Deutschland - Italien: Island kann kommen

Was für ein Drama! Deutschland will nicht aber muss ins Elfmeterschießen. Dort muss es Jonas Hector richten. Deutschland steht im Halbfinale. Das Spiel im Liveblog
Die deutschen Spieler nach dem Elfmeterschießen © Reuters
  • Der Angstgegner war einmal, Deutschland gewinnt 7:6 nach Elfmeterschießen
  • Alle Chancen, Zahlen und Daten gibt es im seriöseren Live-Ticker
  • Grazie!

  • 00:41 Uhr
    Eike Kühl

    Fazit: Das hatte sich Jonas Hector vermutlich anders vorgestellt. Ein munteres EM-Viertelfinale gegen Italien spielen. Vielleicht in die Verlängerung gehen und ja, gut, Elfmeterschießen wenn es denn unbedingt sein muss. Wird schon schiefgehen, gibt ja schließlich genug gute Schützen im Team und am Ende gewinnen ohnehin immer die... Sie wissen schon. 

    Doch dann war es kurz vor Mitternacht in Bordeaux. Mesut Özil hatte zuvor an den Pfosten geschossen, Bastian Schweinsteiger zeigte, dass er Elfmeter ähnlich gut über das Gebälk bolzen kann wie Lionel Messi, und auch die Italiener legten abenteuerliche Schuss- und Anlauftechniken an den Tag. Und plötzlich musste Jonas Hector ran, er war der 18. Schütze an diesem Abend. Er lief an, schoss den Ball Italiens Unesco-Welterbe Gianluigi Buffon unter den Armen durch. Deutschland stand im Halbfinale der EM. 

    Trauma ist keine Stadt in Italien, schrieben wir vor Beginn des Spiels. Und Drama? Auch das nicht, aber wo auch immer es die beiden geben mag, sie liegen sicherlich nah beisammen. Und das Kapitel von Deutschlands Italienfluch kann nun in den Annalen der Fußballgeschichte abgeheftet werden. 1970, 1982, 2006, 2012, diese unrühmliche Serie bitterer Niederlagen ist beendet. Statt Balotellis nacktem Oberkörper gibt es vielleicht künftig T-Shirts mit Hectors Grinsen.  

    Abgesehen von aus deutscher Sicht erfreulichen Ergebnissen und gebrochenen Flüchen, wirft das Spiel aber auch Fragen auf. Was ist mit Thomas Müller los? Sein Auftritt und Elfmeter wirkten so kraftlos als hätte der Mann seit Wochen sein Pastafrühstück nicht bekommen. Überlegt Jérôme Boateng, nach seiner Fußballerkarriere zu den Basketballern des FC Bayern zu wechseln? Und wie viel Oberwasser hat Mario Gómez in der Halbzeit getrunken dass er plötzlich erfolglos Hackentricks im Strafraum versucht? Vielleicht werden wir es bis Donnerstag erfahren. Dann trifft Deutschland auf Island. Achso, oder auf Gastgeber Frankreich, die beiden spielen erst am Sonntag. 

    Aber Island wäre schon schöner, oder?

  • 00:08 Uhr
    Claudio Rizzello

    Glückwunsch, Germania! Auch wenn es weh tut: ihr habt es verdient. Das Italien-Trauma endet, ihr seid frei!

  • 00:04 Uhr
    Fabian Scheler

    Also, alle mal durchatmen: Deutschland dramatisiert sich gegen Italien ins Halbfinale nach 120 Minuten und einem 1:1 und einem packenden Elfmeterschießen. Am Ende hält Neuer den Elfmeter von Darmian, Jonas Hector vom 1. FC Köln trifft und Deutschland ist weiter. Hummels ist fürs Halbfinale am Donnerstag gesperrt, Gegner ist Frankreich oder Island. Hier lesen Sie gleich noch ein Fazit von Kühl, der sich in die Eistonne gelegt hat, um runterzufahren.

  • 23:57 Uhr
    Claudio Rizzello

    Ich boykottiere deutsches Brot! 

  • 23:56 Uhr
    Fabian Scheler

    Jetzt schon aufgestempelt auf dieses Turnier: Bartels Kommentar. "Neuer macht die Tür auf, Hector geht durch." Alaaaaaaaaaf!

  • 23:51 Uhr

    120'

    7:6 GER

    Hector streichelt den letzten Elfmeter unter Buffon durch und beendet das Drama. Deutschland im Halbfinale!

  • 23:48 Uhr
    Claudio Rizzello

    Elfmeterschießen: Darmian verschießt. 

  • 23:48 Uhr
    Eike Kühl

    Elfmeterschießen: Boateng zum 6:6. Ganz ohne Hand. 

  • 23:47 Uhr
    Claudio Rizzello

    Elfmeterschießen: De Sciglio. Unterlatte und rein. Ist der cool? 6:5.

  • 23:46 Uhr
    Eike Kühl

    Elfmeterschießen: Duell der Generationen, Kimmich mit einem Zentimeter vor Buffon. 5:5

  • 23:46 Uhr
    Claudio Rizzello

    Elfmeterschießen: Parolo! Siiiiiiiiii!!!!!!! 5:4

  • 23:45 Uhr
    Eike Kühl

    Elfmeterschießen: Katz Hummels schleicht sich an und eiert ihn rein! 4:4

  • 23:45 Uhr
    Claudio Rizzello

    Elfmeterschießen: Giaccherini goooooool! 4:3.

  • 23:44 Uhr
    Eike Kühl

    Elfmeterschießen: Schweinsteiger über die Latte. Bist du deppert! 3:3


     

  • 23:43 Uhr
    Claudio Rizzello

    Elfmeterschießen: Bonucci verschießt. 3:3. 

  • 23:43 Uhr
    Eike Kühl

    Elfmeterschießen: Draxler mit dem bislang besten deutschen Versuch. 3:3.

  • 23:42 Uhr
    Claudio Rizzello

    Elfmeterschießen: Pellè. Entsetzlicher Elfmeter. 3:2 Italien.

  • 23:41 Uhr
    Eike Kühl

    Elfmeterschießen: Özil an den Pfosten. 3:2 Italien.

  • 23:41 Uhr
    Claudio Rizzello

    Elfmeterschießen: Barzagli sicher, 3:2 Italien. 

  • 23:40 Uhr
    Eike Kühl

    Elfmeterschießen: Müller schreibt seine Tragödie bei dieser EM weiter, scheitert mit einem schwachen Schuss an Buffon. 2:2.

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Vorbemerkungen:

In Zeiten einer Fußball-EM werden die Menschen nicht nur zu Nationaltrainern, sondern auch zu Psychologen. Jedenfalls wenn es wie heute gegen Italien geht. In den Pizzerien und altdeutschen Eckkneipen ist dann zwischen dem dritten Grappa und fünftem Kümmerling die Rede von Angstgegnern und Traumata, von Mario Balotellis Muskeln und Fabios Grossos großartigem Tor. Aber neben Aufarbeitung geht es auch um Bewältigung: Alles hat bekanntlich ein Ende, nur die Karriere von Gianluigi Buffon nicht. Aber die schwarze Serie von Deutschland gegen Italien muss doch endlich reißen. Deutschland, eine Nation voller Therapiehunde.

Auch die Italiener versuchen es mit Psychologie, allerdings mit umgekehrter. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel schmierte Italiens Trainer Antonio Conte der deutschen Mannschaft so viel Honig um den Mund, dass man sich fragen musste, ob dieser Conte der gleiche Mann ist, der am Spielfeldrand regelmäßig explodiert. So talentiert, so organisiert, so schlicht nah dran an der perfekten Mannschaft seien die Deutschen, sagte Conte und Torhüter Buffon nickte so staatsmännisch, wie es ein 38-jähriger Gentleman eben tut.

Noch einmal die Ausgangslage: Noch nie konnte die DFB-Elf bei einem Turnier gegen Italien gewinnen. Die Jahreszahlen 1970, 1986, 2006 und 2012 – jeder kennt sie. Dass es nun auf dem Weg zum Titel schon im Viertelfinale wieder zu diesem Duell kommt, ist seltsam sprießenden Turnierbäumen geschuldet. Die Italiener beendeten im Achtelfinale die spanische Ära im Weltfußball auf beeindruckende Weise. Deutschland kickte sich vergleichsweise gemütlich zum Sieg über die Slowakei.

Es ist in jedem Fall ein Duell zweier ungleicher Mannschaft, schreibt der Kollege Oliver Fritsch – und deshalb so interessant. Es ist ein Duell zweier unterschiedlicher Trainer und Spielstile. Deutschland mag die teureren, fitteren, mutmaßlich auch talentierteren Spieler haben. Italien aber hat ein Team, das kaum Fehler macht und seine Taktik konsequent umsetzt. Auch wenn Deutschland den Marktgesetzen nach gewinnen müsste, dürfte es ein Spiel unter gleichen werden.

Kleiner Vorteil: Italiens bärbeißiger Antreiber Daniele de Rossi ist aufgrund einer Oberschenkelverletzung angeschlagen und nicht in der Startelf. Bei Deutschland sind alle wieder fit, Joshua Kimmich wird wieder spielen, aber auch Benedikt Höwedes spielt von Beginn an. Der Mann des Achtelfinales, Julian Draxler, muss dagegen zunächst auf die Bank. Sieht also aus, als ließe Löw mit Dreierkette spielen. Worauf ist noch zu achten? Auf die Stürmer: Mario Gomez und Graziano Pellè sind gleich alt, haben fast am gleichen Tag Geburtstag, sind vor dem EM überraschend in den Kader gerutscht und haben beide schon getroffen.

Fach- und stilsichere Unterstützung bekommen wir diesmal von Claudio Rizzello, Hospitant aus der Kultur mit italienischen Wurzeln. Er wird uns vielleicht im Verlauf des Spiels noch genauer erklären, weshalb man Linguine nicht all’arrabbiata essen sollte. Und vielleicht können wir nach 90 oder gar 120 (per dio!) Minuten diesmal sagen, dass Trauma keine Stadt in Italien ist.

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