Präsidenten.