Der europäische Fußballverband Uefa droht Russland konkret mit dem Ausschluss aus der Europameisterschaft. Sollten sich die Krawalle vom Samstag im Stadion wiederholen, werde Russland disqualifiziert, teilte die Uefa mit. Die Entscheidung stehe im Einklang mit Artikel 20 der Uefa-Regularien, die Strafen für Randale in Stadien während eines Spiels vorsehen. Zudem wurde eine Geldstrafe von 150.000 Euro verhängt. 

Anlass ist das Verhalten russischer Zuschauer im Spiel gegen England am Samstag im Stadion in Marseille. Fans hatten Feuerwerkskörper entzündet und den Block der englischen Fans gestürmt. Sie prügelten auf andere Fans ein, Leuchtraketen flogen und Flaggen wurden heruntergerissen. Aus Panik kletterten viele englische Fans über Zäune zum Innenraum. Schon zuvor hatte es im Alten Hafen von Marseille schweren Krawall gegeben, bei denen Flaschen und Tische flogen und die Polizei Wasserwerfer und Tränengas einsetzte. Mehrere Hundert Fans waren aufeinander losgegangen.

Russland kündigte an, die Entscheidung der Uefa zu akzeptieren und keinen Einspruch einzulegen, wie Sportminister Witali Mutko der Agentur Tass zufolge sagte. Das russische Team spielt am Mittwoch in Lille gegen die Slowakei. Das letzte russische Gruppenspiel gegen Wales findet am Montag in Toulouse statt.

Die französische Polizei sucht nach den Randalierern. In der südfranzösischen Stadt Mandelieu fand eine Razzia statt, die sich gegen 29 russische Hooligans richtete. Die Polizei habe zugegriffen, nachdem sie die russischen Teilnehmer an den Krawallen von Marseille namentlich ausfindig gemacht hatte, teilte die Polizei mit. Der französische Premierminister Manuel Valls kündigte die Ausweisung jener an, die an den Ausschreitungen beteiligt waren. Mehrere britische Hooligans wurden bereits bestraft. Der russische Sportminister Mutko zeigte Verständnis dafür, dass der EM-Gastgeber Problemfans abschiebe. "Sie werden deportiert, weil sie nicht gekommen sind, um Fußball zu sehen. Es wird Zeit, dass Ruhe einkehrt", sagte er. 

Nach der Darstellung des rechtsradikalen Aktivisten Alexander Schprygin stoppte die französische Polizei außerdem einen Bus mit russischen Hooligans. Den fast 50 Reisenden drohe die Ausweisung, sagte Schprygin. Demnach umstellten Bereitschaftspolizisten das Fahrzeug in Cannes auf dem Weg nach Lille, wo die russische Mannschaft ihr nächstes EM-Spiel bestreitet. Die französischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu dem Vorfall. 

Hooligans aus Russland hatten bereits bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine randaliert. Der russische Verband war dafür mehrfach mit Geldstrafen belegt worden und gilt deshalb als Wiederholungstäter.