Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will keine russischen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro starten lassen. Eine entsprechende Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF werde "vollständig respektiert", teilte das IOC mit. Die IAAF hatte am Freitag die seit November 2015 wirksame Sperre wegen systematischen Dopings bestätigt und entschieden, dass kein Sportler unter russischer Flagge in Rio teilnehmen dürfe.

Das IOC lobte die IAAF für ihre "konsequente Haltung" und hob hervor, dass die Zulassung von Athleten bei Olympischen Spielen in der Hoheit der Weltverbände, in diesem Fall bei der IAAF liege. Der IOC-Chef Thomas Bach hatte Russland jedoch Hoffnung gemacht, das IOC könne deren Entscheidung womöglich überstimmen. Das IOC will das Thema bei einem Treffen am Dienstag in Lausanne erörtern. Neben der kompletten Suspendierung aller russischen Leichtathleten wird dort eventuell auch ein Schlupfloch für nachweislich ungedopte Sportler diskutiert.

IAAF-Präsident Sebastian Coe hatte gesagt, einige russische Athleten könnten als "neutrale Wettkämpfer" in Rio starten, wenn sie sich zuvor Doping-Tests in anderen Ländern unterzogen hätten. Dies dürften aber maximal fünf Sportler sein. Russland war 2012 bei den Olympischen Spielen in London hinter den USA das zweiterfolgreichste Land in den Leichtathletik-Wettbewerben gewesen. Zuletzt hatte Russland bzw. die damalige Sowjetunion 1984 in Los Angeles gefehlt, als mehrere osteuropäische Staaten die Olympischen Spiele aus politischen Gründen boykottierten.

Doping-Verdacht gegen gesamte russische Mannschaft

Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), will auch in anderen Sportarten und weiteren Ländern eine "neue Front" eröffnen: "Das kann nur der Anfang und darf nicht der Endpunkt für einen weltweiten Kampf gegen Doping sein." Russland habe in dieser Hinsicht nicht nur ein Problem mit der Leichtathletik, sondern mit der gesamten Sportorganisation des Landes, kritisierte Prokop. Es müsse über den Ausschluss der gesamten russischen Mannschaft bei internationalen Wettkämpfen nachgedacht werden. DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen sagte: "Mir fehlt der Glaube, dass sich ein systemisches Doping in Russland ausschließlich auf die Leichtathletik beschränkt."

Russland will mit juristischen Mitteln gegen den Ausschluss seiner Leichtathleten von Olympia vorgehen, wie ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin ankündigte. Die zweifache Stabhochsprung-Olympiasiegerin Jelena Issinbajewa plant, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu ziehen. Der russische Leichtathletik-Verband prüft eine Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. Es gibt allerdings schon einen Präzedenzfall, der ein negatives Omen für Russland ist: Bulgariens Gewichtheber hatten gegen ihren Olympia-Ausschluss für Rio durch den Weltverband IWF Berufung beim CAS eingelegt – vergeblich.