Nachlässigkeit wirft der Sicherheitschef der Fußball-WM 2006, Helmut Spahn, den französischen EM-Organisatoren vor."In Frankreich herrscht noch immer das Verständnis der 'Grande Nation' vor. Das heißt, man hat alles im Griff, braucht keinen Rat – das ist auch eine Mentalitätsfrage", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Erfahrungen und Expertisen aus anderen Ländern seien nicht zurate gezogen worden. "Man möchte vielleicht nicht so viel von anderen hören. Was international passiert, ist für einen dann nicht so interessant", wird Spahn zitiert. Als WM-Gastgeber 2006 hätten die deutschen Organisatoren schon drei Jahre im Voraus Vertreter aus anderen Ländern eingeladen, obwohl man noch gar nicht wusste, ob sich diese für die WM qualifizieren.

Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich beginnt am 10. Juni. Das Endspiel findet am 10. Juli in Paris statt. Diese beiden Spiele sind laut Bundeskriminalamt besonders gefährdete Terrorziele. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hält die Terrorbedrohung aber für beherrschbar. "Wir leben insgesamt in Zeiten erhöhter Terrorgefahr. Aber sie ist nicht so, dass man die Austragung der EM in Frage stellen müsste", sagte er kürzlich den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Hinweise auf Anschläge gebe es immer. 

USA warnen US-Bürger vor EM

In Frankreich herrscht nach den Terroranschlägen von Paris seit Monaten der Ausnahmezustand. Im November hatten islamistische Attentäter während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland in unmittelbarer Nähe des Stade de France in Saint-Denis Bomben gezündet. Dort findet nun das Eröffnungsspiel statt.

Vergangene Woche hatte etwa das US-Außenministerium US-Bürger zur Wachsamkeit bei Reisen nach Europa während des Turniers aufgefordert. Die Stadien, Fanmeilen und Public-Viewing-Veranstaltungen könnten zu potenziellen Zielen für Terroristen werden, heißt es in der Mitteilung, die das US-Außenministerium herausgab.

"Die große Zahl von Touristen, die in den Sommermonaten Europa besuchen, bietet Terroristen, die Angriffe auf öffentliche Plätze planen, ein größeres Ziel, besonders bei Großereignissen", heißt es. Die Warnung ist ein Sicherheitshinweis vor einer Reise nach Europa. Es wird nicht kategorisch vor Auslandsaufenthalten in Europa gewarnt.

Streiks behindern Nah- und Fernverkehr

Ein zusätzliches Problem: In Frankreich wird seit Wochen gestreikt. Der seit Monaten andauernde Streit um die Arbeitsmarktreform hat bereits jetzt beträchtliche Auswirkungen auf das tägliche Leben der Franzosen. So hat die Fluggesellschaft Air France angekündigt, zum EM-Auftakt am 10. Juni zu streiken. Mehrere Pilotengewerkschaften kündigten an, der Streik werde mindestens drei Tage dauern. Ebenfalls bestreikt wird der Fern- und Nahverkehr mit der Bahn.

Diese Streiks, fürchtet Spahn, gefährdeten die Sicherheitslage zusätzlich. "Dafür braucht man Sicherheitskräfte, die dann anderswo fehlen." Präsident François Hollande hat bisher wiederholt bekräftigt, dass er dennoch an den Reformplänen festhalten werde.