Wie ging es aus?

Nordirland – Deutschland 0:1 (0:1)
Tor: 0:1 Mario Gomez (30).

Wie lief das Spiel?

Es war das bislang beste Spiel der deutschen Mannschaft bei dieser EM. Das war auch keine Kunst. Nach den bedrückenden Auftritten gegen die Ukraine und Polen hat die Truppe von Joachim Löw die Bleiwesten in der Kabine gelassen und wieder gezeigt: Hey, Fußball kann auch Spaß machen, kann leicht und beschwingt sein. Bester Indikator: Der stets federnde Mesut Özil wurde Spieler des Spiels.

Ginge es nach der ARD, war es gar ein Spiel für die Ewigkeit. "Fußball nahe an der Perfektion" hat Mehmet Scholl gesehen. Er und seine Kollegen Matthias Opdenhövel und Gerhard Delling waren nach dem Schlusspfiff so dermaßen öffentlich-rechtlich-euphorisiert, dass sie in den Interviews nach dem Spiel von Spielern und Trainer gebremst werden mussten. Man kann sich gut vorstellen, wie die Sportjournalisten sich noch in 30 Jahren an irgendeiner Hotelbar zuraunen werden: "Wisst ihr noch, 2016, das Vorrundenspiel gegen Nordirland? Ich habe immer noch Gänsehaut." 

War es wirklich so gut?

Nein, abgesehen davon, dass Perfektion im Fußball wie im restlichen Leben quasi nicht existent ist, ist es für die deutsche Elf noch ein langer Weg zu etwas, was Perfektion auch nur nahe kommt. Dieser Weg wird auch kein leichter sein, weil Xavier Naidoo nicht mehr in der deutschen Kabine aufgelegt wird, was wir zumindest hoffen, sein Europameister wäre ja die Bundesrepublik Deutschland GmbH. Die gute Leistung des deutschen Teams wurde natürlich auch vom Gegner aus Nordirland begünstigt, der zwar tapfer verteidigte, aber zu keiner Sekunde des Spiels den Eindruck machte, seinem Gegner in irgendeiner Form gewachsen zu sein. Die Nordiren sind auf den Rängen ein klarer Favorit auf den EM-Titel, auf dem Platz gehören sie zu den limitierteren Mannschaften dieses Turniers.


Was war gut, was nicht so?

Gut: Die Debatte, warum die deutsche Mannschaft sich so wenige Möglichkeiten erarbeitet hat, ist nach 17 Großchancen erst einmal abgeheftet. Schlecht: Eigentlich müsste man nun über die Chancenverwertung reden. Das Spiel der Deutschen war eben nicht nur leicht, sondern auch leichtsinnig. Fragen Sie nach bei Mario Götze. Nun könnte man sagen, dass es niemanden interessiert, ob das Spiel am Ende 1:0 oder 4:0 ausgeht. Stimmt aber nicht. Wegen des grotesken EM-Modus wären nach einem 4:0 der Deutschen unsere neuen Lieblinge aus Albanien im Ranking der Tabellendritten an Nordirland vorbeigezogen. Das wäre viel besser gewesen, die Nordiren haben sowieso keine Stimme mehr.

Was war mit Thomas Müller?

Er stand symbolisch für die deutsche Mannschaft an diesem Tag. Vor dem Spiel das Sorgenkind der Nation, weil er auf dem Platz zu verschwinden drohte, war er gegen die Nordiren wieder da. Er stakste mit seinen dünnen Beinchen – bei denen man sich immer wundert, dass überhaupt Kniestrümpfe an ihnen hängen bleiben können –  über den Platz und tauchte mal hier, mal da auf. Er hatte Spaß an seinem Job, nur erfüllte er ihn unzureichend. Er traf einfach das Tor nicht. Wie ein Briefträger, der die Post nicht in den Briefkasten, sondern auf den Bürgersteig wirft. Allein in der ersten Hälfte hätte Müller sich an die Spitze der Torjägerliste setzen können, sagte er sogar selbst, obwohl er vorher bei null Treffern stand. Seine Bilanz unter anderem: einmal Latte, einmal Pfosten, einmal der Unterleib des Torwarts. Allerdings hatte er dann doch noch eine Szene. Diese eine Szene. Er legte Mario Gomez das 1:0 auf.