Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada erhebt erneut Vorwürfe gegen Russland. Zwischen Mitte Februar und Mai hätten 736 geplante Dopingkontrollen nicht durchgeführt werden können, heißt es in einem Bericht der Agentur. Demnach seien die Kontrolleure von russischen Athleten massiv behindert und vom russischen Geheimdienst eingeschüchtert worden.

Auch der russische Zoll soll die Kontrollen gestört haben. Pakete mit Dopingproben seien von Mitarbeitern der Behörde manipuliert worden. Außerdem hätten Athleten falsche Angaben über ihren Aufenthaltsort gemacht und versucht, Dopingtests bei Wettbewerben zu umgehen.

Einige Sportler hätten als Aufenthaltsort oft militärische Einrichtungen angegeben, zu denen man aber nur mit einer Sondergenehmigung Zutritt erhält. Eine Leichtathletin habe versucht, eine gefälschte Urinprobe abzugeben – mithilfe eines "im Körper eingeführten Behälters". Als sie mit dem versteckten Urinbeutel erwischt wurde, soll sie versucht haben, den Kontrolleur zu bestechen. Die daraufhin korrekt durchgeführte Kontrolle sei positiv ausgefallen. Auch habe die Wada Informationen darüber erhalten, dass bei einer nationalen russischen Ringer-Meisterschaft Athleten ein "Labor mit Zentrifugen und anderen Analysegeräten" verwendet hätten.

Deutsche Athleten für Olympia-Ausschluss

Russland steht unter Druck wegen des Verdachts des mutmaßlichen Staatsdopings. Seit dem 13. November ist der Verband gesperrt. Neben Wada ermitteln derzeit auch die US-Justiz sowie das Internationale Olympische Komitee (IOC), um den Vorwürfen nachzugehen. Anlass sind die bevorstehenden Olympischen Sommerspiele in Rio de Jainero in wenigen Wochen. Russland droht der Ausschluss von den Spielen. Am Freitag entscheiden die 27 Council-Mitglieder des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in Wien über die Suspendierung des russischen Verbandes.

Deutsche Athleten haben sich bereits vorab für eine Sperrung ausgesprochen. "Ich bin für einen Ausschluss", sagte Martina Strutz, Athletensprecherin des deutschen Verbandes DLV. "Irgendwann muss eine Entscheidung getroffen werden. Die Beweise sind erdrückend und erschrecken." Auch DLV-Präsident Clemens Prokop ist für den Bann als Zeichen der Glaubwürdigkeit: "Wenn die Maxime weiter so wäre, würde der Sport an sich und die Olympischen Spiele ihren Sinn verlieren."