Am Dienstagabend haben endlich auch die letzten beiden Mannschaften den Arenarasen der Europameisterschaft betreten. Ein Zusammentreffen, das im Vorhinein immer ein wenig belächelt, im besten Falle mit freundlichem Mitleid bedacht wurde. Man muss keine biblischen Vergleiche bemühen, um zu wissen, dass sich im Stade Geoffroy-Guichard in Saint Étienne zwei der ungleichsten Mannschaften des Turniers gegenüberstanden: Portugal mit dem Weltfußballer, Trickspieler und der kolossalen Gallionsfigur Cristiano Ronaldo an der Spitze und auf der anderen Seite einer der vier Debütanten des Turniers, die sogenannten Fußballzwerge Islands.

Diese Bezeichnung kann man als Isländer natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Das heißt dort nämlich nicht Zwerg, sondern Gnom. Oder Troll. Ein ebensolcher hatte seit Beginn der WM offenbar auch Twitter getrollt, denn immer wenn dort das Hashtag #EM2016 eingegeben wurde, erschien automatisch die isländische Flagge dahinter. Seit Dienstag ist diese Prophezeiung leider nicht mehr verfügbar. Dafür gibt es das hübsche Hashtag #PORISL, was in etwa so hübsch klingt, als gäbe es neben den Trottellummen und Basstölpeln eine weitere bezaubernde Vogelart auf Island.

Der mienenlose Torwart Hannes Thor Halldórsson

Es fing nicht schlecht an, dieses Spiel. Beide Mannschaften spielten offensiv und überraschend: die Isländer erstaunlich unzwergenhaft, die Portugiesen außergewöhnlich unronaldohaft, sodass auch andere portugiesische Spieler Platz auf dem Platz hatten. Die Isländer erspielten sich gleich zu Beginn eine Torchance, aber Gylfi Sigurðsson scheiterte zwei Mal am portugiesischen Keeper Rui Patricio, was man dem Stürmer kaum verübeln kann, denn die Torwarttrikotarme schienen von gelbem Absperrband umwickelt zu sein, was laut der Arbeitsstättenrichtlinie A1.3 als Hinweis für Hindernisse und Gefahrenstellen gilt.

Die Portugiesen wollten und mussten diesem Übermut natürlich etwas entgegenhalten, und beim vierten ernsthaften Anlauf auf das isländische Tor gelang Nani in der 30. Minute dann auch das erste Tor. Damit muss man als Wikinger, der nicht nur zum Spaß, sondern auch mit Siegeswillen zu dem Turnier gekommen ist, natürlich erst mal umgehen lernen.

Leider fand die Verarbeitung dessen in Form eines Dauerverteidigungsmanövers fast hauptsächlich in der isländischen Hälfte statt, wo die Portugiesen immer wieder an dem erstaunlich mienenlosen Torwart Hannes Thor Halldórsson scheiterten. Was nicht minder lähmend war. Man könnte auch sagen: Der Rest der ersten Halbzeit PORISLte sehr leidlich vor sich hin. Hätte Ronaldo nicht nach jedem vergeblichen Schuss auf das isländische Tor sein überhebliches Grinsen aufgelegt, wäre man in der Wiederholung des Immergleichen glatt in eine Meditationsstarre verfallen.