Was machten die Deutschen?

Medaillen sammeln. Schon am Nachmittag ging es los. Sebastian Brendel paddelte im Einer-Canadier zu Gold und holte seinen zweiten Olympiasieg nach London 2012. Gerhard Delling fragte hinterher investigativ: "Hatten Sie ein größeres Paddel als die anderen?" Doch der Potsdamer verneinte den Verdacht auf Paddel-Doping mit einem Schmunzeln.

Ähnlich schmunzelten auch Franziska Weber und Tina Dietze. In einem Fotofinish paddelten sie zu Silber im Kajak-Zweier über 500 Meter.

Eng lief es auch für Patrick Hausding. Unzählige Medizinmänner, Schamanen und die Ratiopharm-Zwillinge waren schon unterwegs, um dem Kunstspringer den Platz-4-Fluch auszutreiben. Doch die können wieder umdrehen. Hausding gewann vom 3-Meter-Brett Bronze und holte damit auch die erste Medaille für den Deutschen Schwimm-Verband.

Und dann gab es diesen Goldtraum von Fabian Hambüchen. Sein Auftritt am Reck war makellos, auch der Abgang super. Doch dann riss er eine halbe Sekunde zu früh die Jubelarme hoch und geriet ein wenig aus dem Gleichgewicht. "Bleib stehen, Mensch!", brüllte der ARD-Kommentator so laut, dass selbst die eben eingenickten Fernsehzuschauer mit Herzrasen von der Couch hochschreckten. Der kleine Ausfallschritt kostete Hambüchen ein paar Bewertungspunkte, aber nicht die Goldmedaille. Kaum zu glauben, dass der kleine Harry Potter von Athen 2004 zum goldigen Kraftpaket gereift ist. Für ihn und vielleicht auch für das Deutsche Haus im Dorf war es der letzte olympische Auftritt. Der Olympiasieger versprach: "Das Deutsche Haus nehmen wir auseinander. Da findet ihr morgen nur noch Schutt und Asche."

Ähnliches haben vielleicht auch die Beachvolleyballerinnen vor. Laura Ludwig und Kira Walkenhorst schlugen die Brasilianerinnen Larissa França und Talita Antunes da Rocha im Halbfinale. Am Donnerstag spielen sie um Gold im goldenen Sand der Copacabana. Ins Finale rackerten sich auch die deutschen Fußballerinnen. Mit 2:0 siegte die Neid-Elf gegen Kanada. Dort wartet nicht der Gastgeber Brasilien, sondern Schweden. Die gewannen 4:3 im Elfmeterschießen.

Lief auch was schief?

Ja, auf dem Hockeyfeld zum Beispiel. Da verloren die Herren 2:5 gegen Argentinien und verpassten den Einzug ins Finale. Viele Spieler wussten gar nicht, wie sich das anfühlt, in einem olympischen Hockeyturnier auszuscheiden. 2008 und 2012 gab es Gold. Diesmal wird es höchstens Bronze.

Auch die deutschen Diskus-Frauen warfen die Teller dem Weltniveau hinterher. Rang 6 für Nadine Müller. Drei Plätze dahinter landete Julia Fischer. Immerhin helfen sie damit Deutschland im fairen Medaillenspiegel.

Wer saß fest im Sattel?

Alle außer Kristina Vogel. Ihr Sattel löste sich in der finalen Runde im Bahnrad-Sprint vom Rahmen und flog davon. Trotzdem raste sie mit vier Tausendstelsekunden Vorsprung vor Rebecca James aus Großbritannien über die Ziellinie und gewann Gold. Vier Tausendstelsekunden! Ein Kolibri braucht mehr als doppelt so lang, um einmal mit den Flügeln zu schlagen. Doch Kristina Vogel hatte weder Flügel noch Sattel. Brauchte sie auch nicht.

Worüber konnte man sich freuen?

Über die Beachvolleyballfans. Beim Spiel von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst war das Stadion knüppelvoll, und die Stimmung grandios. Okay, sie haben auch gegen Brasilianer gespielt. Es war trotzdem ein toller Anblick. Gut gefüllte Ränge sind leider sehr rar bei diesen Olympischen Spielen. Beim Tischtennisfinale der Frauen saßen gefühlt fünf Leute im Publikum.

Olympische Spiele in 360