Rio 2016 - ZEIT ONLINE Autor Tobias Potratz übt Diskuswerfen Heute startet das olympische Diskuswerfen. ZEIT ONLINE Autor Tobias Potratz hat sich mit einem Profi in den Ring getraut, um herauszufinden: Wie lernt man Diskuswerfen? © Foto: Getty Images

Ja, ich habe eine Scheibe. Die ist aber auch nötig, um Deutschlands beliebteste Leichtathletik-Disziplin auszuprobieren: das Scheibenwerfen. Klingt uncool. Deshalb hat sich die griechische Vokabel durchgesetzt, die Sportwelt spricht seit Tausenden Jahren vom Diskuswerfen.

Ich selbst spreche eher selten davon. Generell ist das Werfen eine Fähigkeit, die mir der liebe Gott an einem Montagmorgen eingebaut haben muss. Unzählige Sportlehrer gaben mir Gegenstände in die Hand, die ich durch die Luft schleudern sollte. Geholfen hat es nix. Gummibälle flogen nicht weit genug, Speere rutschten mir aus der Hand und beim Kugelstoßen habe ich immer übertreten. Diskus habe ich dagegen nie probiert.

Das soll sich ändern. Ein Versuch muss her. Aufgeregt ziehe ich meine Sportsachen an und fahre nach Potsdam zum Olympiastützpunkt am Luftschiffhafen. Die Sonne brennt. Schon auf dem Fahrrad rollen mir die ersten Schweißperlen ins Gesicht. Ob ich das packe? Ist mein Wurftalent vielleicht auf fliegende Teller konzentriert und ich habe es bisher nur nicht gemerkt?

Er könnte zwei Waschmaschinen tragen

Vor dem Leichtathletik-Stadion wartet ein Mann. Er sieht aus, als könnte er problemlos zwei Waschmaschinen gleichzeitig in die fünfte Altbau-Etage tragen. Markus Münch ist der fünftbeste Diskuswerfer in Deutschland, in der Weltjahresbestenliste kratzt er an den Top 10. Die Olympia-Norm hat er vor kurzem mit einem Wurf über 66,78 Meter übertroffen. Trotzdem ist er nicht in Rio, wo an diesem Samstag das Olympia-Finale stattfindet, sondern steht neben mir auf dem Trainingsgelände des SC Potsdam am Templiner See.

Deutschland ist eine Diskus-Nation. Fünf Werfer auf Weltniveau, die über 65-Meter geworfen haben, mussten sich um drei Plätze im Olympiakader streiten. Für Münch hat es nicht gereicht, in jedem anderen Land wäre er locker als Medaillenhoffnung mitgefahren, vor vier Jahren in London war er noch dabei.

Seine Niederlage ist für mich ein Gewinn, mir steht für die erste Diskus-Einheit meines Lebens ein hochtalentierter Trainer zur Verfügung. "Soll ich die kleinen oder die großen Disken holen?", fragt er. "Lass uns mal lieber klein anfangen", sage ich. Er holt trotzdem eine Handvoll großer und kleinerer Scheiben aus dem Geräteraum.

Zunächst Aufwärmen. Beim Dehnen fällt mir auf, was für ein Kraftpaket Markus Münch ist. Er hat Muskeln an Stellen, da habe ich nicht mal Stellen. Ich dehne sie trotzdem.