Mit diesem Sieg steckt Adidas eine schwere Niederlage ein. Zwar wird der fränkische Sportausrüster die Partnerschaft mit dem DFB, die fast so alt ist wie die Bundesrepublik, auch nach 2018 fortsetzen. Doch es wird deutlich teurer. 50 Millionen Euro pro Jahr, heißt es von Adidas, mehr als das Doppelte des Bisherigen. Und in Zukunft muss Adidas damit rechnen, dass sich der DFB für den Konkurrenten entscheidet, etwa Puma oder Under Armour.

Adidas' größter Rivale Nike hatte zwar schon in der Vergangenheit mehrfach mitgeboten, die deutsche Nationalmannschaft auszustatten. Doch frei und fair war der Wettbewerb um das begehrte Testimonial, den inzwischen vierfachen Weltmeister, nie. Er war von Macht bestimmt, von der immens großen Macht Adidas', des Erfinders der modernen Sportkorruption. Sie ist nun jedoch geschrumpft.

Adidas, kein Schuhfabrikant, sondern ein Player der globalen Sportpolitik, hat die Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs mitgeprägt, seit Adi Dassler die Helden von Bern mit drei Streifen verzierte und sie mit Stollen behufte. Seit Jahrzehnten pflegt der Sportartikelhersteller Kontakte zur Fußballprominenz. Er hat viele starke Verbündete, etwa Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer, die Köpfe von Bayern München, also der Aktiengesellschaft, an der Adidas Anteile hält. Wolfgang Niersbach hat gute Drähte zum Adidas-Chef Herbert Hainer. In der Bild-Zeitung ist Hainer regelmäßig Gewinner des Tages. Es sind noch andere Altnationalspieler im Hintergrund tätig.

Diese Macht hat Adidas genützt und dem DFB geschadet. Nike legte das Fünffache auf den Tisch und zog dennoch den Kürzeren, wie 2006 bei den letzten Verhandlungen. Damals bot das US-amerikanische Unternehmen dem DFB 500 Millionen Euro für zehn Jahre, Adidas dagegen nur 100, obwohl man mit dem DFB sehr viel mehr Geld verdient. So ein Angebot macht man nur, wenn man sich des Sieges sicher ist. Der damalige Präsident Theo Zwanziger dachte öffentlich laut nach, sich Nike zuzuwenden. Dann zeigten die Franken, was sie draufhaben.

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Zwanziger erhielt viele Anrufe von ehemaligen Nationalspielern, die ihn überreden wollten, bei Adidas zu bleiben – und andernfalls mit Stimmungsmache drohten. Ein abschreckendes Beispiel konnte Zwanziger an Oliver Bierhoff beobachten. Der DFB-Manager und ehemalige Nike-Repräsentant wurde von Rummenigge als "Ich-AG vom Starnberger See" verhöhnt. Zwanziger war damals nicht mächtig genug, sich von Adidas zu trennen. Er sagte über das Geflecht zwischen Adidas und dem deutschen Fußball, es gebe "lange Lohnlisten". Eine heikle Andeutung, die unwidersprochen blieb.

So einfach war das, aber es funktionierte. Adidas musste zwar immerhin auf 20 Millionen Euro pro Jahr verdoppeln, um den Zuschlag zu bekommen. Das war aber noch immer weit unter Marktwert. Das Geld von Nike floss woanders hin. Der französische Fußballverband, den Nike darauf Adidas abwarb, erhielt mehr als das Doppelte, obwohl man mit der DFB-Elf mehr Trikots, Schuhe und Bälle verkauft. Sie ist populärer. Die Marketingabteilung des DFB erhielt Dankesanrufe von den französischen Kollegen.

Dem gemeinnützigen DFB entgeht also bis heute und noch zwei weitere Jahre jährlich eine achtstellige Summe. Zwanzigers Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder hatte bereits 2002 seine Entscheidung für Adidas und gegen Nike getroffen, unbeobachtet zwischen Weihnachten und Neujahr. Stimmen die Berichte, hat Adidas auch Einfluss auf Karrieren von Fußballern genommen.

Zwei weitere Details des auslaufenden Vertrags belegen, wie Adidas dem Wettbewerb schadete. Er lief zehn Jahre, was außergewöhnlich lange ist. Und er sah das Matching Offer Right vor. Dieses Vorkaufsrecht besagt, dass Adidas vom DFB über die Höhe möglicher Angebote der Konkurrenz informiert werden muss, um gleichziehen zu können. Beides halten Juristen aus kartellrechtlicher Sicht für fraglich, womöglich hat der DFB seine marktbeherrschende Stellung missbraucht.

Die Macht von Adidas ist geschwächt, weil die Freunde von Adidas geschwächt sind. Hoeneß saß im Gefängnis. Beckenbauer zog im Zuge der Affäre um das gekaufte Sommermärchen die Rolle als vergesslicher alter Mann vor. Niersbach verlor sein Amt als Präsident und sein Gesicht bei der legendären Ich-weiß-von-nichts-Pressekonferenz.

Die neue Führung des DFB klebt offenbar nicht so fest an Adidas. Der frisch gewählte Präsident Reinhard Grindel hatte vor seiner Wahl gesagt, dass er dem wirtschaftlich besten Angebot den Vorzug geben werde und nicht dem politisch bequemen. Auch der alten Führung hätte Adidas deutlich mehr zahlen müssen als zuvor. Doch Grindel hat zudem das Matching Offer Right im neuen Vertrag gestrichen und die Laufzeit auf vier Jahre verkürzt. Er hat den DFB ein bisschen unabhängiger von Adidas gemacht. Es ist Grindels erster kleiner Erfolg.

Datenauswertung und Visualisierung: Andreas Loos und Sascha Venohr