Wer ist dabei?
Ziemlich viele: 450 Athleten werden für Deutschland starten, 206 Frauen und 244 Männer. Das ist nach den USA (555) und dem Gastgeber Brasilien (465) bei den Teilnehmern die drittstärkste Nation. Ein erster Erfolg. Fast alle Disziplinen sind besetzt, nur im neuen Sport 7er-Rugby wird keine deutsche Mannschaft am Start sein. Auch beim Wasserball und im Basketball misslang die Qualifikation. No Nowitzki, no party.

Wen wird man bald als Olympiasieger ansprechen dürfen?
Vielleicht Tony Martin. Der Radfahrer holte 2012 schon Silber im Einzelzeitfahren und hat sich in Rio Gold vorgenommen. Weil der Kurs für ein Zeitfahren sehr hügelig sein wird, hat er sein Training angepasst. Ja, Rio hat auch Berge.

Kugelstoßer David Storl holte 2012 ebenfalls Silber, nun soll Gold folgen. Andere deutsche Olympioniken sind hingegen schon einmal Sieger gewesen: Lena Schöneborn im modernen Fünfkampf zum Beispiel. Sie wurde 2008 Olympiasiegerin und möchte das wiederholen. Gleiches gilt für Diskuswerfer und Trikotzerreißer Robert Harting. Schon 2012 erwarteten alle eine Goldmedaille, er lieferte. Neu ist für ihn jetzt nur, dass einer seiner Konkurrenten sein Bruder Christoph ist. Scheinen gute Gene zu sein.

Im Dressurreiten hatte Großbritannien 2012 nicht mitbekommen, dass es seit 1984 keinen anderen Olympiasieger außer dem deutschen Team geben darf. Großbritannien gewann, Deutschland wurde Zweiter. Das soll sich nun wieder ändern. Auch im Vielseitigkeitsreiten wäre Gold keine Sensation. Und über die Tennis-Olympiasiegerin Angelique Kerber wäre man nach dem Australian-Open-Sieg und dem zweiten Platz in Wimbledon nicht überrascht. Die Handballer haben sich durch den EM-Titel im Januar selbst in eine Favoritenrolle geworfen.

Ohnehin immer griffbereit liegt das Band mit der deutschen Hymne am Ruderkanal. Der Deutschlandachter reist als Titelverteidiger und amtierender Europameister an und wird am zweiten Samstag um 16 Uhr in die Stadtlagune Rodrigo de Freitas einstechen. Die Finals werden fast alle am Nachmittag unserer Zeit ausgetragen. Wie nett. Schon 2012 holten die Ruderer fast die Hälfte aller deutschen Medaillen. 44 waren es vor vier Jahren für Deutschland in London. Elfmal Gold, neunzehnmal Silber, vierzehnmal Bronze. Ähnlich viele sollen es jetzt wieder werden.    

Wer wird der deutsche Überraschungssieger?
Schwer zu sagen. Die Schwimmer stiegen vor vier Jahren ohne Medaille aus dem Wasser. Das gab es zuvor nur 1932. Jede Goldmedaille wäre also eine Überraschung, doch Kandidaten gibt es: Paul Biedermann möchte ein letztes Mal was Großes gewinnen, seit dem Desaster in London holte er einmal EM-Gold und WM-Bronze. Auch Marco Koch, der amtierender Weltmeister ist, will über 200 Meter Brust Gold gewinnen.

Bei den Leichtathleten formiert sich gleich eine ganze Generation an jungen Talenten: Die 22-jährige Alexandra Wester könnte im Weitsprung überraschen. Marie-Laurence Jungfleisch, 25, gilt im Hochsprung als Geheimtipp: Vor Kurzem übersprang sie zum ersten Mal die Zwei-Meter-Marke. Die Weltjahresbestleistung dieses Jahr liegt bei 2,01 Metern. Gesa Felicitas Krause gilt über 3.000 Meter Hindernis als Medaillenkandidatin, weil sie vor wenigen Wochen EM-Gold gewann. Genau wie der Dreispringer Max Heß, 20 Jahre alt. 

Vielleicht wird in Deutschland aber auch ein anderer Sport wieder populär: 2012 wurden aus vielen Vorgärten Volleyballfelder, so groß war der Hype um die Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann. Die haben mittlerweile ihre Karriere beendet, die Nachfolger Markus Böckermann und Lars Flüggen gelten als Außenseiter. Das Frauenteam Laura Ludwig und Kira Walkenhorst geht hingegen als Weltranglistenerster ins olympische Turnier. Könnte in den deutschen Vorgärten wieder sandig werden.

Wie weit kommen die deutschen Teams?
Mal sehen. Die Fußballmannschaften wollen für ihre Trainer bis zum Ende bleiben, sagen sie jedenfalls, denn die Trainer hören nach Rio auf. Das Frauenteam von Silvia Neid gilt als großer Favorit unter den zwölf Teilnehmern. Neid möchte Gold zum Abschluss ihrer elf Jahre als Trainerin. Bei den Herren von Horst Hrubesch sind die Erwartungen etwas kleiner, eine Medaille würde auch schon gefallen. Es gab ja ein bisschen Hickhack um die Nominierungen: Nicht die Besten sind dabei, sondern die Willigen. Mancher Bundesligaclub wollte seine Spieler nicht für Olympia abgeben. Hrubesch fand trotzdem 18 Spieler und freut sich nun auf seine letzte Aufgabe. Danach hört er auf. Die Hockey-Herren könnten in Rio zum dritten Mal in Folge Gold gewinnen, was bislang nur Indien gelang. Auch die Damen gelten als Favoriten auf den Titel.