24 Mannschaften treten bei der Fußballeuropameisterschaft an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE, DIE ZEIT oder dem ZEITmagazin die Patenschaft übernommen. Unsere EM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier:

Portugal

Hoffentlich knickt Ronaldo um. Wenn ich, als absoluter Fußballnixwisser und Pate für Portugal, meinen Schützlingen eins wünsche, dann, dass ihr Torschützenkönig und Kapitän Cristiano Ronaldo von zu Hause aus seinem Team beim Gewinnen zuschaut.

Ich wünsche ihnen das, weil ich in meiner Jugend meinen eigenen Ronaldo hatte. Er war mein bester Freund. Mit ihm spielte ich in einem kleinen Verein Badminton und er war deutlich besser als ich. Während er mich laufen ließ, konnte ich ihm nur lasch die nächste Vorlage liefern. Aber wenn er mal nicht da war, veränderte sich mein Spiel. Ich traf mit Schmackes, lupfte gefühlvoll knapp übers Netz und schmetterte den Ball gezielt auf die Außenlinie. In seiner Anwesenheit wusste ich: Er war der Bessere, ich hatte mich unterzuordnen. Und so geht es den Portugiesen mit ihrem Torjäger Ronaldo.

Zugegeben, Ronaldo hat die Mannschaft mit fünf Toren in der Qualifikation quasi allein in das Turnier gekickt. Aber Ronaldo dominiert so sehr, dass man meinen könnte, außer ihm stünden nur überdurchschnittlich bezahlte Handtuchhalter auf dem Platz, die ihm auf Zuruf den Ball zuspielen. Auch zugegeben: Ich habe keine Ahnung, wovon ich spreche. Als ich klein war, und mich Erwachsene fragten, was mein Lieblingsfußballteam sei, sagte ich immer: "Deutschland. Die haben die schönsten Trikots!"

Das Trikot der Portugiesen ist rot, schlicht, langweilig. Aber wer steckt drin? Von Pressefotos und Titelseiten blickt immer nur derselbe: Ronaldo.

Deshalb habe ich die Portugiesen ausgewählt, als es um die Wahl der Patenschaft ging. Weil ich mir vorstellen kann, wie die Mannschaft sich fühlt: Erdrückt von diesem Superstar, ihrem besten Freund und größten Feind. Und weil ich mich mit Niederlagen auskenne. Ich habe, genau wie die Portugiesen, noch nie den EM-Pokal gewonnen. In meiner kurzen Karriere als Fußballer, es war um die Grundschulzeit herum, ärgerte ich mich, dass ich nie den Ball bekam. Inzwischen weiß ich, dass mit so einer Haltung kein Spiel gewonnen wird.

Aber Ronaldo würde am liebsten alles allein machen. Er will der Beste, Schnellste, Torreichste sein. Der mit dem definiertesten Oberkörper, den teuersten Autos und den schönsten Frauen im Arm. Es steckt viel von einem Sechsjährigen in Ronaldo.

Wer keine Ahnung hat, sollte einfach mal die Klappe halten, meinen Sie? Zur WM 2010 hat auch die ganze Welt auf einen Oktopus geschaut, der die Siege und Niederlagen der WM-Spiele vorhersagen konnte. Als Patenoktopus für Portugal sage ich: Ohne Ronaldo haben die Portugiesen eine echte Chance auf den Titel.

Warum wird dieses Team Europameister?

Weil Portugal es in den vergangenen Jahren schwer genug hatte. Durch die schlechte wirtschaftliche Lage wurde ein Unternehmen berühmt, das als einziges international noch Erfolg hatte: Es stellt Toilettenpapier her.

Warum vielleicht doch nicht?

Wenn die Portugiesen nicht auf ihren persönlichen Oktopus hören.

Auf wen sollte man achten?

Auf Ronaldos Freistöße. Viel Lärm um nichts.