Insgesamt 45 Teilnehmer der früheren Olympischen Spiele von Peking 2008 und London 2012 sind in Nachtests positiv auf Doping getestet worden. Das teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit. Damit erhöht sich die Gesamtzahl positiv getesteter Athleten aus den bisherigen Nachtests auf insgesamt 98. Offen ist, ob erneut Athleten aus Russland betroffen sind.

Nach IOC-Angaben wurden von 386 Proben 30 Teilnehmer der Peking-Spiele in der A-Probe positiv getestet, unter ihnen sind 23 Medaillengewinner. Das Ergebnis bestätigt eine erste Überprüfung vom Mai, die zu demselben Ergebnis gelangt war. Die auffälligen Proben entfallen auf Athleten aus acht Nationen und vier Sportarten.

Bei den 138 Nachtests der London-Spiele wurden 15 Sportler aus neun Nationen und zwei Sportarten sowohl in der A- als auch in der B-Probe positiv getestet. Bei einer ersten Überprüfung hatte es 23 positive Fälle gegeben. Alle betroffenen Sportler und Nationalen Olympischen Komitees (NOK) sind bereits informiert.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann wertete die positiven Nachtests als Ermutigung im Anti-Doping-Kampf. "Für alle Athletinnen und Athleten, die sich konsequent und vorbildlich an die Regeln halten, ist das eine gute und ermutigende Nachricht", kommentierte er.

Insgesamt wurden bislang 1.243 Proben ein weiteres Mal mit verfeinerten Methoden analysiert. Auch während der Spiele in Rio de Janeiro, die am 5. August beginnen, ist mit weiteren Fällen von den beiden vergangenen Olympia-Auflagen zu rechnen. Das IOC kündigte eine dritte und vierte Überprüfung durch Nachtests während und nach den Wettbewerben in Rio an.

Offen ist weiterhin, ob nach dem Ausschluss russischer Leichtathleten die komplette russische Mannschaft von den Rio-Spielen verbannt wird. Laut dem NOK des Landes waren 14 Sportler der Peking-Spiele – unter ihnen offenbar zehn Medaillengewinner, darunter Hochspringerin Anna Tschitscherowa – und acht der London-Spiele von den positiven Tests betroffen. Namen von Sportlern gab das IOC bisher nicht bekannt, neben Tschitscherowa sind jedoch einige weitere schon öffentlich.

Die kasachischen Gewichtheber-Olympiasieger Ilja Iljin, Sülfija Tschinschanlo, Maja Manesa und Swetlana Podobedowa gehören ebenso dazu wie der Olympia-Zweite Apti Auchadow aus Russland sowie die Bronzemedaillen-Gewinnerinnen Julja Kalina aus der Ukraine und Marina Schkermankowa aus Weißrussland. Insgesamt sind bisher vom Gewichtheber-Weltverband je zehn Fälle von 2008 und 2012 bestätigt. Auch die türkische Gewichtheberin Sibel Özkan musste ihre olympische Silbermedaille von Peking 2008 zurückgeben. Die 28-Jährige wurde der Einnahme des Mittels Stanozolol überführt und vom IOC nachträglich disqualifiziert. Özkan war in Peking im Wettbewerb der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm Zweite geworden.

Der Radsport-Weltverband UCI suspendierte wegen einer positiven Anabolika-Analyse in London die russische Bahnfahrerin Jekaterina Gnidenko, die 2012 keine Medaille gewann. Auch der türkische Amateurboxer Adem Kılıççı wurde Anfang Juni vorläufig suspendiert.