Ein Prolog in der Literatur deutet das Hauptgeschehen an. Im Fußball ist das manchmal auch so. Das Supercup-Finale am vorletzten Wochenende hat die neue Bundesliga-Saison vorweggenommen. Bayern gewann – so weit, so bekannt. Aber irgendwas war anders. Dortmund machte das Spiel, war lange besser. Die Bayern zeigten nicht die Ordnung und die Kombinationen, die man von ihnen aus den letzten Jahren kennt.

Die Prognose ist simpel und hat nicht mal einen Haken: Das Trainergenie Pep Guardiola ist weg, also wird Bayern München schlechter. Dortmund kann wieder Meister werden. Das Titelrennen der Bundesliga wird zum ersten Mal seit 2012 wieder spannend.

Das liegt am Trainerwechsel bei den Bayern. Um das zu erklären, muss noch mal kurz Guardiolas Werk gelobt werden. Er feilte stets an den taktischen Details. Er führte die Spieler auf und neben dem Platz, und setzte sich auch mal gegen sie durch. Er hob die Mannschaft auf ein anderes Niveau. Diese Saison wird zeigen: Sein Anteil an der Qualität der Bayern war groß.

Guardiola ist der weltbeste Trainer, da kommt keiner ran, auch Carlo Ancelotti nicht. Zwar verfügt der Italiener über internationale Erfahrung, die Bayern hätten kaum einen besseren finden können. Er beherrscht den Umgang mit Mächtigen (er hat den AC Mailand unter Berlusconi trainiert), was in großen Vereinen eine wichtige Kompetenz ist. Zum Beispiel kann er gut mit Stars. Er sieht, wer was kann und wer weniger.

Aber Ancelotti macht Mannschaften nicht besser. Er wirkt wenig auf sie ein, schon in den wenigen Testspielen waren es seine Führungsspieler, die während der Partie das System umstellten. Ancelottis Bilanz sagt viel: Er gewann drei Titel in der Champions League, das ist enorm. Er gewann aber auch nur drei Titel in der Liga, obwohl er seit zwei Jahrzehnten Spitzenvereine trainiert. Ancelotti ist eher einer für die großen Tage, weniger für das Alltagsgeschäft. Guardiola wurde sechs Mal in sieben Versuchen Meister.

Reif, aber in die Jahre gekommen

Keine Sorge, oder keine falsche Hoffnung – Bayern wird nicht absteigen. Bayern bleibt Titelkandidat, hat zwei Spieler, die in jeder Elf dieser Welt spielen würden: Manuel Neuer und Philipp Lahm. Dazu Jérôme Boateng, Thomas Müller, Robert Lewandowski, Javi Martínez, Xabi Alonso und David Alaba, Fußballer weit über dem Bundesliga-Durchschnitt.

Es gibt aber Indizien, dass die Einkäufe der letzten Jahre nicht das höchste Niveau haben und erreichen werden. Douglas Costa und Kingsley Coman sollen Arjen Robben und Franck Ribéry ersetzen, in den entscheidenden Momenten der entscheidenden Spiele der vorigen Saison handelten sie aber stets falsch. Joshua Kimmich wackelt defensiv, was man auch bei der EM in Frankreich sah. Mats Hummels ist erfahren, aber fehleranfällig, wovon Fans und Mannschaft einen Eindruck beim Supercup erhielten. Arturo Vidal ist ein Kämpfer und Schütze, aber keiner fürs Kombinieren. Ähnliches gilt für Renato Sanches, den Zugang von Benfica Lissabon.

Der Kern der Mannschaft, die seit 2010 erfolgreich ist, hat Reife, ist aber in die Jahre gekommen. Robben ist oft verletzt, auch Boateng und Martínez. Alonso fehlt Tempo, selbst Lahm braucht Pausen. Ribéry mag zwar immer noch zu großen Momenten fähig sein, bleibt aber oft am Gegner hängen. Dann neigt er zu Undiszipliniertheiten auch in unwichtigen Spielen. Bekommt ihn Ancelotti nicht in den Griff, wird man Schubser und Schläge öfter sehen. Vielleicht wird das irgendwann mal mit Rot bestraft.