Wie ging es aus?

Deutschland – Italien 7:6 n. E.

Tore: 1:0 Özil (65.), 1:1 Bonucci (78./Handelfmeter)

Elfmeterschießen:

0:1 Insigne, 1:1 Kroos, Zaza drüber, Müller gehalten, 1:2 Barzagli, Özil Pfosten, Pellè daneben, 2:2 Draxler, Bonucci gehalten, Schweinsteiger drüber, 2:3 Giaccherini, 3:3 Hummels, 3:4 Parolo, 4:4 Kimmich, 4:5 De Sciglio, 5:5 Boateng, Darmian gehalten, 6:5 Hector

Wie war das Spiel?

Spannend. Kein Jahrhundertspiel, nicht hochklassig, kein wildes Hin und Her, aber spannend. So spannend, dass dieses Spiel gut und gerne von der Kardiologeninnung präsentiert hätte werden können, was vor allem am Elfmeterschießen lag. Schon gewöhnliche Elfmeterschießen führen ja zu fußballerischem Kammerflimmern, aber dieses setzte noch einen drauf: Nulllinie, fast. Es ging nämlich in die Verlängerung des Elfmeterschießens. Kurz dachten wir, alle würden solange schießen bis es wieder hell wird in Bordeaux und dann hätte ein Münzwurf entscheiden müssen. Oder Steinscherepapier. Oder Tiptop. Ohne halbe Füße, natürlich.

Was war denn los?

Eigentlich soll nach zehn Elfern Schluss sein, die beiden Mannschaften brauchten aber zusammen 18 Schützen. Und dann wogte das Schicksal noch hin und her wie die Wellen an der Adria. Erst sahen die Deutschen wie die Verlierer aus, weil Müller und Özil verschossen, dann die Italiener, von denen sich Zaza um den zweiten Platz im Wettbewerb zum am schlechtesten geschossenen Elfers der EM-Geschichte bewarb (Platz eins ist für immer an Uli Hoeneß vergeben). Weil es dann aber Schweinsteiger bei seinem potenziell entscheidenden Elfer auch nicht viel besser machte, ging es immer weiter. Bis irgendwann Darmian verschoss und Jonas Hector für die Entscheidung sorgte, indem er den nicht mehr ganz so beweglichen Gigi Buffon durch die Hosenträger schoss. Darauf stehen eigentlich zehn Jahre wegen Majestätsbeleidigung, aber Hector rannte schnell davon. Jubelnd.

Wer bitte ist Jonas Hector?

Für alle, die nicht so oft dabei sind: Jonas Hector spielt bei einem Club namens 1. FC Köln. Den Verein muss man nicht kennen, in der Bundesliga spielt er eigentlich meistens 0:0, aber das tut hier nichts zur Sache. Jonas Hector ist keiner der schillernden Stars, sein Konterfei klebt nicht an Hauswänden, er hat noch nicht einmal einen Twitter-Account, aber seine Sache macht er dennoch ganz gut. Dazu bereitete er noch das einzige Tor der Deutschen vor, auch wenn bei seinem Pass auf Özil etwas Glück dabei war, der Ball war abgefälscht. Und dann machte er eben den entscheidenden Elfer rein. Nach dem Spiel stand er herrlich entwaffnend vor den TV-Kameras und entlarvte das Prinzip des Field-Interviews, indem er sagte, dass er eigentlich gar nicht wisse, was er sagen solle.

Wie lief das Spiel vor dem Elfmeterschießen?

Joachim Löw sorgte bei einigen Experten für Stirnrunzeln. Vor dem Spiel, bei einigen wie Mehmet Scholl ("Experte", na ja) auch noch danach. Löw hatte nämlich für Italien seine Mannschaft extra umgestellt. Er hatte sich mal wieder nach dem Gegner gerichtet, das wurde ihm vorgeworfen, wie 2012, da sei das ja schon einmal schiefgegangen, ebenfalls gegen Italien. Eine Mannschaft, die so gut wie Deutschland ist, so die Argumentation, soll sich nicht nach dem Gegner richten, sondern der gefälligst nach uns. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Aber ging sein Plan auf?

Zum Glück ist es im Fußball recht einfach, zwischen Quark und stark zu unterscheiden: Wer gewinnt, hat recht. Ja, Löws Plan ging auf. Er spielte mit einer Dreierkette, eine etwas vorsichtigere Variante. Die Deutschen bestimmten das Spiel, kickten aber weit weniger risikoreich, als man es von ihnen gewohnt ist. Dafür aber ließen sie den Italienern, die in der Offensive auch eher piano unterwegs waren, kaum eine Chance. Manuel Neuer im Tor konnte in Ruhe den nächsten Rimini-Urlaub planen. Deutschland hoffte, dass die alten Herren aus Italien früh müde werden. Leider wurde dann früh Bastian Schweinsteiger eingewechselt, weil sich Sami Khedira verletzte, was den beabsichtigten Effekt etwas zunichte machte. Die Italiener erkannten, dass sie nach vorne gegen diese disziplinierten Gegner nichts zustande bringen würden und beschränkten sich auf das, was sie können: verteidigen. Das machten sie im Großen und Ganzen auch ganz gut. Aber eben nur fast.