Der rechtsradikale Aktivist Alexander Schprygin ist nach Berichten des britischen Guardian als offizielles Mitglied der russischen Delegation zur Fußball-EM nach Frankreich gereist. Schprygin wurde zuvor dabei fotografiert, wie er gemeinsam mit dem Sänger einer rechten Band einen Hitlergruß gezeigt hatte. Für Aufregung sorgte ebenfalls, dass er sagte, er wolle "nur slawische Gesichter in der russischen Nationalmannschaft sehen".

Das Netzwerk Fare (Football Against Racism in Europe), das sich gegen Rassismus und Diskriminierung engagiert, zeigte sich besorgt über die Anwesenheit Schprygins. Fare-Direktor Piara Powar sieht dies als Zeichen für eine "offensichtliche Verbindung von hochrangigen Politikern, rechtsradikalen Aktivisten und extremem Nationalismus" in Russland.

Schprygin ist als Assistent des russischen Politikers Igor Lebedew tätig. Der Abgeordnete der Liberal-Demokratischen Partei Russlands hatte nach den Ausschreitungen von Marseille getwittert: "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht, Jungs. Weiter so!" 

Eine weitere bekannte Persönlichkeit, die während des Spiels zwischen England und Russland gesichtet wurde, ist Alexander Rumjantsew. Ob dieser ebenfalls eine Akkreditierung hat, ist allerdings nicht bekannt. Rumjantsew ist ein ehemaliger Anführer der Zenit Landskrona, einer Fanvereinigung, die im Jahr 2012 ein Manifest veröffentlichte. Darin wurde verlangt, dass der Club Zenit St. Petersburg keine schwarzen oder homosexuellen Spieler verpflichtet.

Polizisten sollen Bus mit Hooligans umstellt haben

Nach den schweren Krawallen zwischen russischen und englischen Fußballfans mit zahlreichen Verletzten droht beiden Nationalteams der Rauswurf, sollten sich die Vorfälle wiederholen. Die Uefa hatte erklärt, dass ein solches Verhalten im Fußball keinen Platz habe. 

Die französische Polizei hat unterdessen eine Razzia gegen 29 russische Hooligans in der südfranzösischen Stadt Mandelieu durchgeführt. Die Operation sei erfolgt, nachdem die russischen Teilnehmer an den Krawallen von Marseille namentlich ausfindig gemacht worden seien, teilte die Polizei mit. Der französische Premierminister Manuel Valls kündigte die Abschiebung jener russischen Hooligans an, die an den Ausschreitungen beteiligt waren.

Nach der Darstellung von Alexander Schprygin stoppte die französische Polizei außerdem einen Bus mit russischen Hooligans. Den fast 50 Reisenden drohe die Abschiebung, sagte Schprygin. Demnach umstellten Bereitschaftspolizisten das Fahrzeug in Cannes auf dem Weg nach Lille, wo die russische Mannschaft ihr nächstes EM-Spiel bestreitet. Die französischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

Korrektur: In einer vorhergehenden Version dieses Textes hatte es fälschlicherweise geheißen, Igor Lebedew sei Parlamentsvizepräsident und Vorstandsmitglied der russischen Fußballunion