Er hat es wieder getan. Gianluigi Buffon hat sich an der Latte des Tores hochgezogen, um den Sieg seiner Squadra Azzurra zu feiern. Anders als im ersten Vorrundenmatch gegen Belgien ist er beim Jubeln über den Sieg gegen Schweden aber nicht abgestürzt und aufs Steißbein gekracht. Nein, dieses Mal reichte dem Torhüter die Kraft, über dem Balken den Daumen der rechten Hand in die Luft zu strecken.

Was macht Buffon, wenn Italien auch sein drittes Spiel in der Gruppe E gewinnt? Setzt er sich aufs Tor und baumelt mit den Beinen? Und gar bei einem Sieg im Achtelfinale gegen Spanien, das Italien bereits vor dem Spiel gegen Irland erreicht hat? Tanzt der Torwart von Juventus Turin auf der Querlatte Tarantella?

Möglich ist das – auch als Zeichen an die zahlreichen Kritiker der italienischen Auswahl vor der EM. Als Altherrengekicke sind die Auftritte Italiens in den Vorbereitungsspielen kritisiert worden. Zu betagt, zu pomadig, zu uninspiriert sei das Team, mäkelten Kommentatoren. Die Tifosi fürchteten, ihr Team könne schon in der Vorrunde ausscheiden. An Buffon, mit 38 dem Ältesten im italienischen Kader, muss diese Kritik genagt haben. Vielleicht hat er sich auch deshalb für die Siegespose an der Torlatte entschieden. Sollte wohl heißen: "Seht her. Wir sind da. Wir sind gut. Ich auch. Wer Europameister werden will, muss an mir vorbei."

Einem Reporter sagte Buffon zur Kritik an der italienischen Mannschaft: "Wir wollen auf dem Platz zeigen, dass wir die Prognose widerlegen können und eine konkurrenzfähige Mannschaft sind." In einem kurzen Turnier gewinne außerdem auch nicht immer das beste Team. Buffon, so viel ist klar, hat sich einiges vorgenommen für diese Europameisterschaft, die seine letzte werden soll. Weltmeister ist er schon, der EM-Titel fehlt ihm noch. Die Erinnerungen an das Finale der EM 2012 schmerzen Italien noch immer. Die Squadra Azzurra ging unter. 0:4 gegen Spanien. 0:4 gegen Buffon. Er hat da noch eine Rechnung offen.

Gegen Irland wird Buffon am heutigen Mittwoch aber nicht im Tor stehen. Wegen einer Grippe fehlte er Anfang der Woche im Training. Der Nationaltrainer Antonio Conte hatte aber ohnehin angekündigt, den Torwart wie zahlreiche andere Stammspieler im Spiel am heutigen Mittwoch zu schonen.