Eröffnungsspiel: Oh, là, là, das war knapp

Der Druck, der Druck: Frankreich gewinnt zwar in vorletzter Minute die EM-Eröffnung gegen Rumänien. Macht sich aber vom Favoriten zum Geheimfavoriten. Das Blog zum Spiel
Frankreich atmet auf: Sieg in letzter Minute gegen Rumänien © REUTERS/​Lee Smith
  • Frankreich weint Freudentränen
  • Dimitri Payet macht ein sehr, sehr hübsches Tor
  • Ein Spiel, das eine Blaupause für die restliche Vorrunde sein könnte

  • 23:30 Uhr
    Fabian Scheler

    Fazit: Frankreich gewinnt das Eröffnungsspiel der Fußball-EM mit 2:1, was mir einerseits einen ersten Sieg in meiner Tipprunde einbringt und andererseits ein lautes französisches Ausatmen provoziert. Druck haben gastgebende Mannschaften immer: Brasilien hatte bei seiner Heim-WM 2014 eine Staatsaufgabe vor sich. Auch in Frankreich wird von 23-jährigen Fußballprofis nichts weniger erwartet, als eine gespaltene Nation wieder etwas zusammenzubringen. Das ist kaum möglich. Und das sah man.

    Die Rumänen kamen zweimal munter aus der Kabine und hatten sowohl im ersten als auch im zweiten Durchgang zu Beginn die besseren und größeren Chancen. Danach aber kontrollierte Frankreich das Spiel und baute es behutsam und sanft auf. Aber: Mehr als lange Bälle auf die Stars Griezmann, Pogba, Giroud, der zum 1:0 köpfte (und dabei den Torwart der Rumänen foulte, wie unser Rumänen-Pate und Urs Meyer sofort einwandten), fiel den Franzosen aber auch nicht ein. Rumänien glich zwar noch durch einen Elfmeter aus. Dimitri Payet aber zeigte, warum er 50 Millionen Euro wert ist und drechselte in der vorletzten Minute einen Schuss ins Toreck.


    Trotzdem: Frankreich sollte in dieser Form nicht vom EM-Titel träumen, sondern sich erst mal um Videomaterial aus Albanien kümmern. Das ist am kommenden Mittwoch der nächste Gegner.


    Vielleicht dient dieses Spiel auch als Vorgriff auf die Vorrunde. Der Favorit mühte sich ab, offensiv zu spielen, muss sich dabei aber wie ein Tourist am Eiffelturm durch acht oder neun Fremde drängeln. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein: Spiele wie Deutschland gegen Nordirland oder Spanien gegen Tschechien werden nicht anders aussehen. Der Fluch der 24 Teams.

  • 23:01 Uhr
    Christian Spiller

    Unser Rumänien-Pate ist sehr traurig. Wir mit unserem Außenseiterherz natürlich auch. Gut, dass er/wir Cineast/en für jede Gelegenheit den passenden Filmausschnitt parat haben. Wer kennt sie nicht, die Klassiker von, ähem, ich muss ablesen: Lucian Pintilie.

  • 22:55 Uhr
    Christian Spiller

    Aus, vorbei, Frankreich, einer der Favoriten der EM, gewinnt am Ende glücklich mit 2:1 gegen Rumänien, einen der Außenseiter der EM. Aber wir wollen mal nicht zu kritisch sein, das Siegtor von Payet hat uns versöhnt. Ein kurzes Fazit zum Spiel gibt es in wenigen Minuten an dieser Stelle. Morgen lesen Sie bei uns eine Reportage unseres Mannes in Paris, Felix Stephan.

  • 22:53 Uhr
    Fabian Scheler

    91. Minute: Jetzt hilft den Rumänen nur noch ein Lucky Punchiu.

  • 22:50 Uhr
    Christian Spiller

    89. Minute: Tooor für Frankreich, 2:1, was für ein Tor! Dimitri Payet mit einem Hieb in den Winkel. Den kann man mal machen, als Gastgeber, der unter Druck steht, in der vorletzten Minute. Einfach mal ausholen und ab ins Dreieck. Da fällt sogar den Franzosen die Contenance aus dem Gesicht. Da ist sie, diese Fußball-EM. Endlich.

  • 22:48 Uhr
    Fabian Scheler

    85. Minute: Unser Undercover-Mann in Paris, Hannes Schrader aus dem Campus-Ressort und stolzer Frankreich-Fanboy, kabelt dieses Bild aus einer Pariser Bar durch. Stimmung ist dem Spielstand angemessen. Wir sind froh, dass er nach seinem Ronaldo-Text den Shitstorm überlebt hat.

  • 22:42 Uhr
    Christian Spiller

    83. Minute: Die deutsche Elf sollte sich ganz genau anschauen, wie man es gegen ein defensivstarkes osteuropäisches Konterteam mit gelben Trikots und unaussprechlichen Namen nicht machen sollte.

  • 22:39 Uhr
    Fabian Scheler

    77. Minute: Eine Freundin aus Dresden schreibt mir stolz, dass es eine Dynamo-Fahne ins Stadion geschafft hat. Wie konnte das passieren? Ist Frankreich noch sicher? Wird zu Ende gespielt? Was macht eigentlich Lutz Bachmann in diesen Tagen? Dieses ganze Rattern im Kopf, schlimm.

  • 22:32 Uhr
    Christian Spiller

    73. Minute: Oh, Antoine Griezmann. Der Mann, der so französisch aussieht, dass er in jeder Gitanes-Werbung auftreten könnte. Eigentlich sollte er der Star dieser EM werden. Hat noch nicht ganz geklappt. Gerade wurde er ausgewechselt. Jetzt kann er wenigstens eine durchziehen.

  • 22:31 Uhr
    Fabian Scheler

    71. Minute: "Rumänien kommt", orakelt Rethy. Hat wohl zu lange im Wedding gechillt.

  • 22:28 Uhr
    Fabian Scheler

    65. Minute: Tor für Rumänien, 1:1: Evra, der 35-jährige Außenverteidiger der Franzosen, bekommt den Rollator nicht rechtzeitig weg und Stanciu stolpert über ihn. Stancu (ohne i), tritt an und gleicht aus. 1:1. C'est un jeu maintenant.

  • 22:22 Uhr
    Fabian Scheler

    62. Minute: Vorlagengeber zum 1:0 war Dimitri Payet. Der spielt in West Ham, wo sie Payet verehren. Vielleicht ja bald auch Sie? Jetzt alle! (Vielleicht nicht die Franzosen, das öört sisch im-mer so 'ölzern an wenn die eeen-klisch sprechen):

    "We’ve got Payet, Dimitri Payet, I just don’t think you understand, He’s Super Slavs man, He’s better than Zidane, We’ve got Dimitri Payet!"

  • 22:18 Uhr
    Christian Spiller

    57. Minute: Tor für Frankreich, 1:0. Olivier Giroud macht das erste Tor dieser Fußball-EM. Payet flankt, Giroud köpft, der rumänische Torwart namens Tătăruşanu glänzt zwar durch wunderbare viele Sonderzeichen, aber leider nicht durch Strafraumbeherrschung.

  • 22:15 Uhr
    Fabian Scheler

    55. Minute: Ein Servicepost. Die erste Halbzeit nochmal in 30-Sekunden-Zeitlupe. Unbedingt bis zum Ende gucken! Gern geschehen.

  • 22:11 Uhr
    Fabian Scheler

    46. Minute: Dreht sich die Welt noch? Zum ersten Mal haben die Franzosen einen Anstoß nach hinten ausgeführt. Das ist seit dieser EM erlaubt. Kollege Spiller hat davon heute mehrfach so sehr geschwärmt,dass ich vorhin,als ich wegen der ersten Halbzeit kurz eingeschlafen bin,davon geträumt hab. Hab mir die Revolution aber irgendwie kribbelnder ausgemalt. Bin dann durch einen Rückpass wach geworden.

  • 22:02 Uhr
    Fabian Scheler

    Pause: Mein Wunsch für die zweite Halbzeit: Ede Stoiber erklärt die Rumänen. Wäre superscu.

  • 21:58 Uhr
    Fabian Scheler

    Pause: Alis Beerdigung. Immer noch betrübt.

  • 21:51 Uhr
    Christian Spiller

    Pause. 0:0. Trotzdem bislang die beste Halbzeit dieser EM. Wir gönnen uns jetzt einen Pastis. Und unterhalten Sie mit lokalem Liedgut.

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Vorbemerkungen:

Irgendwas fehlt. Vielleicht das EM-Fieber? Wen man auch fragt: "Fußball, och nö, später vielleicht." Richtig in Stimmung ist kaum einer. Es könnte der Größenwahn nach dem Titel von Rio sein. Was ist so eine läppische EM schon gegen eine Weltmeisterschaft? Da fehlen ja vier Fünftel der Welt. Oder es liegt an der Terrorgefahr. Oder an etwas verwirrt daherredenden älteren Männern wie Alexander Gauland, der wiederum schon richtig schön in EM-Stimmung ist, das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Bisher war es ja so: "Wenn der Ball erst mal rollte" war das Startsignal. Das Feierabendbier der Sportwelt. Die Wochen davor waren immer mühsam, ja, aber selbst die Clique um Sepp Blatter scheute sich nicht, es offen auszusprechen: Wartet auf den ersten Anpfiff, dann ist die Fußballfamilie wieder ganz bei sich. Zwangsumsiedlungen in Brasilien? Ach. Unfertige EM-Stadien in der Ukraine? Ach.

Und jetzt? Gleich beginnt die Europameisterschaft in Frankreich. Die organisierende Uefa hat nicht mal einen Präsidenten, der wichtigen Schrittes über den Rasen schreiten könnte. Michel Platini wird sich heute wohl mit seinem Fernsehgerät unterhalten. (Oder hier mitlesen. Bonne soirée, Michel, ça va?) In der Uefa hört man ihm nicht mehr zu. Er wurde verjagt, als Teil der mauschelnden Clique um Sepp Blatter vom Weltfußball ausgeschlossen.

Dieses Turnier hat seine Leichtigkeit schon verloren, bevor überhaupt eine Minute gespielt wurde. Dabei braucht Europa diese EM vielleicht drängender denn je. Wir bei ZEIT ONLINE wollen in den kommenden Wochen all diese Facetten abbilden: Wie behandelt ein von Innenpolitik und Sicherheitsdruck aufgewühltes Land ein Fußball-Großereignis? Wie geht es der deutschen Flagge? Und natürlich auch: Wird Deutschland Europameister? Wenn nicht, wer dann? Und warum? Und warum hat Thomas Müller so dünne Beine?

Unser Reporter Oliver Fritsch reist vom DFB-Quartier am Genfer See aus der deutschen Nationalmannschaft hinterher. Felix Stephan kennt Paris, spaziert gerne hindurch. Er wird in den kommenden Wochen von dort aus das Land, seine Menschen und seine Gäste beobachten. Und wir tippen von unserem Berliner Büro aus die Gags vom Band in Zeilen wie diese und Sie müssen dann lachen.

Oder auch nicht. Jedenfalls regt sich auch in uns trotz dieser sehr ernsten Vorbereitungswochen langsam der etwas entspanntere Blick auf das Turnier. Frankreich gegen Rumänien ist das Eröffnungsspiel. Darum soll es heute hier gehen. Das ist doch ein Kracher! Auf der einen Seite: eine völlig fremde Fußballkultur, unbekannte Spieler. Auf der anderen Seite: Rumänien. Sehen Sie, es wird.

Und da wir ja ein Herz für Außenseiter haben, möchten wir Ihnen dieses Video noch an ihr selbiges legen:


Kommentare

87 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Oberstudienrätinmitkurzhaarfrisur.

#1  —  10. Juni 2016, 22:14 Uhr

Das Bier ist kühl gestellt, das Poporn bereit. Jetzte freue ich mich auf eine bombastische EM 2016.