Zwischen 9,8 und 35,1 Prozent der deutschen Fußballer sollen gedopt sein. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Ex-Fußballprofi Lotfi El Bousidi in seiner Diplomarbeit im Fach BWL an der Fernuniversität Hagen veröffentlicht hat, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. Insgesamt 150 Fußballprofis aus Deutschland, Schweden und Spanien hat El Bousidi zum Thema Doping befragt, 124 von ihnen haben den Fragebogen beantwortet. Das Ergebnis: Zwischen 14,0 und 29,8 Prozent waren im Jahr der Befragung gedopt. Das ist eine hohe Zahl für eine Sportart, in der bislang noch kein ernsthafter Verdacht auf Doping bestätigt werden konnte und es nur wenige Untersuchungen gibt – "ein bisher dilettantisch untersuchtes Phänomen", schreibt der Ex-Fußballer der FAZ zufolge.

Laut der Studie liegt in Schweden der Anteil von gedopten Fußballspielern bei 14,5 Prozent, in Spanien bei 31,3 Prozent. Zwar war die Umfrage mit 150 Teilnehmern vergleichsweise klein, dennoch gilt das "Forced Response Modell", das El Bousidi anwandte, unter Statistikern als wissenschaftlich verlässliche Technik. Die Antworten der Teilnehmer sind verschlüsselt, sodass ihre Anonymität gewahrt bleibt. Das soll sie zu größerer Offenheit bewegen. Auch der deutsche Sportwissenschaftler und Dopingexperte Perikles Simon wandte diese Technik bei seiner bekannten Studie unter den Leichtathleten der WM 2011 an.

Dopingkontrollen kommen im Fußball im Vergleich zu anderen Sportarten immer noch seltener vor. Auch El Bousidis Umfrage kam zu diesem Ergebnis. 43,4 Prozent der Fußballer gaben an, im Jahr 2014 kein einziges Mal auf Doping kontrolliert worden zu sein. Weitere 50 Prozent wurden nur ein Mal getestet. Seit  diesem Jahr kooperiert die Uefa mit den nationalen Antidopingagenturen. Vor der diesjährigen EM haben sich die Trainingskontrollen im Vergleich zu früheren Jahren verbessert. So gab es 2008 noch keine Trainingskontrollen, 2012 wurde jedes Team nur einmal in den Wochen vor Turnierbeginn von Kontrolleuren besucht. Diese Zahlen zeigen, wie groß der Aufklärungsbedarf noch ist.

Ein weiteres Problem neben den nicht ausreichenden Kontrollen sieht der heute 33-Jährige im mangelnden Wissen der Betroffenen darüber, welche Substanzen überhaupt verboten sind. So gaben 62,5 Prozent der befragten spanischen Fußballer an, überhaupt nicht zu wissen, welche Substanzen auf der Verbotsliste der Anti-Doping-Agentur Wada stünden. In Deutschland waren es 37,5 Prozent, in Schweden nur 11,4 Prozent. Unwissenheit, so schreibt El Bousidi, führe zu einem sorgloseren Umgang mit verbotenen Mitteln. Es fehle in den Vereinen auch an Aufklärung über gesundheitliche und moralische Aspekte. Auch die Kooperation der Bundesligavereine sei mangelhaft: Die Studie habe El Bousidi allein über seine Kontakte organisieren können. Der Ex-Fußballprofi arbeitet heute als Unternehmensberater in Frankfurt am Main. Das Thema Doping hat ihn seit seiner Zeit beim FSV Mainz 05 nicht losgelassen. Damals war Doping für ihn noch kein Thema. Später hatte sein Körper nach einer Infusion verrückt gespielt. Danach begann er sich Fragen zu stellen. Aus der Distanz resümiert er: "Als Sportler bist du so auf den Erfolg fokussiert, dass es zur Sucht wird: alles für den Erfolg zu tun, wirklich alles."