Jérôme Boateng ist Fußballer des Jahres 2016. Der Abwehrspieler des FC Bayern München setzte sich bei der vom Fachmagazin Kicker unter Sportjournalisten durchgeführten Wahl mit 163 Stimmen deutlich vor seinen Vereinskollegen Thomas Müller (95) und Robert Lewandowski (90) durch. Boateng folgt auf den früheren Wolfsburger Kevin De Bruyne, der die seit 1960 ausgerichtete Wahl im Vorjahr gewonnen hatte.

"Ich kann gar nicht beschreiben, was mir da für Gedanken durch den Kopf gehen. Natürlich bin ich unglaublich stolz, dass ich so etwas erreichen konnte", sagte Boateng im Gespräch mit dem Kicker. Der 27-Jährige ist der erste Verteidiger seit Jürgen Kohler 1997, der diese Auszeichnung bekommt.

Die Entscheidung der Sportjournalisten ist nachvollziehbar. Sowohl im Verein, als auch in der Nationalmannschaft hat sich Boateng zu einem der wichtigsten Spieler entwickelt. War er gerade in den ersten Jahren seiner Karriere häufig noch für Fehler bekannt, zählt er mittlerweile zu den stärksten Abwehrspielern weltweit.

In der Hinrunde der Bundesliga spielte Boateng beim FC Bayern überragend, zum Auftakt der Rückrunde zog er sich eine Muskelverletzung zu und fiel länger aus. Während der Europameisterschaft in Frankreich war er bis zu seiner Verletzung vor dem Halbfinale der beste deutsche Spieler, schoss sogar eines seiner seltenen Tore und verhinderte gegen die Ukraine mit einer spektakulären Aktion einen Gegentreffer.

"Mein Nachbar Jérôme"

Dieses Jahr sorgte der 27-jährige aber nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualitäten für Schlagzeilen. Der umstrittene AfD-Vize Alexander Gauland empörte kurz vor der EM mit seiner Aussage, die Menschen in Deutschland würden "einen Boateng nicht als Nachbarn haben wollen".

"Es ist traurig, dass so etwas heute noch vorkommt", sagte Boateng später in einem Gespräch mit der ARD. In den sozialen Netzwerken bekam er Unterstützung von Mitspielern und Fans. Der Ausdruck "Mein Nachbar" wurde zum geflügelten Wort und setzte ein Zeichen für Akzeptanz und gegen Fremdenhass. "Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn", sagte sein DFB-Mitspieler Benedikt Höwedes.

An Boatengs Wahl zum Fußballer des Jahres dürfte es folglich wenig Kritik geben. An dem Verfahren schon eher. Denn von den etwa 3.700 wahlberechtigten Journalisten, die sich im Verband der Sportjournalisten (VDS) organisieren, geben längst nicht alle ihre Wahl ab. Der Anteil war in den vergangenen Jahren nach Angaben des Kicker rückläufig. So kann es eben kommen, dass der Sieger mit 163 Stimmen die prestigeträchtige Auszeichnung gewinnt.

Auszeichnungen für Dirk Schuster und Alexandra Popp

Den Titel als Trainer des Jahres gewann Dirk Schuster für seine Arbeit bei Bundesligaaufsteiger Darmstadt 98. Der neue Trainer des FC Augsburg setzte sich mit 256 Stimmen vor Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (134) und dem ehemaligen Bayerncoach Pep Guardiola (54) durch. Bundestrainer Joachim Löw (19) landete auf Platz sechs. In der vergangenen Saison gelang Schuster mit Darmstadt der Klassenerhalt in der Bundesliga.

Zur Fußballerin des Jahres wurde Alexandra Popp (109) gekürt. Die Angreiferin vom VfL Wolfsburg gewann vor Mandy Islacker (1. FFC Frankfurt/63) und Melanie Behringer (Bayern München/42). Alle drei sind derzeit bei den Olympischen Spielen in Rio aktiv.