Nordirland – Deutschland: Noch mehr Chancen, genauso wenig Tore

Deutschland besiegt Nordirland, lässt dabei aber viele Chancen aus. Die neuen Gómez und Kimmich: gut. Özil: stark! Die nordirischen Fans: überragend! Das Blog zum Spiel
Sie versuchten, wie Joshua Kimmisch hier, gegen Nordirland sehr viel mehr als in den Spielen zuvor, es blieb aber bei nur einem Tor. © Getty Images / Paul Gilham
  • Deutschland – Nordirland, 1:0 durch Mario Gómez in der 29. Minute.
  • Die DFB-Elf zieht als Gruppenerster ins Achtelfinale ein.
  • Wenn Sie eher auf dröge Zahlen stehen, hier geht es zu unserem Live-Ticker.
  • Und wenn Sie am Ende dieser etwas spannungsarmen Vorrunde noch immer nicht wissen, welches Team Sie gut finden sollen, haben wir eine Entscheidungshilfe für Sie.

  • 20:50 Uhr
    Tobias Potratz

    Fazit: Die gute Nachricht zuerst. Das viel diskutierte Problem mit den fehlenden Chancen ist geklärt. Götze, Özil, Gomez und vor allem Müller erhielten den Ball kontinuierlich in exquisiten Positionen. Es offenbarte sich jedoch sofort das nächste Problem. Auch, wenn das jetzt Futter für das Phrasenschwein ist: Wenn Gelegenheiten da sind, sollten diese auch genutzt werden. Als das in den Löwschen Trainingseinheiten thematisiert wurde, hat die Offensiv-Abteilung der Deutschen scheinbar geschwänzt.

    Am Ende steht nur ein Stocher-Tor und ein 1:0-Sieg. Gómez halt.
    Zur Wahrheit gehören auch die drei Klassen Unterschied zum Gegner: Manuel Neuer brauchte auf der anderen Seite aus seinem Camping-Stuhl nie aufstehen, da Nordirland über 90 Minuten nicht gefährlich wurde. Es überzeugten vor allem die nordirischen Fans. Gänsehaut pur. Nicht nur Will Grigg wurde besungen, sondern die gesamte Mannschaft, George Best und alles andere, was mit Nordirland zusammenhängt. Selbst eine halbe Stunde nach dem Abpfiff feierten die Nordiren immer noch, als hätten sie schon das EM-Finale gewonnen. Mindestens. Und: Trotz der Niederlage brauchen wir unsere nordirische Fahne auf dem Redaktionstisch noch nicht zusammenfalten, denn ein Weiterkommen ist aufgrund des Bläh-Modus bei diesem Turnier immer noch möglich.

    Zur deutschen Nationalmannschaft: Die sind schon sicher weiter. Nach der Vorrunde steht für den DFB ein Gruppensieg mit sieben Punkten und ohne Gegentor. Klingt erst mal gut, ist es aber nur bedingt. Gegen die Ukraine mit etwas Glück zum Sieg gequält, gegen Polen erlebte Schlaaand ein Festival der Langeweile. Und nun dieses Spiel, was zu einem Friedhof an Großchancen mutierte. In der K.-o.-Runde kann es passieren, dass die Gegner für Müller, Götze und Co. wieder weniger Räume und damit auch weniger Chancen zulassen.


    Der Gegner für das Achtelfinale wird erst feststehen, wenn alle Vorrundenspiele gespielt sind. Sicher ist nur, dass es ein Gruppendritter sein wird. Ein Platz, auf dem sich im Augenblick in Gruppe F zum Beispiel Portugal befindet. Auch der noch gut in Erinnerung gebliebene Wasserball-Partner aus der Slowakei könnte die erste Hürde in der K.-o.-Runde sein.

    Bei uns lesen Sie später noch eine Kurzanalyse zum Gruppenfinale, die Reportage von Oli Fritsch aus Paris gibt es dann morgen. Bloggen werden wir dann am Sonntag wieder. Bis dahin: Salut!

  • 20:11 Uhr
    Monika Pilath

    Der Bundestrainer gibt sich nach dem Einzug ins Achtelfinale selbstkritisch. Die "Schangsenauswertung" sei nicht gut gewesen, sagt Jogi Löw zum Spiel gegen Nordirland. Hätte in der ersten Hälfte "drei, vier zu null" stehen können. Joa, stimmt. Aber im Vergleich zu England ... die haben gestern gegen die Slowakei aus gefühlten 50 Möglichkeiten null Tore gemacht.

  • 20:01 Uhr
    Monika Pilath

    Also, unsere Tipps haben alle nicht gestimmt. Fabian und ich haben mit unserem prognostizierten 1:1 voll daneben gelangt. Dagegen hat Tobias mit seinem 2:0-Tipp zumindest in der Tendenz richtig gelegen. Ist halt unser Super-Hospitant.

  • 19:57 Uhr
    Fabian Scheler

    Aus! Deutschland einsnullt sich zum Gruppensieg. "Wenn man das zweite Tor nicht macht, dann behält man den Ball eben", analysiert die ARD. Daran ist erst mal nichts Falsches zu finden. Wer aber aus 5.895 Torchancen nur ein Tor gegen mittelmäßig begabte Nordiren macht: Nun ja. 3:0-Tore, keine Niederlage in der Gruppenphase, jetzt kommt das Achtelfinale gegen einen der Gruppendritten.

  • 19:51 Uhr
    Tobias Potratz

    93. Minute: Der nordirische Coach Michael O'Neill tut das, was in diesen Tagen nicht selbstverständlich und sogar teilweise verpönt ist. Er reicht Jogi Löw die Hand. Das Spiel ist aus.

  • 19:50 Uhr
    Fabian Scheler

    91. Minute: 17 Torchancen, das werden auch die Spanier und Franzosen wahrgenommen haben, sagt ARD-Bartels jetzt kurz vor Schluss. Dumm von mir, dass ich bisher dachte, deren Resultate (2:0 und 3:0) wären beeindruckender als ein erneutes Einsnull. Aber gut, Bartels hat Sonderinfos. Hat aus Versehen die Packing-Punkte auf seiner Respektskala mitgezählt.

  • 19:48 Uhr
    Tobias Potratz

    90. Minute: Özil mit rechts via Dropkick. Sein Ball trifft fast das aufgepustete Krokodil in der nordirischen Fankurve. Es bahnt sich ein Endergebnis an.

  • 19:42 Uhr
    Fabian Scheler

    85. Minute: Jammie heißt das übrigens dann im nordirischen Slang, wenn man mal Glück hatte. Klingt nicey.

  • 19:39 Uhr
    Fabian Scheler

    81. Minute: Gómez blutet am Arm, als käme er direkt vom Game of Thrones-Set, köpft, aber McGovern, der stumme Beschützer des nordirischen Tors, holds the door.

  • 19:37 Uhr
    Tobias Potratz

    78. Minute: Nordirland hängt durch. Selbst aus dem grünen aufgeblasenen Krokodil in der nordirischen Fankurve ist langsam etwas die Luft raus.

  • 19:31 Uhr
    Monika Pilath

    75. Minute: Nordirlands Torhüter Michael McGovern guckt so sorgenvoll. Warum eigentlich? Seine Vorderleute werden stärker, rücken häufiger über die Mittellinie. Das klappt aber nur, weil die DFB-Elf ihr Spieltempo gedrosselt hat. Ein bisschen früh. Denn Polen führt auch mit 1:0. Fabian, das mit der Fairplay-Wertung und dem Uefa-Koeffizienten ist echt kompliziert. Merken musst du dir nur: Deutschland ist bei beidem besser.

  • 19:29 Uhr
    Fabian Scheler

    73. Minute: Falls Polen jetzt trifft, entscheidet der Uefa-Koeffizient und die Fair-Play-Wertung über den Gruppensieg, lerne ich hier gerade. Was noch? Das gewürfelte Ergebnis aus der Kniffel-Partie Blatter vs. Platini?

  • 19:27 Uhr
    Fabian Scheler

    70. Minute: Das Bild vom George-Best-Gesang wird offenbar nicht richtig angezeigt. George Best ist einfach zu groß für unser Blog.

  • 19:25 Uhr
    Tobias Potratz

    66. Minute: Jubel bei Dr. Müller-Wohlfahrt und den Ratiopharm-Zwillingen. Bastian Schweinsteiger wird eingewechselt.

  • 19:17 Uhr
    Tobias Potratz

    60. Minute: Wo wir gerade die George-Best-Festspiele ausgerufen haben. Mein Lieblingszitat von ihm: "Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben ... den Rest habe ich einfach verprasst." Hups, der Spruch steht ja tätowiert auf meiner Wade.

  • 19:15 Uhr
    Fabian Scheler

    59. Minute: Monika, ich hab was für dich:

    Der 11-Freunde-Kollege Ron Ulrich, dessen Hobby es ist, britische Fanlieder auswendig zu lernen, reist gerade durch Frankreich und hat bei den Nordiren diese Flagge mit dem Gesang zu Ehren des großen George Best entdeckt.

  • 19:13 Uhr
    Monika Pilath

    58. Minute: Täusche ich mich, oder werden die Nordiren gerade stärker?

  • 19:12 Uhr
    Fabian Scheler

    57. Minute: Götze: Schießt einmal aus vier Metern den Keeper an und grätscht nur Sekunden später den Ball neben das Tor. "Er steigert sich", lobt ihn ARD-Bartels. Wohin? Zu Messi?

  • 19:12 Uhr
    Monika Pilath

    56. Minute: Einen Nordiren vermisse ich ja: George Best. Nicht nur, dass er seine Gegner schwindelig dribbelte, er sah auch noch richtig gut aus. Habe ich mir jedenfalls von meiner Mutter erzählen lassen. Bests bestes Jahr war 1968. Damals holte er mit Manchester United den Europapokal der Landesmeister (heißt heute Champions League) und wurde Europas Fußballer des Jahres. 2005 starb er alkoholkrank im Alter von 59 Jahren. Ralf Sotschek hat mal ein schönes Porträt über Best geschrieben.

  • 19:09 Uhr
    Tobias Potratz

    53. Minute: Wenn ich mir die nordirischen Ränge angucke, dann brauchen wir doch Feuerlöscher. Viiiiiiiiele Feuerlöscher. Währenddessen qualmt und glüht Will Grigg auf der Bank.

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Vorbemerkungen:

Guten Nachmittag oder auch What about ye, wie der heutige Gegner des DFB gerne seinem Gegenüber zur Begrüßung hinklatscht. Wir laden Sie ein zum Gruppenfinale Deutschland gegen "Norn Iron".

Vor diesem Spiel werden Fragen von vermeintlich simpler Dimension abgehandelt. Welcher der Marios heute spielt, zum Beispiel. Die Kollegen der Bild, mit gewöhnlich gutem Draht zu Maulwürfen und auch das Sprachrohr von einigen Millionen Bundestrainern, wusste schon heute Morgen beim Bäcker: Es wird der Gómez Mario. Der Kicker wiederum fragt: Warum nicht Leroy Sané oder Joshua Kimmich? Und unser Mann in Frankreich, Oli Fritsch, ahnte, dass Gómez spielen wird, Götze aber ebenfalls, dafür Linksaußen Julian Draxler weichen muss. Mittlerweile wissen wir: Gómez rein, Kimmich rein, Höwedes raus, Draxler raus.

Eine weitere, vermeintlich einfache Frage lautet: Wie geht es weiter? Vordergründig also die Klärung des Tabellenplatzes: eins, zwei oder drei. Dahinter eröffnet sich aber ein Zirkel komplexer Mathematik. Die möglichen Achtelfinal-Gegner des DFB heißen Albanien, Slowakei, Island, Ungarn, Österreich, Portugal, Schweiz, Frankreich oder Wales. Es ist furchtbar kompliziert.

Gewinnt Deutschland, treffen sie am Samstag auf einen der Gruppendritten. Bei einem Unentschieden entscheidet das Ergebnis der punktgleichen Polen über den deutschen Platz. Gewinnt Nordirland, ziehen sie auf jeden Fall am DFB vorbei. Dann muss Deutschland hoffen. Endlich darf ich das auch mal schreiben.

Ich will ehrlich sein: Mehr Sympathien habe ich heute für die nordirischen Anhänger. Dass ihr Team einen Spieler hat, der Will Grigg heißt, und auf den seit Wochen eine schwer zu vergessende Hymne gesungen wird, dürften Sie mitbekommen haben. Doch die Nordiren kennen mehr als nur einen Hit.

Haben Sie die Melodie von You are my sunshine von Johnny Cash in den Ohren? Ja? Dann denken sie sich dazu diesen Text: You are my Davis, My Steven Davis, You make me happy! When skys are gray! So fuck your Lampard! And Steven Gerrard! But Please don't take my Davis away!

Eine Hymne an ihren Kapitän Stevie Davis, der sich in der EM-Qualifikation beim 3:1 gegen Griechenland mit zwei Toren zu seinem Lied schoss. Hier schon mal die Melodie für später. Falls Sie sich eher der Literatur widmen, schlägt Ihnen unsere Kultur-Redaktion den nordirischen Krimi Gun Street Girl von Adrian McKinty vor. Und falls Sie zur Einstimmung noch etwas über Thomas Müller oder Jérôme Boateng lesen wollen: Der Kollege Fritsch hat da was für Sie. Gießen Sie also noch einen Tee auf, wir sind dann zum Anpfiff wieder da. See ya, big lad.

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