Es waren Bilder, von denen man schon längst gehofft hatte, man würde sie nie wieder sehen. Bilder, die an die Achtziger und Neunziger erinnerten. Jagdbilder von Hooligans, die den Block des Gegners stürmen, die teilweise vermummt und mit freiem Oberkörper auf jeden eindreschen, der nicht schnell genug fortkommt. Hooligans, die eine Massenpanik in einem vollbesetzten Fußballstadion in Kauf nehmen. Hilflose Ordner und Fans, die sich nicht anders zu helfen wissen, als sich in den Innenraum zu flüchten.

Auch außerhalb des Stadions in Marseille rund um das Spiel England gegen Russland: Breitschultrige Gestalten, die aufeinander einprügeln. Die mit Stühlen und Metallstangen aufeinander losgehen. Fliegende Flaschen, blutige Gesichter. Viel Tränengas und Chaos, was alles Erinnerungen weckt an früher, an Zeiten, in denen Polizisten ins Koma geprügelt wurden. Während sich, und das ist besonders perfide, Europa Sorgen um einen islamistischen Terroranschlag macht, verbreiten Hooligans auf ihre Weise Angst und Schrecken. Ein englischer Fan musste wiederbelebt werden, er schwebt in Lebensgefahr.

Fußball-EM - Hooligan-Krawalle in Marseille Vor der EM-Partie zwischen England und Russland kam es in Marseille zu gewalttätigen Ausschreitungen von Hooligans. Die Polizei setzte Tränengas gegen englische, französische und russische Randalierer ein.

In den vergangenen Jahren hatte sich eigentlich ein anderes Bild des Fußballfans durchgesetzt. Mit bunt bemalten Gesichtern, mit Klatschpappen, viele Frauen und Kinder, der fröhlich feiernde Eventfan. Gerade bei den Großveranstaltungen, bei denen alles fast aseptisch durchkommerzialisiert ist, dominierte der Typus des unbeschwerten Gelegenheitsfans. Dass diese brutalen Bilder, die in kaum größeren Kontrast zu den Hawaiiketten stehen könnten, also ausgerechnet bei einer Fußball-EM wieder auftauchen zeigt: Die Fußballschläger waren nie weg.

Sie hatten nur kaum noch Gelegenheit sich auf so großer Bühne zu zeigen. Während der beiden vergangenen großen Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien blieb es weitgehend ruhig, was vor allem daran lag, dass Reisen dorthin für die gefürchteten europäischen Hooligans zu weit und kostspielig waren. Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine gab es nur hier und da Probleme.

Aber Hooligans sind immer noch da. Der Fußball hat noch immer ein Problem, auch in Deutschland übrigens. Hools, die in den Achtzigern aktiv waren, kehren in die Stadien zurück und geben sich offen rechts. Einige gründeten die Gruppe HoGeSa, Hooligans gegen Salafisten, die sich im Oktober 2014 in Köln Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Auch im Pegida-Umfeld gibt es viele Hools. Von der Bundesliga bis hinab in tiefere Spielklassen verdrängen meist rechte Hooligans linke Ultragruppierungen aus den Stadien. Oft mit Gewalt. Die Vereine schwanken zwischen Untätigkeit und Hilflosigkeit. Selbst Borussia Dortmund, eine der größten Marken des deutschen Fußballs, bekommt sein Problem mit rechten Hooligans trotz Anstrengungen nicht vollends in den Griff.