EM-Finale: Sie schieden einfach nicht aus

Portugal gewinnt überraschend die EM mit 1:0 gegen Frankreich. Auch ohne den verletzen Ronaldo. Eder schießt das späte Tor zum ersten EM-Titel. Das Spiel im Liveblog
Verletzt ausgewechselt, aber am Ende der große Gewinner: Cristiano Ronaldo mit dem EM-Pokal. ©Getty Images / Matthias Hangst
  • Portugal. Europameister. Ja, das ist wahr.
  • Ein Tor in der 109. Minute von Éder reicht Portugal zum EM-Titel gegen den Gastgeber aus Frankreich. Cristiano Ronaldo musste in der 23. Minute verletzt ausgewechselt werden.
  • Alle Texte, die wir in den vergangenen Wochen zur EM veröffentlicht haben, sind auf unserer Themenseite.

  • 00:23 Uhr
    Eike Kühl

    Fazit: Die Tränen flossen gleich zu Beginn. Nicht etwa, weil der französische DJ David Guetta nach der Eröffnungszeremonie nun auch noch beim Finale den Fans im Stadion von Paris seinen offiziellen EM-Song in die Ohrmuscheln drückte. Nein, die Tränen flossen bei und wegen Cristiano Ronaldo. Nach einem harten Einsteigen in der achten Minute von Dimitri Payet verdrehte er sich das Knie, ging raus, kam wieder, ging wieder raus, ließ sich einen Verband anlegen, aber es half nichts. Auf der Trage verließ der Weltfußballer nach nur 25 Minuten den Platz und selbst der hämischste Barça-Fan musste zugeben: So sollte es dann irgendwie doch nicht enden.


    Tat es auch nicht, denn 95 Minuten später flossen die Tränen wieder. Ronaldo, der in der Kabine scheinbar schnell die Trainerausbildung nachholte, schwirrte um den Cheftrainer Fernando Santos herum wie die Motten vor den Fernsehkameras im Stade de France. Ronaldo fuchtelte und gestikulierte, trieb seine Mannschaft an und hatte dabei einen so roten Kopf, als sei der Schmerz vom Knie nach oben gewandert. Kurz darauf: Abpfiff, Portugal ist Europameister. Ein sehenswerter Fernschuss von Eder in der 109. Minute reichte am Ende.

    Verdient? Ronaldo würde sagen: Ja, und tatsächlich hat Portugal gezeigt, dass bei einer EM am Ende nicht der gewinnt, der den schönsten Fußball spielt, sondern der, der es schafft, einfach nicht auszuscheiden. Das ist Portugal gelungen. Manche sagen, das ist brutal. Das verdiente Ende für ein maues Turnier, in dem oft Einzelaktionen und Fehler die Spiele entschieden. Andere sagen, es ist brutal effektiv. Die richtige Antwort dürfte in der Mitte liegen.

    Zumal Portugal im Finale bis zur Verlängerung nicht die bessere Mannschaft war. Nach Ronaldos Auswechslung übernahmen die Franzosen die Initiative. Sissoko, Griezmann, der eingewechselte Gignac: Sie alle hatten im Verlauf beste Chancen, scheiterten aber entweder am Pfosten, am Schlussmann Rui Patrício oder vielleicht auch an den riesigen Erwartungen, die auf ihren Schultern lasteten. Und als auch sie nach dem Abpfiff in Tränen ausbrachen, konnte Ronaldo schon wieder lachen.

  • 23:49 Uhr
    Hannes Schrader

    Aus: Ich habe Grund zum Feiern. Da gibt es natürlich nur eine Möglichkeit:

  • 23:49 Uhr
    Fabian Scheler

    Aus. Aber gut: Herzlichen Glückwunsch an Portugal zu diesem Titel. Es war vielleicht nicht das schönste Turnier, am Ende aber gönnt man es ihnen doch. Wir drehen gerade noch unsere HS7-Filme (stay tuned!), wenn dieser Thriller im Kasten ist, folgt ein erstes Kurzfazit und später dann noch eine ausführlichere Analyse des Spiels. Morgen lesen Sie dann die Reportagen der beiden Reporter aus dem Stadion. Vamos Portugal!

  • 23:35 Uhr
    Fabian Scheler

    Aus. Huh.

  • 23:33 Uhr
    Hannes Schrader

    Aus: Jetzt ist Ronaldo endlich das, was Messi niemals sein wird: Europameister.

  • 23:32 Uhr
    Fabian Scheler

    Aus. Portugal also. Manche Dinge kann man einfach nicht erklären.

  • 23:30 Uhr
    Hannes Schrader

    121. Minute: Das Turnier unter Niveau gespielt, Tore vor allem in der Verlängerung geschossen, gegen Island keinen Sieg geholt: Portugal ist das Team, das diese EM definiert. Dafür kann man auch mal 'nen Pokal bekommen.

  • 23:29 Uhr
    Fabian Scheler

    119. Minute: Portugal gewinnt. Deshalb interessant, weil es ja in diesem Turnier erst zum zweiten Mal vorkommt.

  • 23:26 Uhr
    Fabian Scheler

    117. Minute: Rehagel, jetzt vorne rein!

  • 23:28 Uhr
    Eike Kühl

    114. Minute: Ein Spiel, dass ja irgendwie auch zu dem Turnier der Portugiesen passt. Sie waren nicht immer die bessere Mannschaft, aber sie haben sich mehr als einmal mit Einzelaktionen durchgesetzt. Aber auch das ist Fußball: Am Ende gewinnt der, der einfach nicht ausscheidet. 

  • 23:19 Uhr
    Hannes Schrader

    108. Minute: Portugal führt 1:0 im Finale. Ohne Ronaldo. Ich sag's ja nur. #HS7

  • 23:19 Uhr

    108'

    1:0

    Tooor für Portugal! Éder zieht von links in die Mitte, trifft aus gut 20 Metern unten links ins Tor. 

  • 23:19 Uhr
    Fabian Scheler

    108. Minute: Raphaël Guerreiro hämmert jetzt einen Freistoß an die Latte. Wums! Nächste Saison spielt der beim BVB. Ob Marco Reus jemals wieder ran darf?

  • 23:17 Uhr
    Eike Kühl

    106. Minute: Livebilder von João Moutinho, der nach einem Nichtfoul auf dem Boden liegen bleibt.


  • 23:14 Uhr
    Hannes Schrader

    Seitenwechsel: Das Gute an meinem Patendasein: Ich habe jedes Portugal-Spiel gesehen und bin dementsprechend abgehärtet. Während die Kollegen neben mir sich schon Streichhölzer zwischen die Augenlider klemmen, bin ich weiterhin hellwach.

  • 23:10 Uhr
    Eike Kühl

    101. Minute: Es läuft Minute 101. Fühlen uns wie im gleichnamigen Raum aus Orwells 1984. Dort, wo die schlimmsten Albträume wahr werden. Zum Beispiel, dass heute nach dieser Tortur tatsächlich noch jemand den Pokal gewinnt.  

  • 23:09 Uhr
    Fabian Scheler

    101. Minute: Aber, wir wissen durch die Zwischenrufe des finalerfahrenen Kollegen Spiller, der schon '54 in Bern dabei war: "Finals waren noch nie gute Spiele." Aha. Spiller fordert jetzt Rahn, wacht dann aber wieder mit Quaresmas Feder im Haar auf. Tja.

  • 23:07 Uhr
    Fabian Scheler

    100. Minute: Dieses Spiel wird in Prenzlauer-Berg-Hypnose-Studios bald als Anschauungsmaterial dienen. Immerhin.

  • 23:04 Uhr
    Hannes Schrader

    97. Minute: Das Spiel läuft inzwischen übrigens wieder.

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Vorbemerkungen:

Salut. Aufregende Wochen gehen zu Ende. Hätte die Uefa Humor, würde sie heute die ersten 20 Minuten von Albanien gegen Rumänien aus der Vorrunde zeigen, um dann erst auf das Livesignal des Finals zu schwenken. Lustige Minuten könnten es auch werden, wenn stattdessen die Highlights des portugiesischen Turniers zusammengeschnitten werden. Es wäre ein Streifen nicht länger als ein Werbefilmchen. Es ist ja nur folgerichtig für diese EM, dass Portugal allen Skeptikern des 24-Team-Modus zeigte, wie viel wirklich geht und bis zum Halbfinale ohne Sieg durchkam. Das sie dann auf überforderte Waliser trafen, vollendet diese Geschichte. Heute könnten sie den ersten großen Titel gewinnen.

Ein Finale mit französischer Beteiligung kommt hingegen nicht ganz so überraschend. Irland, Island, Deutschland, dazu in der Gruppenphase Albanien, Rumänien und die Schweiz – selten war es einfacher, Europameister zu werden, auch wenn die Franzosen als Gastgeber einer permanent hohen Erwartungshaltung ausgesetzt waren.

Sei es drum: Gegen Deutschland durften sie ja beweisen, dass sie nicht nur Fallobst wegräumen können, sondern auch die schweren, reifen Früchte wie den DFB. Und das größte und vermutlich beste Ego des Weltfußballs wartet nun im Finale: Cristiano Ronaldo und die zehn anderen Portugiesen.

Es ist ein kleines Derby. 750.000 Portugiesen wohnen in Frankreich, über eine Million weitere haben ihre Wurzeln an der Algarve. Ronaldo und Nani kennen Patrice Evra noch aus Zeiten von Manchester United, die Portugiesen Raphaël Guerreiro, Adrien Silva und Anthony Lopes sind in Frankreich geboren. Fehlt noch der Name für das Derby. Vorschläge bitte in die Kommentare.

Die letzten Minuten, wir können es wirklich kaum erwarten, geben wir ihnen noch ein paar Leseempfehlungen. Kollege Oliver Fritsch, unser Mann für den DFB, resümiert das Turnier noch mal aus der Perspektive des Nationalteams. Seit vier Wochen hat nun Felix Stephan den Gastgeber beobachtet. In seiner Finalvorschau lesen Sie, warum ein Sieg heute ein Symbol für ein aufgewühltes Land sein könnte. Von Berlin aus fragt Christian Spiller: War dieses Turnier jenes, bei dem der Fußball bemerkte, dass er zu aufgebläht ist?

Wir denken darüber nach und sehen und lesen uns gleich wieder. Unterstützt werden wir heute dabei vom Kollegen Hannes Schrader, #HS7, dem Portugal-EM-Paten, der durch Cristiano Ronaldo aus seiner Fußballlethargie geküsst wurde. Hach.

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