Albanien hat es geschafft. Gruppendritter! Doch nach dem überraschenden 1:0-Sieg gegen Rumänien wird es für die Elf des kleinen Landes nun ganz fies. Schlimmstenfalls erst am späten Mittwochabend nach den letzten Vorrundenspielen der Fußball-EM steht fest, ob der dritte Platz in Gruppe A reicht, um das Achtelfinale zu erreichen. Warten auf das Christkind ist nichts dagegen.

Kurz vor Ende der Gruppenphase beginnt in Frankreich das große Rechnen. Von den erstmals 24 Teams bei einer Europameisterschaft kommen nicht nur die beiden ersten der sechs Gruppen weiter, sondern auch die vier besten Gruppendritten. Für sie wird eine eigene Tabelle aufgestellt. Wer die meisten Punkte hat, ist weiter. Bei Punktgleichheit entscheidet die Tordifferenz. Ist auch die gleich, erreicht das Team das Achtelfinale, das bei der EM mehr Tore erzielt hat. Gibt es auch da keinen Unterschied, ist erst die Fair-Play-Wertung, schließlich der Uefa-Koeffizient ausschlaggebend. Kommt es so weit, kann sich Deutschland zurücklehnen, liegt es in dieser Wertung auf Rang zwei hinter Spanien – und damit vor allen möglichen Konkurrenten.

Für das DFB-Team bedeutet der EM-Modus, dass es sich bereits heute für das Achtelfinale qualifizieren könnte, ohne überhaupt selbst zu spielen. Dazu müsste am heutigen Abend England gegen die Slowakei gewinnen. Es wäre dann egal, ob Deutschland am Dienstag gegen Nordirland verliert.

England wäre mit einem Sieg im letzten Spiel Erster der Gruppe B. Zweiter würde Wales, wenn es im Parallelspiel gegen Russland nicht verliert; die Slowakei bliebe Dritter. Gewinnt Russland, könnte es sich den zweiten Platz sichern und Wales und die Slowakei auf die beiden letzten Plätze verweisen. Für Deutschland wäre es dabei unerheblich, welches der beiden Teams auf dem dritten Platz landet. Denn sowohl die Slowakei als auch Wales hätten bei Niederlagen in ihren letzten Gruppenspielen drei Punkte und damit einen weniger, als das Team von Joachim Löw schon nach zwei Gruppenspielen hat. Da Albanien als Dritter der Gruppe A drei Punkte hat, hätten schon zwei Teams weniger Punkte als Deutschland. Die Anhänger des DFB-Teams könnten daher ausnahmsweise England die Daumen drücken.

England wird nicht nur in Deutschland neue Ein-Abend-Fans haben. Denn auch Polen, Kroatien (Gruppe D) und Ungarn (Gruppe F) haben schon vier Punkte und können bei einem Sieg Englands gegen die Slowakei den Einzug ins Achtelfinale feiern – unabhängig davon, wie ihre letzten Gruppenspiele ausgehen. Die Fans von Albanien dagegen werden ihr Herz für die Slowakei entdecken, denn bei einem Sieg Englands wären sie raus.

Deutschland wird übrigens Gruppendritter, wenn es gegen Nordirland verliert und wenn Polen gegen die Ukraine gewinnt oder unentschieden spielt. Auch bei einer Niederlage Polens könnte Deutschland noch Dritter der Gruppe C werden; und zwar dann, wenn es höher verliert und eine schlechtere Tordifferenz als Polen hat. Schlechter als Gruppendritter kann es für die Löw-Elf aber nicht werden, da die Ukraine auf jeden Fall weniger als vier Punkte haben wird. 

Klar ist die Sache nur, wenn Deutschland Zweiter wird

Ganz schön kniffelig? Das ist noch gar nichts. Viel komplizierter wird es, die vier besten Gruppendritten je einem Gruppensieger zuzuordnen. Bei sechs Gruppen gibt es insgesamt 15 verschiedene Konstellation, die die Uefa in ihren Turnierregularien unter Artikel 17.03 aufgelistet hat.

Wird Deutschland Gruppensieger bedeutet das, dass es in neun der 15 Fälle gegen den Dritten der Gruppe B spielen würde (also England, Slowakei, Russland oder Wales). Nur in je drei Fällen wäre der Dritte der Gruppe A, also Albanien, oder der Gruppe F (Ungarn, Island, Portugal oder Österreich) der Gegner im Achtelfinale. Die Dritten der Gruppen C, D und E fallen als mögliche Kontrahenten aus.

Klar ist die Sache, falls Deutschland in der Vorrunde auf dem zweiten Platz landet. Dann geht es gegen den Zweiten der Gruppe A, die Schweiz.

Wird Deutschland Gruppendritter gibt es zwei Varianten. In neun Konstellationen wäre Frankreich der Gegner, der Sieger der Gruppe A. Nur eine Variante sieht ein Duell mit dem Gruppensieger B vor. Die Gruppensieger C und D kommen nicht in Betracht. Die Gewinner der Gruppen E und F spielen gegen einen Gruppenzweiten, definitiv aber nicht gegen Deutschland.

Uefa freut sich über Spannung im Wettbewerb

Sie gehören zu denen, die dem alten System – Sieger Gruppe A gegen Zweiten Gruppe B – hinterhertrauern? Die Uefa sieht das ganz anders. Die umstrittene Aufstockung der Fußball-EM auf 24 Mannschaften und der damit verbundene komplizierte Modus sind aus Sicht der Uefa ein voller Erfolg, sagte Uefa-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti. "Was die Spannung des Wettbewerbs angeht, könnte es nicht besser sein."

Kann man so sehen.

Deutsche Nationalmannschaft - Trübe Aussichten jenseits des Viertelfinales Wie oft kamen die Deutschen bisher frei zum Schuss im Strafraum? Drei Mal – in zwei Spielen. Wo hakt es? Oliver Fritsch berichtet aus Frankreich.