Was machten die Deutschen?

Weiter fleißig Medaillen hamstern. Zweimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze wurden am Samstag um deutsche Hälse gehängt. Eine gute Quote. Besonders dramatisch war der Sieg von Diskuswerfer Christoph Harting, der mit seinem Bruder Robert gleichzog und seine erste Goldmedaille gewann. Der goldene Wurf auf 68,37 Meter, der dem polnischen Bären Piotr Malachowski die goldene Beute entriss, gelang Harting im letzten Versuch. Bronze holte sich der Bochumer Daniel Jasinki.

Ebenfalls stark: Die Goldmedaille von Christian Reitz, der sich aus 25 Metern mit der Schnellfeuerpistole zur Goldmedaille schoss. Somit liegen die deutschen Schützen fast gleichauf mit Italien im wettbewerbsinternen Medaillenspiegel. Und, Überraschung: Das Schützenteam um Reitz hat zwei Goldmedaillen mehr als die USA, der Nation, in der das Herumballern gemeinhin als Volkssport gilt.

Silber gewannen der Deutschlandachter der Ruderer und Angelique Kerber im Tennis. Wobei Kerbers Silbermedaille der bitterste Sportmoment aus deutscher Sicht war. Ganz Olympiadeutschland hatte auf das erste Tenniseinzelgold seit Steffi Grafs Erfolg aus dem Jahr 1988 gehofft, es eigentlich erwartet. Kerber war gegen die bisher unbekannte Puertoricanerin Mónica Puig favorisiert. Davon war im Finale jedoch nichts zu sehen. Puig schlug die Bälle nicht über das Netz, sie peitschte sie herüber. Bevorzugt auf und ganz nah heran an die Seitenlinien. Die deutsche Weltranglistenzweite kniete, hechtete und verrenkte sich weit hinter der Grundlinie nach Bällen, applaudierte brav nach den Kunstschlägen der Gegnerin. Am Ende reichte alles Leiden nicht zum Titel. Puig besiegte die menschliche Squashwand mit 6:4, 4:6 und 6:1.

Was machten die Deutschen noch gut?

Erstaunlicherweise spielten sie ziemlich gut Fußball. Europameister Portugal wurde mit 4:0 geschlagen, aus einem bisher miefig spielenden wurde ein favorisiertes Land. Portugal hätte durchaus höher verlieren können, so gefährlich trat Horst Hrubeschs Elf auf. Im Halbfinale geht es gegen Nigeria, ein möglicher Finalgegner ist der Gastgeber Brasilien. Der gewann gegen Kolumbien mit 2:0 und spielt im Halbfinale gegen Honduras. Brasiliens Superstar Neymar überstand das Spiel übrigens ohne komplizierte Knochenbrüche.

Auch in zwei anderen Teamsportdisziplinen bestätigten deutsche Mannschaften ihre Ambitionen. Die Handballer schlugen Slowenien mit 28:25 und haben sich für das Viertelfinale qualifiziert. Das Tischtennisteam schlug Chinesisch Taipeh, besser bekannt als Taiwan, mit 3:1. Nächster Gegner im Viertelfinale ist Österreich.  

Wer war nicht in Partystimmung?

Ausgerechnet Goldjunge Christoph Harting. Der war gerade siegreich aus dem Diskuskäfig rotiert, als seine sonderbare Show begann. Bei der Siegerehrung gab er sich so locker und lässig, dass nicht nur die Bild einen "Arroganz-Auftritt" feststellte. Auf der obligatorischen Pressekonferenz sagte Harting, er sei weder PR-Mensch noch Medienhengst, sondern introvertiert und wolle sich deshalb nicht den Journalistenfragen stellen. Und obwohl keine Eistonne auf ihn wartete, trug er sein breites Kreuz auch an den ZDF-Reportern wortlos vorbei. Das erboste nicht nur seinen Trainer, der befürchtet, dass sein Athlet ob seines Erfolgs (Achtung: Wortwitz für Diskusfans) "freidrehen könnte". Über das Auftreten des Berliners könnte man auch sagen: Harting ist ein Diskus-, aber wahrlich kein Diskursprofi. 

Die Olympiasause ist für die russische Weitspringerin Darja Klischina dagegen vorbei, bevor sie überhaupt anfangen hat. Als letzte Russin wurde sie von den Leichtathletikwettkämpfen ausgeschlossen. Bis kurz vor ihrem Wettkampf war für sie eine Ausnahme gemacht worden, weil Klischina in den USA lebt und trainiert, dort auch kontrolliert wurde. Neuste Informationen des McLaren-Dopingberichts belasteten jedoch auch sie und verhinderten ihren Start. Der Internationale Sportgerichtshof CAS könnte die Entscheidung vor dem Wettkampf am Montag aber noch rückgängig machen.

Und sonst so?

Ein Nocioni war Brasiliens Partyschreck des Tages. Gemeint ist der argentinische Basketballer Andrés Nocioni, dessen Nachname wie eine Pastasorte klingt. Im Südamerikaduell gegen Brasilien warfen seine Spaghettiarme Argentinien mit 37 Punkten zum 111:107-Sieg. Zuvor hatte es im bisher aufregendsten Basketballspiel des Turniers zwei Verlängerungen gegeben. Brasiliens Viertelfinale ist somit ähnlich gefährdet wie die Sauberkeit des Wassers im Turmspringerbecken.

Keine Schwimmnudel, sondern wahrscheinlich der beste Schwimmer aller Zeiten ist Michael Phelps. Der krönte seine Olympischen Spiele mit seiner 23. Goldmedaille, dieses Mal in der Lagenstaffel über 100 Meter. Es war sein letzter olympischer Auftritt.

Wer gewann Gold?

  • Leichtathletik, Männer, Diskuswurf: Christoph Harting (Deutschland), Frauen, 100 Meter: Elaine Thompson (Jamaika), Männer, Weitsprung: Jeff Henderson (USA), Frauen, Siebenkampf: Nafissatou Thiam (Belgien); Männer, 10 000 Meter: Mo Farrah (Großbritannien)
  • Schwimmen, Frauen, 100 Meter Lagenstaffel: USA; Männer, 100 Metern Lagen-Staffel: USA, Männer, 1500 Meter Freistil, Gabriele Paltrinieri (Italien), Frauen, 50 Meter Brust: Pernille Blume (Dänemark)
  • Tennis, Frauen, Einzel: Monica Puig (Puerto Rico)
  • Bahnrad, Frauen, Keirin: Elis Ligtlee (Niederlande)
  • Gewichtheben, Männer bis 94 kg: Sohrab Moradi (Iran)
  • Fechten, Frauen, Säbel Mannschaft: Russland
  • Turnen, Männer, Trampolin: Uladsislau Hantscharu (Weißrussland)
  • Schießen, Männer, Skeet: Gabriele Rossetti (Italien), Männer, Schnellfeuerpistole 25 Meter: Christian Reitz (Deutschland)
  • Rudern, Frauen, Achter mit Steuerfrau: USA, Männer, Achter mit Steuermann: Großbritannien, Frauen, Einer: Kimberley Brennan (Australien); Männer, Einer: Mahe Drysdale (Neuseeland)