Was machten die Deutschen?

Die turnten erst mit und dann vor Freude. Sensationell gewann die 19-jährige Sophie Scheder die Bronzemedaille am Stufenbarren, jenem Gerät, an dem sonst viele Nachwuchshoffnungen zerstört werden. Nicht so bei der Chemnitzerin. Die schleuderte sich voller Körperkontrolle von Holm zu Holm, leistete sich allenfalls beim Aufsprung eine für Laien erkennbare Ungenauigkeit. Nur 0,033 Punkte schlechter war die Stuttgarterin Elisabeth Seitz, die auf Platz vier landete.

Den totalen Abriss feierten die deutschen Hockey-Herren, mal wieder. Dabei waren sie im Viertelfinale gegen Neuseeland schon geschlagen. In den letzten vier Minuten drehten sie ein 0:2 zum 3:2 Endstand. Der Ausgleich fiel 41 Sekunden vor dem Ende, das Siegtor von Florian Fuchs mit der Schlusssirene. Der Hockey-Gott muss einfach Deutscher sein. Zur Beruhigung der ZDF-Traumschiff-Fans: Die MS-Deutschland, 2012 in London von den Hockey-Goldjungs geentert und nachhaltig verändert, ankert zurzeit nicht vor Rio, sondern in der Nähe von Siglufjörður, Island.

Nicht minder spannend war das Halbfinale zwischen Deutschland und Japan im Tischtennis-Teamwettbewerb der Frauen: Deutschland siegte mit 3:2, brauchte im entscheidenden Spiel alle fünf Sätze und viel Glück. Dann hieß es, nach einem umstrittenen Kantenball der Deutschen, gegen den die Japanerinnen noch protestierten, 11:9 im letzten Satz nach vier Stunden Spielzeit. Die Silbermedaille ist sicher, im Finale wartet China oder Singapur.

Wer gewann die 100 Meter?

Na wer wohl, Usain Bolt natürlich. Die Frage überhaupt zu stellen, grenzt an Blasphemie, so überzeugend gewann der Jamaikaner sein siebtes Olympia-Gold. Die Zeit war mit 9,81 zwar wenig boltastisch herausragend, aber sie reichte eben locker. Auch war Bolt schnell genug, um sich schon vor der Ziellinie auf die Brust zu klopfen. So war der schnellste Mann der Welt nicht nur als erster im Ziel, sondern gleichzeitig sein erster Gratulant. Zweiter wurde der Mehrfach-Doper Justin Gatlin aus den USA, der am Start positiv auffiel und kurzzeitig auf Goldkurs lag.

Wo wurde gerungen?

Bei den Ringern, die im griechisch-römischen Stil um ihre ersten Medaillen kämpften. Auch wenn die eng umschlungenen Duelle in der Ära nach dem großen Alexander Karelin immer ein bisschen nach Schulhof-Raufereien aussehen, begeisterte das Männer-Finale in der Gewichtsklasse bis 75 Kilo. Der Russe Roman Wlassow und der Däne Mark Overgaard Madsen stießen teilweise wie Steinböcke mit ihren Köpfen gegeneinander, Augen schwollen an und Blut quoll aus den Gesichtern. Wlassow reichte letztlich eine herausragende Aktion, um sich seine zweite olympische Goldmedaille zu holen.

Auch die beiden Tennisspieler Andy Murray und Juan Martín del Potro rangen miteinander, allerdings in der mondänsten Form des Mann-gegen-Manns, dem Tennis-Einzel. Dort brauchte der Brite vier Stunden, kübelweise Schweiß und kühle Nerven, um seinen argentinischen Rivalen auszustechen. Er siegte 6:4, 4:6,6:2 und 7:5.

Mit den Tränen führte Turner Max Whithluck seine persönliche Auseinandersetzung. Pardon, Max Whitlock heißt der junge Brite natürlich. Tatsächlich war bei seinem Doppel-Triumph an Boden und Seitpferd auch Glück dabei. Zum Beispiel, dass der Boden-Favorit Sam Mikulak aus den USA bei seiner Darbietung mehrmals schwer patzte.

Was gibt’s Neues vom Gastgeber?

Keine guten Nachrichten. Der klamme Bundesstaat Rio de Janeiro könnte vor den Paralympics (7. bis 18 September) vor der Zahlungsunfähigkeit stehen. Ein Gericht verbot weitere Zuschüsse durch die brasilianische Regierung. Sollte es bei diesem Verbot bleiben, könnten die Paralympics nicht nur für die Russen vorbei sein, ehe sie überhaupt begonnen haben.

Ebenfalls in Geldnot war kurzzeitig der US-amerikanische Schwimmstar Ryan Lochte. Der wurde von als Polizisten verkleideten Räubern um seine Habseligkeiten gebracht. Lochte und seine Begleiter blieben zum Glück unverletzt.

Wer holte Gold?

Leichtathletik: Männer, 100 Meter: Usain Bolt (Jamaika); Frauen, Marathon: Jemima Jelagat Sumgong (Kenia);Männer, 400 Meter: Wayde van Niekerk (Südafrika); Frauen, Dreisprung: Caterine Ibargüen (Kolumbien)

Tennis, Männer, Einzel: Andy Murray (Großbritannien); Mixed, Doppel: Bethanie Mattek-Sands/Jack Sock (USA); Frauen, Doppel: Jekaterina Makarowa/Jelena Wesnina (Russland)

Ringen, Männer, bis 75 kg: Roman Wlasow; Männer, bis 59 kg: Ismael Borrero Molina (Kuba)

Bahnrad, Männer, Sprint: Callum Skinner (Großbritannien)

Fechten, Männer, Degen Mannschaft: Frankreich (Yannick Borel, Gauthier Grumier, Daniel Jerent, Jean-Michel Lucenay)

Kunstspringen, Frauen, 3 Meter: Tingmao Shi (China)

Turnen, Frauen, Stufenbarren: Alija Mustafina (Russland); Männer, Boden: Max Whitlock (Großbritannien); Turnen, Frauen, Sprungtisch: Simone Biles (USA) Männer, Seitpferd: Max Whitlock (Großbritannien)

Segeln, Frauen, RS:X: Charline Picon (Frankreich); Männer, RS:X Dorian Van Rijsselberge (Niederlande)

Boxen, Männer, Halbfliegengewicht: Hasanboy Dusmatov (Usbekistan)

KK-Sportgewehr Dreistellungskampf 50 m (3 x 20), Männer: Niccolo Campriani (Italien)